Ivan Reitman tot

Ivan Reitman am Set von Ghostbusters – Die Geisterjäger (1984) © Sony Pictures

Quelle: Associated Press

Der kanadische Filmemacher Ivan Reitman, der eine Reihe großer Kinohits in den Achtzigern inszeniert hatte, ist vergangenen Samstag im Alter von 75 im Schlaf gestorben. Das gaben seine Kinder, darunter oscarnominierter Regisseur Jason Reitman, gegenüber Associated Press bekannt. Die Todesursache ist nicht bekannt, der Tod kam für seine Familienmitglieder jedoch sehr überraschend. Reitman sollte demnächst seinen ersten Film seit fast zehn Jahren drehen, die Fortsetzung zu seinem Comedy-Hit Twins – Zwillinge mit Tracy Morgan als dritter Bruder neben Originalstars Arnold Schwarzenegger und Danny DeVito.

Reitman wurde 1946 in der ehemaligen Tschechoslowakei geboren und zog im Alter von vier mit seiner Familie nach Kanada. Sein Regiedebüt feierte Reitman 1971 mit der wenig bekannten Komödie Foxy Lady, in der Eugene Levy seine allererste Filmrolle spielte. Zwei Jahre später folgte die Grindhouse-Horrorkomödie Cannibal Girls, wieder mit Levy. Seine weiteren Schritte im Filmgeschäft machte Reitman als Produzent von David Cronenbergs Horrorfilmen Rabid – Der brüllenede Tod (OT: Rabid) und Parasiten-Mörder (OT: Shivers). Der Durchbruch kam dann 1978, als Reitman John Landis' Kultkomödie Ich glaub', mich tritt ein Pferd! (OT: Animal House) produziert hat. Die College-Komödie war ein überwältigender Kassenhit und gilt als Vorläufer von Teenie-Sexkomödien wie American Pie.

Ein Jahr nach dem Erfolg von Ich glaub', mich tritt ein Pferd! kam Reitmans dritte Regiearbeit, Babyspeck und Fleischklößchen (OT: Meatballs), in die Kinos und wurde zum umsatzstärksten Film aller Zeiten in Kanada. Es war die erste Hauptrolle in Bill Murrays Karriere sowie die erste von sechs Zusammenarbeiten zwischen Harold Ramis, der das Drehbuch schrieb, und Murray.

Nach dem Erfolg des Films folgte Reitman dem Ruf Hollywoods. Seine erste rein US-amerikanische Regiearbeit wurde die Kriegskomödie Ich glaub' mich knutcht ein Elch! (OT: Stripes) aus dem Jahr 1981 mit Bill Murray und Harold Ramis in den Hauptrollen. Ramis schrieb wieder am Drehbuch mit. Auch dieser Film wurde zu einem Kassenhit.

Nur drei Jahre später kam dann ein Film, der Reitman, Murray und Ramis endgültig in die erste Hollywood-Liga katapultierte. Die Rede ist natürlich von Ghostbusters – Die Geisterjäger. Mit rund $25-30 Mio hatte der Film ein deutlich höheres Budget als Reitmans bisherige Werke. Das machte Sony Sorgen, denn das Studio sah kein großes Potenzial in der Geschichte der vier Geisterjäger aus New York. Diese Sorgen wurden bereits am erfolgreichen Startwochenende des Films weggefegt. Ghostbusters hielt sieben Wochen lang den ersten Platz der nordamerikanischen Kinocharts inne und wurde zum zweiterfolgreichsten Film 1984 in den USA (knapp hinter Beverly Hills Cop). Heute gilt der Streifen als einer der beliebtesten und bekanntesten Blockbuster der Achtziger. Ghostusters zog ein ganzes Franchise nach sich, einschließlich zwei Sequels, eines Reboots, zwei Animationsserien, zahlreiche Videospiele und Comics. Reitman selbst inszenierte nur das erste Sequel, produzierte aber die anderen beiden Filme.

Nach dem Erfolg von Ghostbusters standen Reitman alle Türen offen, doch anstelle eines weiteren effektreichen Spektakels drehte er zunächst die Krimikomödie Staatsanwälte küßt man nicht (OT: Legal Eagles) mit Robert Redford, gefolgt von Twins – Zwillinge mit Schwarzenegger und DeVito. Beide Filme waren ebenfalls große Kassenerfolge. Nach Ghostbusters II, der zwar nicht an den Erfolg seines Vorgängers anknüpfen, dennoch aber sehr profitabel war, inszenierte Reitman seine zweite Zusammenarbeit mit Arnie, die Actionkomödie Kindergarten Cop. Danach folgte die Politkomödie Dave mit Kevin Kline (1993) und Junior (1994), der die beiden Twins-Co-Stars DeVito und Schwarzenegger zusammenbrachte, jedoch deutlich weniger gut wegkam.

In den Neunzigern begann Reitmans Stern etwas zu sinken. Die Komödie Ein Vater zu viel (OT: Father’s Day) mit Robin Williams und Billy Crystal floppte. Der Abenteuerfilm Sechs Tage, sieben Nächte (OT: Six Days, Seven Nights) war ein moderater Erfolg, doch Reitmans Versuch, 2001 mit Evolution das Erfolgsrezept von Ghostbusters zu wiederholen, ging in die Hose. Der Film floppte, ebenso wie seine Superheldenkomödie Die Super-Ex (OT: My Super Ex-Girlfriend) mit Uma Thurman, die fünf Jahre später erschienen ist.

Erst mit Freundschaft Plus (OT: No Strings Attached), einer romantischen Komödie mit Natalie Portman und Ashton Kutcher, gelang Reitman 2011 wieder ein solider Erfolg. Mit dem Football-Drama Draft Day – Tag der Entscheidung inszenierte Reitman 2014 seinen finalen Film als Regisseur.

Neben seiner Regie-Tätigkeit produzierte Reitman weiter zahlreiche Kinohits, darunter Space Jam, Ein Hund namens Beethoven (OT: Beethoven), Road Trip, Old School und Disturbia. Als Produzent des von seinem Sohn inszenierten Up in the Air wurde Reitman für den "Bester Film"-Oscar nominiert.

Letztes Jahr war Reitman ein entscheidender Teil der Marketing-Kampagne von Ghostbusters: Legacy (OT: Ghostbusters: Afterlife), der von Jason Reitman inszeniert wurde. Mit dem Sequel machte der jüngere Reitman dem Vermächtnis seines Vaters alle Ehre.