Teenage Bounty Hunters Staffel 2

Maddie Phillips und Anjelica Bette Fellini in "Teenage Bounty Hunters" © 2020 Netflix

Quelle: Deadline

Okay, 2020 ist endgültig ein beschissenes Jahr. Da entdeckt man zufällig eine Serie, die sich wider Erwarten als das Beste entpuppt, was man seit einer ganzen Weile gesehen hat, und rechnet fest mit einer Fortführung, weil die Serie nicht nur gute Kritiken bekommen hat, sondern einige Zeit in der täglichen Top 10 von Netflix verbrachte, und dann das!

Ganz getreu dem 2020-Motto "Die Zukunft ist scheiße und schlimmer geht’s immer" hat Netflix die Absetzung der kleinen Perle "Teenage Bounty Hunters" bekanntgegeben, obwohl die erste Staffel mit einem wirklich fiesen Cliffhanger endete und zahlreiche lose Fäden zurückließ. Na vielen Dank auch.

Ich weiß, es ist wirklich schwer sich vorzustellen, das eine Serie mti dem Titel "Teenage Bounty Hunters" (ursprünglich hieß sie sogar "Slutty Teenage Bounty Hunters") eine Offenbarung sein kann. Die Beschreibung des Inhalts macht es auch nicht viel besser.

Maddie Phillips und Anjelica Bette Fellini spielen in der Serie Zwillingsschwestern Blair und Sterling aus gutem Hause, die eine christliche Highschool besuchen und einem sehr konservativen Umfeld entstammen. So ganz den christlichen Idealen wollen sie sich aber nicht fügen, insbesondere nicht das selbsternannte Bad Girl Blair. Als sie sich ohne Erlaubnis das Auto ihres Vaters ausleihen und damit einen Unfall bauen, müssen sie plötzlich auch für die Reparaturkosten aufkommen. Zum Glück entdecken die beiden bei einer Zufallsbegegnung ihr Talent als Kopfgeldjägerinnen und können den abgebrühten, aber nicht sehr erfolgreichen afroamerikanischen Kopfgeldjäger Bowser (Kareem Hardison) überzeugen, sie unter die Fittiche zu nehmen, denn sie haben Zugang zu ganz anderen Gesellschaftskreisen als er. Eine kuriose Partnerschaft beginnt, bei der die beiden Schwestern nicht nur mehr über das Handwerk lernen, sondern auch über sich selbst.

Immer noch nicht ganz überzeugt? Kann ich Euch nicht verübeln, denn auf den ersten Blick sieht die Serie bestenfalls nach einem federleichten Guilty Pleasure aus. Wie kann nämlich eine Serie über verwöhnte christliche, republikanische, waffenliebende Teenagerinnen ernsthaft gut sein? Mit der Hoffnung auf ein Guilty Pleasure habe ich sie auch angefangen, doch schnell stellte ich fest, wie intelligent, bissig, einfühlsam und unglaublich zeitgemäß die Serie mit den Themen von Klassenunterschieden, Rassismus, Sexualität und Akzeptanz umgeht. Es steckt viel mehr Tiefe und Gefühl in dieser Serie und ihren wundervoll schrägen Charakteren, als ich es je für möglich gehalten hätte, und mich hat schon lang kein Twist mehr so vollkommen überrascht wie im Finale der ersten Staffel. Dass wir jetzt nicht einmal an dessen Auswirkungen ansetzen können, ist einfach nur bitter. Auch werden wir nie erfahren, ob Sterling und April (Devon Hales) und Blair und Miles (Myles Evans) doch noch zueinander finden werden. Von der unglaublichen Chemie der beiden Hauptdarstellerinnen ganz zu schweigen. Ich hoffe, dass durch die Serie zumindest mehr Filme- und Serienmacher auf Phillips und Fellini aufmerksam werden.

Shame on you, Netflix!