Star Trek Film

© CBS Television

Quelle: Deadline

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Mitte der 2000er herrschte eine echte Dürre für Star-Trek-Fans. Nachdem die fünfte Realserie, "Star Trek: Enterprise", 2005 nach vier Staffeln endete, war vorerst keine weitere in Sicht (und es sollte mehr als ein Jahrzehnt bis zur nächsten vergehen). Auch im Kino versetzte Star Trek: Nemesis 2002 dem Franchise einen augenscheinlichen Todesstoß, als er böse floppte.

Dennoch wagte Paramount einige Jahre später Großes, stattete J.J. Abrams für erst zweite Regiearbeit (nach Mission: Impossible 3) mit $150 Mio Budget aus und ließ ihn Star Trek quasi neu erfinden. Ein Reboot, das nicht wirklich eins war, aber irgendwie auch schon. Das Risiko machte sich bezahlt. Sein Star Trek wurde 2009 zu einem weltweiten Kinohit, wurde von der Kritik gelobt und erhielt gleich vier Oscarnominierungen, von denen er auch eine gewonnen hat – als erster Star-Trek-Film überhaupt. Zwei Fortsetzungen mit der neuen Enterprise-Crew folgten 2013 und 2016. Doch während für Paramount J.J. Abrams die Rettung von Star Trek war, war er vielen eingefleischten Trekkies ein Dorn im Auge. Aus ihrer Sicht hatten seine Star-Trek-Filme nur noch wenig mit dem Geist von Gene Roddenberrys Schöpfung zu tun. Aus intelligenten, wissenschaftsbetonten Sci-Fi-Filmen wurden effektreiche Blockbuster à la Star Wars. Dieser Eindruck setzte sich auch bei der neuen Serie "Star Trek: Discovery" bei vielen fort.

Aus diesem Grund sollte das, was Noah Hawley, der von Paramount kürzlich für den nächsten Star-Trek-Film engagiert wurde, zu seinen Plänen bei einem Interview neulich verriet, wie Musik in den Ohren der Fans des "alten" Star Trek klingen. So möchte der Schöpfer der Serien "Fargo" und "Legion" zu den Ursprüngen von Star Trek zurückkehren und die Essenz dessen einfangen, was die ersten zwei Serien wirklich ausgemacht hat – Köpfchen statt Action: (aus dem Englischen)

Ich habe meine eigene Herangehensweise an Star Trek, und diese geht darauf zurück, was ich an der Serie "Das nächste Jahrhundert" geliebt habe – während viele Franchises den Fokus auf "Macht macht richtig" legen, geht es bei Star Trek um Erforschung und ein Ideal der Menschheit, um Vielfalt und kreatives Problemlösen.

Es gibt nichts Besseres als den Moment, in dem William Shatner seine Lesebrille aufsetzt und Khans Schutzschild abschaltet. Es kostet nichts. Aber es ist dieses triumphale Gefühl, seinen Gegner überlistet zu haben.

Für mich geht es darum, diese Elemente der Serie einzufangen. Ich finde Action an und für sich nichts zwingend interessant, außer sie dient der Geschichte. Sie befindet sich noch in einem frühen Stadium, aber ich habe eine Version und ich muss ein Drehbuch schreiben.

Diese Kommentare deuten auch darauf hin, dass Hawleys Film unabhängig von den letzten drei Beiträgen aus der Kelvin-Timeline sein wird. Das mutmaßte kürzlich bereits Scotty-Darsteller Simon Pegg. Ein ursprünglich angedachtes direktes Sequel brach zusammen, als 2018 keine Einigung im Gehaltsstreit mit Chris Pine und Chris Hemsworth erzielt werden konnte. Daraufhin legte Paramount Star Trek 4 auf Eis und belebt das Franchise jetzt offenbar mit einem neuen und vermutlich kostengünstigerem Ansatz.

Hawley erklärte auch, dass es keinen Zwang seitens Paramount gebe, seine Version irgendwie mit den Serien "Discovery" oder "Picard" zu verbinden, er aber natürlich trotzdem den Kanon respektieren wird:

Es gibt kein Mandat von Paramount, eine Verbindung zu schaffen. Und auf einer gewissen Ebene gibt es eine Mauer zwischen der TV-Version und der Filmversion. Ich habe meine eigene Geschichte und ich möchte sicherstellen, wie schon bei Fargo" und "Legion", dass ich die zugrundeliegende Materie respektiere. Dass ich nicht unabsichtlich Dinge verändere, die Menschen leidenschaftlich lieben. Es ist also wichtig für mich, diese Recherche anzustellen, während ich arbeite.

Als Fan der Abrams-Filme, finde ich es schade, dass es keine weitere direkte Fortsetzung geben wird. Allerdings dürften sich viele Trekkies über Hawleys Idee freuen und auch ich bin natürlich sehr gespannt, was ein kreativer Kopf wie er sich für die Rückkehr des ultimativen Sci-Fi-Franchises ausdenkt. Allerdings frage ich mich, ob Paramount so ganz mit seiner Version einverstanden sein wird. Wer "Legion" gesehen hat, weiß, dass Hawley nicht gerade sehr massentauglich schreibt und inszeniert. Es würde mich nicht wundern, wenn wir in einem halben Jahr die Schlagzeile lesen, dass Hawley das Projekt aufgrund "kreativer Differenzen" verlassen hat.