Oscars 2022 werden in acht Kategorien nicht live verliehen

© Academy of Motion Picture Arts and Sciences

Quelle: The Hollywood Reporter

Es ist kein Geheimnis: Ich liebe die Oscars. Seit 2000 schaue ich die Verleihungen live, sogar noch zu Schulzeiten, als ich damals nach wenigen Stunden Schlaf bereits aufstehen musste. Die Schließung der Kinos während der Corona-Pandemie nahm mir letztes Jahr leider jegliche Freude und Interesse an den Oscars. Zum ersten Mal seit ich 14 war, war mir das Oscar-Rennen weitgehend egal. Ich habe die meisten Kandidaten damals nicht gesehen und es fühlte sich einfach seltsam an, einem Oscar-Rennen zu folgen, während alle Kinos rund um mich seit Monaten dicht waren. Die in einem Bahnhofsgebäude (ja, wirklich) abgehaltene Verleihung im April 2021 gab mir dann den Rest: Nach einer guten Stunde eingeschlafen und habe es auch nicht bereut.

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Dass die Umstände der Pandemie jegliches Interesse an den Oscars genommen haben, habe ich übrigens auch von vielen mit mir befreundeten Filmfans damals vernommen. Das zeigte sich auch an den Einschaltquoten der Oscarverleihung, die mehr als 50% unter dem Vorjahr lagen.

Zu meiner großen Erleichterung habe ich in den letzten Monaten jedoch festgestellt, dass mein Desinteresse an den prestigeträchtigsten Filmpreisen der Welt zum Glück nur temporär war. Dieses Jahr bin ich wieder "voll drin", was man vermutlich auch an meinem deutlich erhöhten Artikel-Output zum Oscar-Rennen merkt. Voller Vorfreude sehe ich dem 27. März entgegen, wenn die Oscars in der Nacht von Sonntag auf Montag zum 94. Mal in Los Angeles verliehen werden.

Doch meine Vorfreude hat jetzt einen Dämpfer bekommen, der mich die Augen verdrehen lässt. Die niedrigen Einschaltquoten haben die Academy und den US-Sender ABC, der einen exklusiven Vertrag über die Ausstrahlung der Verleihung hat, beunruhigt, sodass jetzt Maßnahmen unternommen werden, um die Oscars für das Massenpublikum wieder relevant und bekömmlich zu machen. Eine davon ist die Twitter-Abstimmung über den Lieblingsfilm der Kinogänger, die unter dem Hashtag #OscarsFanFavorite zwischen dem 14. Februar und dem 3. März abgehalten wird und als quasi-Nachfolger der vorgeschlagenen, aber dann doch abgeschafften Oscarkategorie "Best Popular Film" gesehen wird. Auf diese Weise sollen auch im Mainstream populäre, aber von den Oscars zugunsten anspruchsvollerer Arthouse-Streifen ignorierte Filme anerkannt werden. Okay, kann man machen, solange es keine offizielle Oscarkategorie ist.

Deutlich mehr stört mich jedoch die neuste Entwicklung: Um die Verleihung knackiger und für die Zuschauer zu Hause unterhaltsamer zu machen, werden die Oscars acht offenbar als weniger wichtig designierten Kategorien nicht live verliehen. Stattdessen werden die Gewinner in diesen Kategorien eine Stunde vor Beginn der offiziellen Verleihung im Dolby Theatre in Los Angeles prämiert und die Aufzeichnungen der Sieger und deren Reden werden dann in Ausstrahlung der restlichen Verleihung reingeschnitten. Betroffen sind die folgenden Kategorien:

Bester Schnitt
Beste Filmmusik
Bestes Szenenbild
Bester Ton
Bestes Make-up und Beste Frisuren

Bester Kurzfilm
Bester animierter Kurzfilm
Bester Dokumentar-Kurzfilm

Einen ähnlichen Vorschlag gab es bereits 2018, doch er wurde nach sehr ablehnenden Reaktionen innerhalb der Filmindustrie verworfen. Diesmal scheint die Academy sehr entschlossen zu sein, die Änderung durchzuziehen. Es sieht nicht danach aus, als würde die Dauer der Verleihung selbst dadurch kürzer werden, vielmehr soll die freigewordene Zeit für Musical-Nummern, Montagen oder vermeintlich lustige Sketches genutzt werden.

Wie finde ich das? Tja, ziemlich scheiße. Es ist mir schon klar, dass die meisten Zuschauer hauptsächlich an sechs Kategorien interessiert sind: Film, Regie und die vier Schauspielkategorien. Vielleicht auch noch "Bester Animationsfilm" und "Bester internationaler Film". Doch gerade Schauspieler und Filmemacher bekommen für gewöhnlich sowieso viel Zeit im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit. Die Oscars war seit jeher eine Veranstaltung, bei der auch die unbesungenen Heldinnen und Helden hinter den Kulissen eines Films wie Tontechniker, Szenenbildner, Maskenbildner öffentlich anerkannt und gefeiert werden. Und Kurzfilm-Regisseure, die in der Regel unter deutlich schwierigeren Bedingungen arbeiten als Langfilmmacher, verdienen auch ihre Zeit im Rampenlicht.

Die Wahl der acht "unwichtigen" Kategorien ist ein so offensichtlicher Schachzug, um an das Mainstream-Publikum zu appellieren. Fragt Ihr Euch, weshalb zum Beispiel die Kategorie "Beste visuelle Effekte" weiterhin live verliehen wird? Einfach weil darin auch große Blockbuster wie Spider-Man: Far From Home, Keine Zeit zu sterben und Shang-Chi and the Legend of the Ten Rings nominiert sind. Dass acht andere Kategorien dagegen ganz offensichtlich abgewertet werden, finde ich peinlich.

Amy Schumer, Wanda Sykes und Regina Hall wurden kürzlich als Moderatorinnen der 94. Academy Awards festgelegt, nachdem es in den letzten Jahren gar keinen Moderator gab. Die drei Komikerinnen werden jedoch nicht gemeinsam auf der Bühne stehen, sondern die Verleihung wird in drei separaten Segmenten mit jeweils einer Moderatorin präsentiert werden.

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