Wild Tales – Jeder dreht mal durch! (2014)

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Wild Tales (2015) Filmkritik
ÜBERBLICK DER REZENSIONEN
Gesamt

Relatos Salvajes, AR/ES 2014 • 122 Min. • Regie: Damián Szifrón • Mit: Darió Grandinetti, Nancy Duplaa, Ricardo Darín, Leonardo Sbaragli, Walter Donado, Diego Gentile, Osmar Núñez, María Onetto • FSK: ab 12 Jahren • Kinostart: 8.01.2015 • Heimkino-Start: 25.06.2015 • Verleih: Prokino • Deutsche Website

Wild Tales (2015) Filmbild 1Ob Musiker, Kellnerin, Geschäftsmann, Sprengstoffexperte, Familienvater oder Braut – jeder dreht mal durch. Ein Umstand, den Regisseur Damián Szifrón mit rebellischer und schwarzhumoriger Zunge belegt, eingefasst in sechs individuelle Kurzgeschichten. Wild Tales – Jeder dreht mal durch ist dabei einer jener Episodenfilme, die ihren Reiz aus dem enormen Abwechslungsreichtum ziehen. Auch wenn jede Episode nach dem gleichen dramaturgischen Muster konstruiert ist, bringen durchweg gute Schauspieler und raffiniert inszenierte Settings immer wieder frischen Wind ins Geschehen. Man wird es nicht glauben, aber nach jeder Episode sehnt man sich dabei nach Veränderung, denn trotz einer minimalistischen Laufzeit von 15-20 Minuten pro Kurzgeschichte ist die Luft meist schon nach der Hälfte raus. Dies mag an den durch die Trailer vorweggenommenen Pointen liegen, zum großen Teil aber auch an Szifróns drastischer Begrenzung auf das Nötigste – in Hinsicht auf das Potential der Plots. Große inszenatorische Stärke beweist er bei der Einführung seiner Charaktere. Bereits nach wenigen Sekunden weiß man, dass Cuenca (César Bordón) ein arrogantes Arschloch und Simón (Ricardo Darín) eine vom System genervte, tickende Bombe ist.

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Wild Tales (2015) Filmbild 2Unter der heutigen Gesellschaft leidend, platzt jedem Protagonisten irgendwann der Kragen. Nicht nur visuell sondern auch im Unterton wechselhaft, hangelt Wild Tales sich dabei von einer Tragödie zur Nächsten. Ob schwarzhumorig, tragisch oder spannend – alles ist dabei. Allein fünf der sechs Geschichten enthalten äußerst vielversprechende Rache-Thriller-Prämissen. Leider ist jeder Plot nur in stark zusammengefasster Form vorhanden und geht in der Ideenvielfalt von Wild Tales schnell unter. Das ist der große Nachteil eines Films mit komplett unverknüpften Episoden. Hat eine mal kein besonders nennenswertes Highlight, vergisst man auch mal schnell eine komplette Kurzgeschichte.

Episode Numero Uno bildet Pasternak. Die kürzeste, aber mit ihrem tiefschwarzen Humor ganz eindeutig böseste Geschichte versammelt sich ungeahnt kennende Gäste in einem Flugzeug und überrascht vor allem durch sein unvorhersehbares, bitterböses Ende. Damit wird dem Zuschauer gleich zu Anfang unmissverständlich klargemacht, in welche Richtung sich der Film bewegen wird – eine Richtung, die spätestens zum Heimkino-Start aber einigen sauer aufstoßen wird. Stichwort Germanwings – Autsch! Mit fließender Leichtigkeit wechselt Szifrón danach vom Flugzeug-Kammerspiel zu Die Ratten, einem kleinen, aber feinen Rachethriller, und vollzieht damit einen gekonnten Genrewechsel, bevor man sich gleich im nächsten Setting befindet.

Dass Rache das Leitmotiv, oder zumindest ein sehr großer Bestandteil von Wild Tales ist, wird spätestens mit Straße zur Hölle klar. Dessen Ausschnitte überzeugen sowohl im Trailer, als auch im Film am meisten. Wieder zurück in der schwarzhumorigen Schiene, eskaliert keiner der sechs Kurzfilme auf so brachiale und groteske Art und treibt das Ganze mit seinem Ende noch so hart auf die Spitze.

wild-tales-07La Bombita hat das „Jeder dreht mal durch“-Prinzip wohl am besten verinnerlicht und zeigt die anarchischen Züge von Wild Tales mit wütendem Fingerzeig am deutlichsten auf. Gesellschaftskritik in seiner besten Form findet sich aber im fantastischen Drama Die Rechnung wieder. Smart und spannend inszeniert Damián Szifrón im vierten Filmchen eine intensive Familientragödie um Geldgeilheit, die so erschreckend realistisch ist, dass man sich selber manchmal beim Abwägen der Möglichkeiten ertappt. Den Abschluss bildet dann die Perle Bis dass der Tod uns scheidet. Hier kommt nicht nur die wunderbare Kameraarbeit am besten zur Geltung, die chaotische Hochzeit macht einfach am meisten Spaß.

Fazit

Wild Tales ist ein wildes Kaleidoskop aus Kurzgeschichten über die Zeitpunkte, an denen der menschliche Geduldsfaden reißt – und das kann jedem passieren. Subversiv bringt Damián Szifrón Spannung, Gesellschaftskritik und Humor in sechs abwechslungsreichen, aber leider nicht immer mitreißenden Kurzfilmen unter einen Hut. Más de eso Argentina!

DVD-Extras

Die Extras beinhalten ein sehr interessantes Making Of zum Film mit vielen Interviews und Hintergrundinformation, ein Interview mit dem Regisseur Damián Szifrón, welches das Making Of bereichernd ergänzt, und den deutschen, sowie den spanischen Originaltrailer.


Informationen zur Veröffentlichung

Ab dem 25. Juni 2015 bringt uns Prokino den Film in deutscher und spanischer Sprachfassung (mit wahlweise deutschen und spanischen Untertiteln) auf DVD und Blu-Ray in die Geschäfte und über Video on Demand direkt nach Hause.

Neben dem Hauptfilm liegen der DVD- und BluRay-Veröffentlichung folgende Extras vor:

Wild Tales DVD Cover• Making Of
• Interview mit Regisseur Damián Szifrón
• Trailer

 

 

 

 

DVD-Cover © Prokino


Trailer