In den letzten 50 Jahren gelang es bis vor Kurzem lediglich sechs Filmen, auf Platz 1 der umsatzstärksten Filme aller Zeiten in Nordamerika aufzusteigen – ohne Berücksichtigung der Inflation, wohlgemerkt. Als "erster moderner Sommer-Blockbuster" eroberte Steven Spielbergs Der weiße Hai 1975 die Spitze der All-Time-Charts in den USA und in Kanada. Zwei Jahre später wurde er durch den ersten Star-Wars-Film von Spielbergs gutem Freund George Lucas abgelöst. Mit E.T. – Der Außerirdische hatte sich Spielberg 1982 die Box-Office-Krone zurückgeholt und hielt sie auch 15 Jahre lang, bis Krieg der Sterne sie dank der Wiederaufführung mit der Special Edition zurückeroberte. Allerdings dauerte die zweite Herrschaftsperiode von Star Wars kein ganzes Jahr, denn 1998 begann die Ära James Cameron. Erst war Titanic elf Jahre lang der umsatzstärkste Film aller Zeiten in den USA, dann Avatar – Aufbruch nach Pandora sechs weitere Jahre.
Weltweit ist der erste Avatar immer noch unerreicht, in Nordamerika wurde er jedoch wieder von Star Wars abgelöst. Das Erwachen der Macht, die erste von Disney produzierte Star-Wars-Episode, kam 2015 mit beispiellosem Hype in die Kinos und spielte rund 936,6 Millionen US-Dollar in den USA und in Kanada ein, fast 180 Millionen mehr als Avatar zu dem Zeitpunkt. Nicht einmal Avengers: Endgame konnte Das Erwachen der Macht an den nordamerikanischen Kinokassen toppen.
Doch sieben Jahre nach dem Höhepunkt von Marvels Infinity Saga und elf Jahre nachdem Das Erwachen der Macht zum erfolgreichsten Film aller Zeiten in den USA aufgestiegen war, haben wir einen neuen Spitzenreiter. Mit einem Gesamteinspiel von 936,8 Millionen US-Dollar ist Spider-Man: Brand New Day am 47. Tag seit seiner Veröffentlichung an der siebten Star-Wars-Episode vorbeigezogen. Manchen Quellen zufolge nahm Das Erwachen der Macht seit seiner Erstauswertung noch eine halbe Million US-Dollar ein, was bedeuten würde, dass Brand New Day sich einen Tag länger gedulden müsste, um den Spitzenplatz zu erobern. Doch so oder so ist es, wie Thanos einst sagte, unvermeidbar.
Spätestens nach seinem zweiten Wochenendergebnis an den US-amerikanischen Kinokassen zeichnete sich ab, dass Brand New Day das Durchhaltevermögen hat, um Das Erwachen der Macht zu überholen. Schnell drehte sich die Diskussion vor allem darum, wie schnell er es schaffen würde und ob er auch als erster Film überhaupt eine Milliarde US-Dollar in Nordamerika alleine reichen würde. Letzteres wird ihm – zumindest ohne eine Wiederaufführung – verwehrt bleiben. Derzeit sieht es nach einem finalen Einspielergebnis von rund 960-970 Millionen US-Dollar für den Spinnenmann aus. Der Abstand zwischen Brand New Day und Das Erwachen der Macht wird daher deutlich kleiner sein als zwischen den letzten Spitzenreitern der All-Time-Charts und ihren jeweiligen Vorgängern.
Nichtsdestotrotz hat zu Beginn des Sommers kaum jemand damit gerechnet, dass Brand New Day auch nur in die Nähe des Einspiels von Das Erwachen der Macht kommen würde. Es ist die erste Comicverfilmung überhaupt, die den ersten Platz der All-Time-Charts in Nordamerika belegt. Der Film hatte nicht den Nostalgie-Bonus von Spider-Man: No Way Home und auch der Ruf des MCU ist inzwischen deutlich angeschlagener als vor fünf Jahren. Andererseits hat Spidey in der Vergangenheit immer wieder die Erwartungen übertroffen. Raimis erster und dritter Spider-Man-Film stellten jeweils Startrekorde in den USA auf und auch Brand New Day übertraf den bisherigen Rekordstart von Endgame.
Spider-Man ist und bleibt der mit Abstand beliebteste Superheld aller Zeiten, und zwar nicht nur in den USA. Dank kräftiger Unterstützung durch das Kinofest, belegte Brand New Day vergangenes Wochenende zum siebten Mal in Folge den ersten Platz der deutschen Kinocharts und erreichte als achter Film seit Pandemiebeginn mehr als fünf Millionen Besucher:innen. Bereits am Wochenende überholte er Avengers: Endgame als meistbesuchten MCU-Film in Deutschland. An seinem siebten Montag zog er schließlich mit rund 5,2 Millionen verkauften Kinotickets an Raimis erstem Spider-Man vorbei und wurde zur besucherstärksten Marvel-Verfilmung aller Zeiten in Deutschland. Technisch gesehen liegt der erste Men in Black zwar noch vorne, hat jedoch seinen Ursprung in den Malibu Comics, die 1994 von Marvel aufgekauft wurden.
Brand New Day hat gute Chancen, mehr als 5,5 Millionen Besucher:innen in Deutschland zu erreichen und unter die fünf erfolgreichsten Filme hierzulande seit Corona aufzusteigen. Als letzten großen Meilenstein hat das Sequel nun ein weltweites Einspiel von 2,5 Milliarden US-Dollar im Blick. Dieses wird Brand New Day in den nächsten Wochen erreichen, Avatar und Avengers: Endgame sind jedoch an den weltweiten Kinocharts außerhalb seiner Reichweite. Endgame hat jedoch dank der bevorstehenden Wiederaufführung die Chance, Avatar vom weltweiten Box-Office-Thron wieder zu stoßen und vielleicht sogar als allererster Film die drei-Milliarden-Schallmauer zu durchbrechen. Dazu fehlen noch rund 200 Millionen US-Dollar.
Quellen: Insidekino, The Numbers














