Macho Man, D 2015 • 98 Min • Regie: Christof Wahl • Drehbuch: Moritz Netenjakob • Mit: Christian Ulmen, Aylin Tezel, Axel Stein, Samuel Finzi, Dar Salim, Nora Tschirner, Peter Prager, Vladimir Burlakov • Kamera: Christof Wahl • FSK: ab 6 Jahren • Kinostart: 29.10.2015 • Deutsche Website

Macho Man (2015) Filmbild 1Bei The Interview sitzt Rapstar Eminem für eine Szene in der fiktiven Late-Night Show von James Franco, in Macho Man trifft Christian Ulmen im Stadion des 1. FC Köln auf Lukas Podolski und rast auf der Autobahn am Set von Alarm für Cobra 11 vorbei. Und auch ansonsten nimmt die Talfahrt der deutschen Komödie kein Ende. Dieses Jahr setzte man mit dem YouTuber-Film Kartoffelsalat sogar einen neuen Tiefpunkt. Dieser festigte sich nämlich auf dem ersten Platz in der Bottom 100 der amerikanischen Filmseite IMDb und untertrifft damit wertungstechnisch sogar Ulli Lommels cineastisches Verbrechen Daniel der Zauberer. Nimmt man das als Maßstab, kann Macho Man ja gar nicht so schlimm sein. Zumindest toben sich hier keine untalentierten Amateur-Videomacher aus. Schaut man aber einmal in die bisherige Laufbahn von Regisseur Christof Wahl, merkt man, dass er a) eigentlich Kameramann ist und unter anderem den deutschen Publikumserfolg Fack Ju Göhte gefilmt hat und b) als Co-Regisseur von Til Schweiger bei 1 ½ Ritter mitwirkte. Nun hat man wenigstens ein paar interessante Namen für den Cast herangezogen. Da entdeckt man zum Beispiel Dar Salim wieder, der letztes Jahr für Exodus: Götter und Könige bei Ridley Scott vor der Kamera stand und auch schon als Qotho in der HBO-Erfolgsserie „Game of Thrones“ auftrat, Aylin Tezel, die sich seit 2012 immer mal wieder im „Tatort“ wiederfindet und allen voran Christian „Herr Lehmann“ Ulmen.

Macho Man (2015) Filmbild 2Letzterer spielt sich mehr oder weniger solide durch den Film, guckt schön verdutzt drein und beweist auch etwas Timing für die Gags. Peinlich wird es, wenn er sich zum titelgebenden Macho Man entwickelt, um seine Aylin (Aylin Tezel) zu beeindrucken. Dabei holt er sich Hilfe bei ihrem coolen Bruder Cem (Dar Salim), muss sich durch aberwitzige Situationen mit Aylins Familie schlagen und auch sein berufliches Leben wieder etwas stärker angehen. Spaß beiseite, davon gibt es nämlich wirklich wenig in Macho Man. Die rar gesäte Situationskomik lässt sich mit einem gut aufgelegten Publikum noch irgendwie belächeln, viel kann man aber auch nur verkrampft ertragen und der Rest verschwindet irgendwo dazwischen. Nachdem sich der Deutsche und die Türkin im Urlaub kennengelernt haben und wir über die plattesten Peniswitzchen schon mal hinweg sind – aber auch schon über den besten Gag des Films – verstärkt sich diese ethnische Differenzierung noch weiter und schlägt sich in den unfassbar biederen Stereotypen des Films nieder.

Macho Man (2015) Filmbild 3Macho Man entwickelt sich zu einem stumpfen und klischeebeladenen Culture-Clash, in dem sich Daniel etwas verirrt und unter den Ratschlägen des coolen Bruders Cem zum „geilen Frauenkenner“ und Macho machen lässt. Dadurch verliert er aber das, was Aylin so an ihm geschätzt hat – den Softie-Daniel. Gähn. Sei du selbst und auch als 30-jähriger, verschwitzter Loser kriegst du noch die schönste Tänzerin aus deinem Hotel ab. Der erste Teil dieser Aussage wird genauso nett wie ausgelutscht und zudem nicht sonderlich hinnehmbar präsentiert. Der zweite Part nach dem ersten Hinsehen dazu auch noch äußerst bescheuert und lässt Macho Mans Botschaft passiv verkommen. Warum jemand diese Geschichte erzählen möchte, erschließt sich mir nicht.

Fazit

Macho Man ist wie ein abgelaufener Message-Tütenmilchreis, der zum dritten Mal fehlerhaft aufgewärmt wird und dabei jemand die ganze Zeit „Macho, Macho Man“ summt. Ein wirklich guter Nazi-Gag, ein gerade noch annehmbarer Ulmen und wenn man Glück hat, ein Publikum, das ansteckend über jeden Blödsinn lacht, dann ist Macho Man… naja, immer noch sehr schlecht, aber wenigstens kein absolutes Desaster.

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