Screen Actors Guild Awards 2022

Links: Jeremy Strong in "Succession" © 2021 HBO
2. von links: Lady Gaga in House of Gucci © 2021 MGM/Universal Pictures
2. von rechts: Jason Sudeikis in "Ted Lasso" © 2021 Apple Inc.
Rechts: Benedict Cumberbatch in The Power of the Dog © 2021 Netflix

Quelle: SAG-AFTRA

Kritikerpreise wie die Golden Globes oder die Critics' Choice Awards sind ja schön und gut, um das Gespür für einen generellen Konsens während eines Oscar-Rennens zu bekommen, doch deutlich aussagekräftiger bleiben die Auszeichnungen, die innerhalb der Filmindustrie selbst verliehen werden, von diversen Gewerkschaften und Verbänden. Denn letztlich sind es diese Leute, die auch eine Schnittmenge mit den späteren Oscar-Wählern darstellen. Die Academy setzt sich nicht aus Filmkritikern zusammen, sondern aus Schauspielern, Regisseuren, Drehbuchautoren, Kameraleuten und allen anderen Vertretern der Berufe, die für Entstehung eines Films zuständig sind.

Die größte Sparte in der Academy bilden Schauspielerinnen und Schauspieler. Deshalb haben die jährlichen Nominierungen und Auszeichnungen der Schauspielergewerkschaft Screen Actors Guild (SAG) eine große Bedeutung im Hinblick sowohl auf die späteren Nominierungen in den vier Schauspielkategorien als auch auf die allgemeinen Chancen des Films in der Königsklasse "Bester Film". Dies ist darin begründet, dass in der Kategorie alle Academy-Mitglieder sowohl in der Nominierungsphase als auch bei der Wahl des Siegers wahlberechtigt sind. Die SAG-AFTRA, die sich aus der Screen Actors Guild und der American Federation of Television and Radio Artists zusammensetzt, zählt aktuell fast 130.000 Mitglieder. Aus diesen werden jedes Jahr nach Zufallsprinzip jeweils 2100 Wähler für die Kategorien Film bzw. Fernsehen bestimmt. Aus ihren Stimmen ergeben sich dann die Nominierungen der Screen Actors Guild Awards, die seit 1995 verliehen werden. Bei der Sieger-Abstimmung dürfen sich alle SAF-AFTRA-Mitglieder beteiligen.

Kurz gesagt: Wer von der SAG nicht einmal nominiert wurde, hat es bei den Oscars schwer. Es gab lediglich eine Handvoll Oscarsieger in den Schauspielkategorien seit 2012, die ohne eine vorige SAG-Nominierung trotzdem den Oscar gewonnen haben, darunter Regina King für Beale Street und Christoph Waltz für Django Unchained. Etwas anders verhält es sich bei den Oscarnominierungen. Die Übereinstimmung in jeder der vier Schauspielkategorien ist da etwa 4 zu 5. Das heißt, dass von den fünf SAG-Nominees pro Kategorie später im Schnitt vier auch für den entsprechenden Oscar nominiert werden. In den letzten zehn Jahren war die Übereinstimmung am höchsten in der Kategorie "Bester Hauptdarsteller", in der 41 der 50 Nominees aus dieser Zeit später auch eine Oscarnominierung erhielten. Bei Nebendarstellerinnen waren es 38 von 58, und bei den Hauptdarstellerinnen und Nebendarstellern waren es 37.

Als ein weiterer wichtiger Indikator galt lange die Nominierung für das beste schauspielerische Ensemble eines Films. Von 1995 bis 2016 gelang es lediglich einem einzigen Film (Braveheart) den "Bester Film"-Oscar ohne eine vorige Ensemble-Nominierung der SAG zu gewinnen. Doch seitdem verlor diese Statistik an Aussagekraft, denn von den letzten vier Oscarsiegern war nur Parasite von der SAG für sein Ensemble nominiert. Shape of Water, Green Book und Nomadland gewannen den Oscar ohne die SAG-Nominierung.

Ganz abgesehen von ihrer Relevanz für die Oscars gehören die Screen Actors Guild Awards an sich schon zu den begehrtesten Schauspielpreisen Hollywood, denn sie werden schließlich gewissermaßen von Kollegen an Kollegen verliehen. Die diesjährige Auswahl im Filmbereich strotzt vor zahlreichen Überraschungen, doch bevor ich genauer auf sie eingehe, hier einmal die Liste der Nominierungen:

Bester Hauptdarsteller

Benedict Cumberbatch (The Power of the Dog)
Andrew Garfield (Tick, Tick… Boom!)
Javier Bardem (Being the Ricardos)
Denzel Washington (The Tragedy of Macbeth)
Will Smith (King Richard)

Beste Hauptdarstellerin

Olivia Colman (Frau im Dunkeln)
Lady Gaga (House of Gucci)
Jennifer Hudson (Respect)
Jessica Chastain (The Eyes of Tammy Faye)
Nicole Kidman (Being the Ricardos)

Bester Nebendarsteller

Troy Kotsur (CODA)
Bradley Cooper (Licorice Pizza)
Kodi Smit-McPhee (The Power of the Dog)
Jared Leto (House of Gucci)
Ben Affleck (The Tender Bar)

Beste Nebendarstellerin

Caitriona Balfe (Belfast)
Cate Blanchett (Nightmare Alley)
Kirsten Dunst (The Power of the Dog)
Ariana DeBose (West Side Story)
Ruth Negga (Seitenwechsel)

Bestes Ensemble

CODA
Belfast
House of Gucci
King Richard
Don’t Look Up

Bestes Stunt-Team

Matrix Resurrections
Black Widow
Keine Zeit zu sterben
Dune
Shang-Chi and the Legend of the Ten Rings
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The Power of the Dog und House of Gucci führen mit jeweils drei Nennungen, wobei The Power of the Dog trotz drei individueller Schauspielnominierungen eine Ensemble-Nominierung überraschend verwehrt blieb. House of Gucci positioniert sich derweil nach solidem Abschneiden bei den Globes und der SAG trotz gemischter Kritiken als ein ernstzunehmender Kandidat für eine "Bester Film"-Nominierung. Zumindest Lady Gaga sollte ihre zweite Hauptdarstellerin-Nominierung so gut wie sicher sein. Bei Jared Leto wäre ich mir da noch nicht so sicher, da seine beinahe klamaukige Performance durchaus umstritten ist. Außerdem war Leto auch letztes Jahr für The Little Things von der SAG nominiert, bei den Oscars aber später nicht. Überraschend ist auch die Nominierung von Bradley Cooper für Licorice Pizza, in dem er knapp fünf Minuten Screentime hat (aber definitiv einen bleibenden Eindruck hinterlässt).

Geradezu schockierend ist, dass Kategorie-Favoritin Kristen Stewart für Spencer gar nicht nominiert wurde. Ich schätze, dass diese Auslassung Nicole Kidman zur neuen Favoritin für den Oscar macht, insbesondere nach ihrem Golden-Globe-Sieg. Jennifer Hudson, die bislang bei kaum einer Preisverleihung erwähnt wurde, schaffte es überraschend in die Auswahl mit Respect. Auch sehr überraschend ist, dass Aunjanue Ellis als Nebendarstellerin für King Richard übergangen wurde.

Neben House of Gucci profitierte auch CODA sehr von den SAG-Nominierungen für das Ensemble und Troy Kotsur als Nebendarsteller. Es ist das erste Mal, dass die SAG gehörlose SchauspielerInnen nominiert hat. Hingegen zeigte sich West Side Story recht schwach ohne Nominierungen für das Ensemble, Rita Morena oder Rachel Zegler, obwohl letztere kürzlich den Golden Globe gewonnen hat.

Denzel Washington hat für The Tragedy of Macbeth seien sechste SAG-Nominierung als Hauptdarsteller bekommen – mehr als jeder andere Schauspieler in der Geschichte der SAG Awards. Gewonnen hat Washington bislang nur einmal (für Fences).

Im Serienbereich dominieren "Succession" und "Ted Lasso" mit jeweils fünf Nominierungen. Bei "Succession" entfielen davon alleine drei auf die Darsteller-Kategorie. Dieses sehr starke Abschneiden ist besonders genugtuend, nachdem die ersten zwei Staffeln von der SAG keine einzige Nominierung erhielten. Stark zeigte sich auch "The Morning Show" mit vier Nominierungen. Netflix' Sensation "Squid Game" schrieb mit drei Nominierungen  Geschichte und wurde zur ersten nicht-englischsprachigen Serie, die von der Schauspielergewerkschaft nominiert wurde.

Alle TV-Nominierungen der SAG findet Ihr unten:

Bester Darsteller einer Dramaserie

Lee Jung-jae ("Squid Game")
Brian Cox ("Succession")
Kieran Culkin ("Succession")
Jeremy Strong ("Succession")
Billy Crudup ("The Morning Show")

Beste Darstellerin einer Dramaserie

Jung Ho-yeon ("Squid Game")
Jennifer Aniston ("The Morning Show")
Reese Witherspoon ("The Morning Show")
Elisabeth Moss ("The Handmaid’s Tale – Der Report der Magd")
Sarah Snook ("Succession")

Bestes Ensemble einer Dramaserie

"The Morning Show"
"Squid Game"
"The Handmaid’s Tale – Der Report der Magd"
"Succession"
"Yellowstone"

Bester Darsteller einer Comedyserie

Martin Short ("Only Murders in the Building")
Steve Martin ("Only Murders in the Building")
Michael Douglas ("The Komincky Method")
Brett Goldstein ("Ted Lasso")
Jason Sudeikis ("Ted Lasso")

Beste Darstellerin einer Comedyserie

Sandra Oh ("Die Professorin")
Elle Fanning ("The Great")
Jean Smart ("Hacks")
Juno Temple ("Ted Lasso")
Hannah Waddingham ("Ted Lasso")

Bestes Ensemble einer Comedyserie

"Ted Lasso"
"Only Murders in the Building"
"The Kominsky Method"
"The Great"
"Hacks"

Bester Darsteller in einer Miniserie oder einem TV-Film

Oscar Isaac ("Scenes from a Marriage")
Murray Bartlett ("The White Lotus")
Ewan McGregor ("Halston")
Evan Peters ("Mare of Easttown")
Michael Keaton ("Dopesick")

Beste Darstellerin in einer Miniserie oder einem TV-Film

Kate Winslet ("Mare of Easttown")
Jean Smart ("Mare of Easttown")
Jennifer Coolidge ("The White Lotus")
Margaret Qualley ("Maid")
Cynthia Erivo ("Genius: Aretha")

Bestes Stunt-Team

"The Falcon and the Winter Soldier"
"Loki"
"Mare of Easttown"
"Cobra Kai"
"Squid Game"
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Die Gewinner der 28. Screen Actors Guild Awards werden im Rahmen einer Verleihung am 27. Februar bekanntgegeben werden.