Ennio Morricone Quentin Tarantino

Quelle: Playboy

Der italienische Filmkomponist Ennio Morricone ist eine lebende Legende. In seiner etwa 60-jährigen Karriere schrieb er die Musik für die Filme von Sergio Leone, Dario Argento, Bernardo Bertolucci, Roman Polanski, Brian De Palma, Wolfgang Petersen, Oliver Stone, Mike Nichols und vielen anderen namhaften europäischen und US-amerikanischen Regisseuren. Morricones Einfluss reicht weit über die Filmwelt hinaus. Radiohead, Metallica und David Guetta gehören zu den Musikern, die sich von Morricones unvergleichlichen Klängen haben inspirieren lassen.

Einer von Morricones größten Bewunderern in Hollywood ist Quentin Tarantino. Er verwendete Morricones Musik bereits in Kill Bill und Death Proof. Für Inglourious Basterds wollte er ihn als Komponisten haben, doch terminliche Schwierigkeiten verhinderten das. Stattdessen setzte Tarantino in dem Film bereits existierende Morricone-Tracks ein. Für Django Unchained schrieb Morricone immerhin den Song "Ancora Qui" und bei Tarantinos zweitem Western The Hateful 8 kam es dann endlich zur erhofften Zusammenarbeit der beiden. Für den Film erhielt der damals 87-jährige Morricone endlich den lange überfälligen Oscar (zuvor wurde er 2007 lediglich mit dem Ehren-Oscar ausgezeichnet). Auch für seinen nächsten Film, Once Upon a Time in Hollywood, hat Tarantino Morricone gebeten, die Musik zu schreiben. Dem neusten Interview mit dem Komponisten nach zu urteilen, wird es jedoch zu einer weiteren Zusammenarbeit nicht kommen. Im Gespräch mit dem Männermagazin Playboy anlässlich von Morricones nahendem 90. Geburtstag diesen Monat, ließ er kein gutes Haar an dem Filmemacher:

Der Mann ist ein Kretin. Er klaut nur bei anderen und setzt das neu zusammen. Daran ist nichts originell. Und er ist auch kein Regisseur. Also nicht vergleichbar mit echten Hollywood-Größen wie John Huston, Alfred Hitchcock oder Billy Wilder. Die waren klasse. Tarantino kocht nur alte Sachen auf.

Zudem bezeichnete er seine Filme als "Trash". Auch Tarantinos Bitten, die Musik für seine Filme zu schreiben, weiß Morricone nicht zu schätzen:

Er ruft wie aus dem Nichts an und will dann innerhalb von Tagen eine fertige Filmmusik haben. Was unmöglich ist. Was mich rasend macht! Denn das geht einfach nicht. Und da mache ich nicht mehr mit. Das habe ich ihm schon beim letzten Mal gesagt. Aber beim nächsten Mal bleibe ich hart. Dann kann er mich mal.

Doch was ist mit dem Oscar, den Morricone für The Hateful 8 bekommen hat? Davon hält er auch nicht viel, ebenso wenig von der ganzen Verleihung. Im Interview gab er zu, froh zu sein, als die Veranstaltung endlich vorüber war und er zurück nach Italien fliegen durfte. Da stellt man sich die berechtigte Frage, weshalb er dann überhaupt angereist ist.

Morricone ist dafür bekannt, dass er keinen Blatt vor den Mund nimmt und seine Meinung offen kundtut. Es ist nicht das erste Mal, dass Morricone über Tarantino schimpft. Kurz nachdem Django Unchained 2012 in die Kinos kam, erklärte er, dass er nicht sonderlich glücklich über Tarantinos Einsatz von seiner Musik in dem Film sei. Außerdem habe ihm Django Unchained nicht gut gefallen und sei eine reine Blutorgie. Später revidierte Italiener jedoch die Aussage und behauptete, sie wurde missverstanden und er habe großen Respekt für Tarantino und seien Filme. Ob eine solche Klarstellung auch diesmal folgen wird, werden wir noch sehen.