Quelle: Vertical Entertainment

Als ich Tom Hardy erstmals als Picard-Klon in Star Trek: Nemesis gesehen habe, habe ich nicht geahnt, dass er nur zehn Jahre später zu den besten und wandlungsfähigsten Schauspielern seiner Generation gehören würde. Bereits im Verbrecher-Biopic Bronson ging er in die Vollen und machte mit seinem furiosen Schauspiel Filmemacher und Cineasten auf sich aufmerksam. Auftritte in Inception, Warrior, Dame, König, As, Spion, The Dark Knight Rises, Mad Max: Fury Road, The Revenant und in den Serien "Taboo" und "Peaky Blinders" etablierten ihn endgültig als einen Schauspieler, der mühelos zwischen kleinen Charakterdramen und großen Blockbustern wechseln kann. Kaum jemand spielt mit einer solchen Intensität und Hingabe wie der gebürtige Londoner.

Wenn dann ein Schauspieler seines Kalibers eine so ikonische Rolle wie die des berüchtigten Gangsterbosses Al Capone übernimmt, wird man als Filmfan ganz besonders neugierig. Nachdem er Venom abgedreht hatte, kündigte Hardy an, dass Fonzo, ein Film über die letzten Jahre von Capone, sein nächstes Projekt werden würde. Regie führte Josh Trank, der nach dem Flop von Fantastic Four in Hollywood eine Zeitlang in Ungnade gefallen war. Abgedreht wurde Fonzo bereits vor zwei Jahren und ich habe, ehrlich gesagt, fast vergessen, dass es den Film noch gibt. Nun wurde er überraschend für den Release nächsten Monat unter dem neuen Titel Capone angekündigt und dazu gibt es direkt den Trailer:

In Capone erleben die Zuschauer den Gangsterboss nicht auf dem Höhepunkt seiner Macht während der Prohibition, sondern bei seinem Lebensabend auf Palm Island in Florida. Capone wurde 1939 nach zehn Jahren Gefängnis schwerkrank entlassen. Er litt an Syphilis, die bei ihm zu fortgeschrittener Demenz geführt hatr. Diese Zeit, in der Capone den Bezug zur Realität langsam verliert und von den Geistern der Vergangenheit heimgesucht wird, beleuchtet der Film. Das klingt nach einer perfekten Rolle für Hardy, um die Bandbreite seines Talent zur Schau zu stellen. Im Trailer ist er wirklich kaum wiederzuerkennen. Linda Cardellini ("Dead to Me") verkörpert im Film seine Ehefrau Mae Capone. Kyle MacLachlan ("Twin Peaks"), Noel Fisher ("Shameless") und Matt Dillon ("Wayward Pines") spielen weitere Rollen.

Bei einem solchen Film würde man eigentlich erwarten, dass er von einem großen oder auf Prestigefilme spezialisierten Studio Ende des Jahres zur Oscar-Saison in die Kinos gebracht werden würde. Stattdessen hat der kleine Verleih Vertical Entertainment die Rechte an Capone erworben und wird ihn am 12. Mai in den USA direkt digital als Video-On-Demand auswerten. Das hat Josh Trank bestätigt. Er äußerte die Hoffnung, dass der Film später vielleicht in die Kinos kommen wird, wenn diese wieder öffnen. Natürlich ist der Wegfall des Kinostarts auch der aktuellen Situation geschuldet, doch bei einem Verleih wie Vertical Entertainment wäre es so oder so zu keinem breiten Start gekommen, was ein wenig stutzig macht. Vielleicht hat Trank einfach zu viele Brücken in Hollywood niedergebrannt. Ich bin jedenfalls sehr neugierig auf den Film. Einen deutschen Veröffentlichungstermin hat er leider noch nicht.