Pitch Perfect 2-Star Rebel Wilson im Interview: "Ich hatte viel Glück"

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Rebel Wilson Interview

Filmfutter ist im Aca-Fieber! Zum Kinostart der herrlich lustigen Fortsetzung Pitch Perfect 2 hatten wir die Gelegenheit, Regisseurin (sowie Produzentin und Nebendarstellerin!) Elizabeth Banks und "Fat Amy" höchstpersönlich, Rebel Wilson, in Berlin zu treffen und zu interviewen und können Euch so einen kleinen Blick hinter die Kulissen des heiß erwarteten Sequels bieten. Als der erste Pitch Perfect (unsere Kritik) 2012 in die Kinos kam, hätte sich niemand ausmalen können, welch großen Erfolg eine Komödie über A-cappella-Bands erreichen könnte. In der zweiten Runde sind die Erwartungen nun deutlich höher, doch ein super aufgelegter Cast und eine inspirierte Regisseurin sorgen dafür, dass kein Fan der Barden Bellas enttäuscht sein wird.

Angeführt wird die Besetzung der Pitch-Perfect-Filme von der bezaubernden und stimmstarken Anna Kendrick, doch den größten Eindruck hat nach dem ersten Films Rebel Wilson als abgedrehte Fat Amy, die kein Blatt vor den Mund nimmt, hinterlassen. Noch vor fünf Jahren kannte kaum einer ihren Namen, doch nach einer kleinen, aber erinnerungswürdigen Nebenrolle in Brautalarm gelang ihr  kometenhafter Aufstieg in Hollywood. Fat Amy brachte ihr den endgültigen Durchbruch und wie viel Spaß sie an der Rolle hat, kann man auch in jeder Szene des zweiten Films spüren.

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In unserem Interview mit Miss Wilson sprachen wir über herausfordernde Filmstunts, ihre Vorliebe fürs US-amerikanische Reality-Fernsehen, ihre eigenen Erfahrungen im Seriengeschäft und Pitch Perfect 3, für den sie bereits unterschrieben hat. Los geht’s!

(dieses Interview ist hier auch in englischer Sprache verfügbar)

Filmfutter: Was hast Du gedacht, als Du erfahren hast, dass es einen zweiten Film geben wird?

Rebel Wilson: Ich war sehr glücklich. Mehr Knete! (lacht) Nein, es geht nicht nur ums Geld. Wir hatten so viel Spaß beim ersten und wir sind alle Freundinnen geworden, sodass es sich von selbst verstand, dass wir gemeinsam einen weiteren machen würden. Aber mit dem Erfolg des ersten Films folgten auch hohe Erwartungen von den Fans. Wir fühlten die Verantwortung, einen wirklich würdigen, lustigen Nachfolger abzuliefern.

FF: Fat Amy ist ein absolutes Publikumsliebling. Bekommst Du im echten Leben häufig Zitate Deiner Figur zu hören?

RW: Ja, auf jeden Fall. "Ich laufe im Liegen", "Meerjungfrau-Tanz", mein Crystal-Meth-Witz. Weil ich gerne verschiedene Witze über mehrere Takes mache, kann ich mich an manche gar nicht mehr erinnern, weil es nur einmalige Sachen waren, aber später landen sie im Film und jeder wiederholt sie.

FF: Ist es eher nervig, wenn Leute das ständig zitieren, oder schmeichelt es Dir?

RW: Es ist sehr schmeichelhaft, insbesondere, wenn es Witze sind, die mir spontan eingefallen sind und Leute sie dann wiederholen. Das zeigt, dass man auf dem richtigen Weg ist.

FF: Wie viel Freiraum hast Du beim Film, um zu improvisieren?

RW: Nur zwei von uns hatten komplette Freiheit am Set, was das angeht, Adam Devine, der Bumber spielt, und ich. Die anderen Mädels sind zwar erfahrene Schauspielerinnen, aber sie sind keine professionellen Komikerinnen und wir haben die Autorin nicht am Set. Also bleiben sie meistens beim Skript oder versuchen darauf zu reagieren, was wir improvisieren. Ganz hart traf es vor allem die arme Brittany (Snow) – ich habe immer Witze über sie und ihre roten Haare gemacht und sie und die anderen wussten manchmal nicht, wie sie reagieren sollten, was für sie gelegentlich bestimmt schwierig war. Aber manchmal haben sie auch wirklich überrascht und auch sehr clever und geistreich improvisiert. Aber das Drehbuch ist auch so schon sehr witzig. Ich mag es nur lieber, wenn die Dinge frisch und spontan sind.

Rebel Wilson Interview 1

FF: Wie hast Du entdeckt, dass Du Menschen zum Lachen bringen kannst?

RW: Als ich angefangen habe, dachte ich, dass ich ernste Rollen, wie Judi Dench, spielen würde. In meinem allerersten professionellen Theaterstück von der Sidney Theatre Company, dachte ich, einen ernsthaften Part zu spielen. Aber als ich auf die Bühne ging, fingen die Leute an zu lachen. Ich war sehr beleidigt, aber je mehr ich versuchte, ernst zu sein und meine Zeilen aufzusagen, desto mehr lachten die Zuschauer. Nach dieser einen Performance wurde mir klar, dass ich etwas habe, worüber die Menschen gerne lachen, also habe ich so weitergemacht. Mein Ansatz bei Comedy ist seitdem, zu versuchen, möglichst nah an der Realität zu bleiben und ernst zu wirken, aber manche Elemente so zu übertreiben, dass sie lustig werden.

FF: Ein großer Aspekt Deines Humors sind Witze über Dich selbst. Tut das nie weh?

RW: Überhaupt nicht. Ich mache mich immer als erste über mich selbst lustig, weil ich dann das Gefühl habe, dass ich mich auch über andere lustig machen darf. Manche Schauspielerinnen wären sehr beleidigt gewesen, hätte man ihnen die Rolle von Fat Amy angeboten. Ich sah das strategisch und habe mir die Möglichkeiten angeschaut, die Figur lustig zu machen. Für mich war es die lustigste Figur aus dem Drehbuch, also wollte ich sie spielen. Im echten Leben bin ich viel vernünftiger als die Charaktere, die ich spiele. Meine Mitmenschen sind häufig schockiert, wenn sie erfahren, dass ich zwei Abschlüsse von der Uni habe, weil ich so häufig dumme Charaktere spiele. (lacht)

FF: Würdest Du trotzdem sagen, dass Du Fat Amy ähnlich bist?

RW: Ziemlich ähnlich, ja, aber ich bin etwas vernünftiger und weniger wild.

FF: Du bist ein Fan des US-amerikanischen Reality-TV, oder?

RW: Ja. Einer der Gründe, weshalb ich mir diese Sendungen angeschaut habe, war, um den amerikanischen Akzent zu lernen. Ich habe nicht gedacht, dass ich Australierinnen in Filmen spielen würde, aber jetzt macht Rose Byrne das auch immer häufiger und auch Chris Hemsworth nutzt häufig seinen echten Akzent. Es war nicht immer so, man musste wirklich sehr amerikanisch klingen (imitiert übertriebenen US-Akzent). Ich liebe Reality-Fernsehen immer noch und schaue mir viel davon an. Meine Lieblingssendung ist "Dance Moms", ich schaue aber auch sehr gerne "Survivor". Ich habe mir früher auch gerne "Hier kommt Honey Boo-Boo" angeschaut. (lacht) Es erinnerte mich ein wenig an meine eigene Familie, zumindest in puncto ekelhaftes Essen. Wir hatten keine sehr privilegierte Erziehung.

FF: War es schwierig für ein Mädchen aus Australien es ins Hollywood-System zu schaffen?

RW: Meine Agentur, WME, sah eine australische Musical-Fernsehserie, die ich geschrieben, produziert und in der ich mitgespielt habe (Anm. der Red.: "Bogan Pride") und nahm mich daraufhin unter Vertrag. Ich hatte unglaublich viel Glück, innerhalb von nur drei Monaten in Brautalarm besetzt worden zu sein. Verglichen mit vielen anderen Schauspielern, die auf ihren Durchbruch warten, ging es bei mir sehr schnell.

FF: Glaubst Du, dass es in den letzten Jahren große Fortschritte für Frauen in Hollywood gab, insbesondere in Komödien, und dass Frauen endlich die verdiente Anerkennung in humorvollen Rollen erhalten?

RW: Frauen haben natürlich schon immer Comedy gemacht, obwohl es historisch gesehen viel akzeptierter ist, über einen Mann zu lachen als über eine Frau. Es kann also schwierig sein für Frauen, insbesondere beim Stand-Up. Ich hatte Glück, dass meine erste Rolle in den USA in Brautalarm war. Der Riesenerfolg des Films löste eine Renaissance von Komödien mit weiblichen Ensembles aus. In dieser Richtung wird jetzt viel entwickelt und viele weibliche Drehbuchautorinnen werden angeheuert. Davor waren etwa 90% der Komödien-Autoren Männer.

FF: Du hattest auch eine Sitcom, "Super Fun Night", die leider nach einer Staffel abgesetzt wurde. Wie würdest Du Deine Erfahrungen im Fernsehen beschreiben?

RW: Ich habe nicht geahnt, wie schwierig es ist, gleichzeitig Autorin, Produzentin und Hauptdarstellerin in einer Network-Sitcom in den USA zu sein. Pro Tag werden sieben Drehbuch-Seiten gefilmt, was sehr viel ist, und an den Wochenenden habe ich immer die Folge von der nächsten Woche geschrieben. Man hat gar keine Freizeit. Ich habe keine Ahnung, wie Tina Fey das bei "30 Rock" sieben Jahre lang gemacht hat. Ich habe nie zuvor in diesem System gearbeitet und Vieles von mir wurde zensiert. Einige meiner Lieblingsmomente mussten geschnitten werden. Es war trotzdem eine coole Erfahrung. Am Set des dritten Nachts-im-Museum-Films habe ich mit Robin Williams viel darüber geredet, wie schwierig es ist, interessante Comedyserien fürs Network-Fernsehen zu produzieren. Er hatte zu der Zeit selbst eine Sitcom (Anm. der Red.: "The Crazy Ones"), die mit meiner konkurrierte. Es war eine gute Erfahrung, aber wenn ich es noch einmal machen würde, wüsste ich, was ich anders machen sollte.

FF: Beispielsweise lieber fürs Kabelfernsehen zu arbeiten?

RW: Ja… Ich bekomme eigentlich viele Angebote vom Kabelfernsehen, aber momentan machen Filme so viel mehr Spaß, also schreibe und entwickele ich lieber neue Filmprojekte.

FF: Elizabeth Banks ist ebenfalls eine sehr talentierte, komödiantische Schauspielerin. Mit Pitch Perfect 2 wechselte sie auch ins Regiefach. Ist das auch eine Ambition von Dir oder bist Du damit glücklich, Schauspielerin zu sein?

RW: Ich wurde schon gefragt, aber ich denke nicht, dass ich das je tun werde. Schreiben macht Spaß, weil es einen anderen Teil des Gehirns beschäftigt als Schauspielern, aber ich denke nicht, dass ich je der Kapitän des Schiffs sein möchte. Ich arbeite gerne für andere Leute. Schauspielern und Drehbücher schreiben ist genug.

Rebel Wilson Interview 2

FF: Machen Dir Hauptrollen oder Nebenrollen mehr Spaß?

RW: Ich spiele die Hauptrolle in den meisten Projekten, die mit mir gerade entwickelt werden, aber wenn man neu in diesem Geschäft ist, nimmt man einfach alle Rollen an, die einem angeboten werden. Die Charaktere, die ich gerne spiele, sind meistens eher exzentrische Nebenfiguren. Es ist also interessant in letzter Zeit an Filmen zu arbeiten, in denen man im Mittelpunkt steht.

FF: Barack Obama hat dank Archivmaterial einen Auftritt im Film, aber hast Du ihn auch wirklich getroffen?

RW: Ich war beim White House Correspondents Dinner, aber es ist nicht so, als ob wir geredet hätten. Ich weiß, dass sie große Fans des Films sind. Michelle Obama hat mir einen Brief nach dem ersten Film geschickt und sie lud uns ein, im Weißen Haus aufzutreten, aber das hat leider nicht geklappt.

FF: Welche Performance war für Dich am anstrengendsten im Film?

RW: Die Seilstunts waren so anstrengend, dass ich dachte, ich würde das nicht schaffen. Der Todessturz, bei dem man sich hochschwingt und sich dann fallen lässt, war echt hart. Ich habe einfach keine natürlichen Fähigkeiten in diesem Bereich. Ich bin immerhin ziemlich gelenkig. Das wurde überprüft, bevor man sich überhaupt entschieden hat, diese Szene zu drehen. Ich habe fünf Wochen lang trainiert und mich viel gedehnt. In der Szene, die fast komplett in einem Take gedreht wurde, bin nur ich das. Es wird eine kleine Doku darüber auf der DVD geben.

FF: Du hast bereits für eine weitere Fortsetzung zu Pitch Perfect unterschrieben, die höchstwahrscheinlich gedreht werden wird, wenn der zweite Film erfolgreich ist. Weißt Du schon, ob noch jemand aus dem Cast zurückkehren wird?

RW: Ehrlich gesagt, habe ich keine Ahnung. Ich bin sehr geschmeichelt, dass mir ein neuer Vertrag angeboten wurde. Die neuen Mädchen, Hailee (Steinfeld) und Chrissie (Fit), haben für zwei Filme unterschrieben, das weiß ich. Aber ich weiß nicht, wie es mit den anderen aussieht. Ich denke, sie warten erst ab, wie die Fans auf den Film reagieren und dann fällt ihnen hoffentlich eine tolle Idee für den dritten ein.

FF: Hast Du irgendwelche Wünsche für deine Figur Fat Amy?

RW: Ich bin dafür, dass sie ein australisches Team zusammenstellt, das gegen das amerikanische antritt. (lacht) Wir haben auch darüber gescherzt, dass wir bei einer intergalaktischen A-cappella-Meisterschaft antreten würden…

FF: Das wäre auch der einzige Weg, sich nach der Weltmeisterschaft noch zu steigern, oder?

RW: Genau, wie kann man noch höher gehen? Oder wir könnten wieder um die Weltmeisterschaft kämpfen. Wir sollten uns anschauen, wie sie das bei Mighty Ducks III gemacht haben. Ist dir aufgefallen, dass es viele strukturelle Ähnlichkeiten zwischen Pitch Perfect und Mighty Ducks gibt?

FF: Welche Filme stehen demnächst für Dich an?

RW: In spiele in der neuen Komödie mit Sacha Baron Cohen mit, Die Brüder Grimsby. Ich bin darin als seine Frau zu sehen und es gibt einige sehr explizite Szenen in dem Film. Sachas echte Ehefrau, Isla Fisher, spielt auch mit. Wir haben einige wirklich interessante Szenen miteinander. Penélope Cruz spielt die Böse und es war wirklich cool, mit ihr zusammen zu arbeiten. Dann kommt demnächst auch Kung Fu Panda 3, etwas deutlich familienfreundlicheres für mich. Nach der Pressetour zu Pitch Perfect 2, drehe ich dann How to Be Single mit einem deutschen Regisseur, Christian Ditter. Dakota Johnson aus Fifty Shades of Grey spielt auch mit.

FF: Es sind allesamt Komödien. Hast Du auch Interesse, demnächst eine ernsthafte Rolle anzunehmen?

RW: Ich bin auf der Suche nach einem ernsthaften Projekt, aber es muss wirklich sehr ernst sen. Ich kann nicht etwas dazwischen machen, das würde die Leute nur verwirren. Ich suche also nach einem sehr dramatischen Film, aber ich habe noch keinen passenden gefunden.

FF: Vielen Dank für das Interview und viel Erfolg mit Deinen Filmen!

von Arthur Awanesjan
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Weitere Interviews zu Pitch Perfect 2:

Max Handelman (Produzent)
Elizabeth Banks (Regisseurin/Darstellerin/Produzentin)

Pitch Perfect 2  läuft ab dem 14. Mai in den deutschen Kinos und allen, die den ersten Film mochten, sei die Fortsetzung wärmstens empfehlen. Schaut bei Gelegenheit auch bei unserem Bloggerspecial und Gewinnspiel zum Film vorbei.

Bildmaterial © 2015 Universal Pictures