Kinos schliessen

© Cineworld

Quelle: Deadline

Die Verschiebung von Keine Zeit zu sterben ins nächste Jahr war der letzte Tropfen und das Fass für die Kinos läuft jetzt über. Ohne nennenswerte Blockbusterkandidaten mit großem Mainstream-Appeal bis Dezember ist die Situation für die Kinobetreiber gravierend – insbesondere in den Ländern, deren eigene Filmindustrie die Lücke nicht erfolgreich füllen kann, wie es zum Beispiel in China, Südkorea oder Frankreich geschieht.

Eine der unmittelbaren Konsequenzen ist, dass Cineworld, die zweitgrößte Filmkette der Welt (nach der Wanda Group, zu der u. a. AMC- und UCI-Kinos gehören), jetzt aktiv erwägt, zahlreiche ihrer Spielstätten in den USA und in Großbritannien auf unbestimmte Zeit zu schließen, weil sich der Betrieb einfach nicht lohnt. Cineworld betreibt insgesamt 790 Kinos mit mehr als 9500 Leinwänden in elf Ländern. In den USA gehören Cineworld die Regal Cinemas, die zweitgrößte Kinokette des Landes. In Großbritannien ist Cineworld die größte Kinokette mit insgesamt 127 Locations (davon 26 Picturehouse-Kinos, die von Cineworld erworben wurden). Das einzige irische Cineworld-Kino in Dublin musste wegen verschärfter Corona-Regeln bereits vor zwei Wochen auf unbestimmte Zeit schließen.

Der ursprüngliche Bericht kam von der britischen Sunday Times, die schrieb, dass alle britischen und US-amerikanischen Cineworld- bzw. Regal-Location ab kommender Woche dichtgemacht werden würden. Jetzt hat das Unternehmen selbst eine Korrektur veröffentlicht und angegeben, dass eine temporäre Schließung tatsächlich in Erwägung gezogen werden würde, aber noch keine finale Entscheidung stehe. In Großbritannien hängen rund 5500 Jobs an den Cineworld-Kinos.

Industrie-Portal Deadline verfügt über zusätzliches Insider-Wissen. Demnach wird Cineworld aller Voraussicht nach kommende Woche nicht alle der bislang 340 bis 400 wiedereröffneten Regal-Kinos in den USA schließen, sondern nur 65 Häuser mit besonders niedrigen Umsätzen. Rund 50 weitere Kinos werden nur an Wochenenden öffnen. Insgesamt könnten durch die Schließungen bis zu 18% der Umsätze am US-amerikanischen Kinomarkt kosten, was besonders in der aktuell prekären Lage schon schlimm genug wäre. In Großbritannien droht je nach Entscheidung tatsächlich die komplette Schließung, die laut Variety sogar bis 2021 andauern könnte.

Cineworld ist nicht die einzige Kinokette, die aktuell große Probleme hat. Die international bekannte Kredit-Ratingagentur S&P hat das Kredit-Rating von AMC Entertainment Holding, den Betreibern der größten US-amerikanischen Kinokette, heruntergestuft mit der Anmerkung, das AMC in den nächsten sechs Monaten die Geldreserven komplett ausgehen werden, wenn das Unternehmen es bis dahin nicht schafft, neues Kapital aufzutreiben, was S&P als "unwahrscheinlich" bezeichnet.

Anfang der Woche haben der US-Verband der Kinobesitzer, die Regiegewerkschaft Director’s Guild of America und zahlreiche namhafte Filmemacher wie James Cameron, Christopher Nolan, Jordan Peele, Clint Eastwood und Ang Lee einen gemeinsam unterzeichneten Brief an mehrere Senatoren und Gesetzgeber in Washington geschickt mit der Bitte, den Kinos finanzielle Hilfe bereitzustellen. Ohne diese, so wird im Brief angeführt, werden rund 70% der kleinen und mittelgroßen Kinounternehmen gezwungen sein, Insolvenz anzumelden und/oder dauerhaft zu schließen.