Wenn Ihr Euch für Filme interessiert, habt Ihr höchstwahrscheinlich von Obsession gehört, der in Deutschland mit dem Zusatztitel Du sollst mich lieben veröffentlicht wurde. Erfolgreiche Horrorfilme gibt es natürlich jedes Jahr. Genau genommen ist Horror sogar das erfolgssicherste Genre seit der Pandemie. Die Filme kosten in der Regel wenig und haben ihr festes Publikum, das Horror immer noch gerne im Kino schaut. Doch der Erfolg von Obsession ist für die Geschichtsbücher und im Genre nahezu präzedenzlos. Der YouTuber Curry Barker war gerade einmal 25 Jahre alt, als er mit Obsession sein Regiedebüt feierte. Produziert für magere 750.000 US-Dollar, war es bereits ein riesiger Triumph, als Focus Features, der Independent-Arm von Universal, die Vertriebsrechte an dem Film für 15 Millionen US-Dollar erwarb. Doch auch Focus hätte nie ahnen können, zu welchem Popkultur-Phänomen Obsession im Kino werden würde.
Als der Film im Mai in US-Kinos mit 17,2 Millionen US-Dollar anlief, war es ein sehr guter, aber kein spektakulärer Start. Was dann folgte, schockierte sogar die erfahrensten Hollywood-Beobachter. Obsession legte am zweiten und am dritten Wochenende jeweils kräftig zu und wurde zum ersten Film seit E.T., der außerhalb der Feiertags-Saison erschienen ist und sich an zwei Wochenenden in Folge steigern konnte. Inzwischen spielte Obsession in den USA mehr als 258 Millionen Dollar ein – das 15-Fache seines Startwochenendes! Zum Vergleich: Avatar, der bekanntlich phänomenale Mundpropaganda hatte, spielte etwa das Zehnfache seines Starts ein und das letztjährige Horror-Phänomen Blood & Sinners "nur" das Sechsfache.
Weltweit hat Obsession bislang $442 Millionen eingespielt und einen neuen Umsatzrekord für einen Film mit einem Budget unter einer Million US-Dollar aufgestellt. Es ist der neunterfolgreichste Horrorfilm aller Zeiten, und das, wenn man Filme wie Beetlejuice Beetlejuice und I Am Legend mitzählt, die sich bestenfalls am Rande der Genredefinition bewegen. Es wird bereits über die Oscar-Chancen des Films und seiner grandiosen Hauptdarstellerin Inde Navarette diskutiert und ein Gesamteinspiel von rund einer halben Milliarde Dollar ist nicht ausgeschlossen. Das würde ihn unter die Top 5 der umsatzstärksten Horrorfilme bringen, nur hinter Es, The Sixth Sense, I Am Legend und World War Z.
Obsession machte Barker über Nacht zu einem der gefragtesten neuen Talente Hollywoods. Sein nächster Film, Anything But Ghosts mit ihm selbst und seinem YouTube-Partner Cooper Tomlinson sowie Bryce Dallas Howard und Aaron Paul in den Nebenrollen ist bereits abgedreht und spielt im selben Universum wie Obsession. Für A24 soll er The Texas Chainsaw Massacre wiederbeleben und Universal und Blumhouse verpflichteten Barker bereits für einen weiteren geheimen Horrorfilm. In den nächsten Jahren wird Barker also alle Hände voll zu tun haben, doch natürlich kommt er um die Frage nach einem direkten Nachfolger zu Obsession nicht umhin. Kurz nach dem Start des Films erklärte er, dass er größeres Interesse an einer Erweiterung des Konzepts als eine Anthologie-Serie hätte: (aus dem Englischen)
Ich habe einige weitere Projekte, auf die ich mich als nächstes freue, aber ich sehe vielleicht eine Möglichkeit für Obsession 2. Was ich wirklich aufregend fände, wäre eine Anthologie-Serie mit einstündigen Episoden. In jeder Folge macht jemand einen anderen Wunsch, der aus dem Ruder gerät. Vielleicht würde ich die Pilotfolge mit demselben Kameramann drehen und man könnte für weitere Episoden andere Filmemacher einladen, die ihren eigenen Stempel aufdrücken würden. Das wäre wirklich cool.
Gegenüber The Hollywood Reporter verriet er jedoch kürzlich, dass er tatsächlich eine coole Idee für Obsession 2 habe, jedoch etwas damit warten möchte, bis er sie verwirklicht:
Ich möchte nicht direkt mit Obsession 2 weitermachen. Ich habe so eine coole Idee dafür, die ich nicht verraten werde. Ich sage nicht, dass es fünf oder sechs Jahre dauern wird. Aber ich denke, dass die Leute sich genauso darauf freuen würden, wenn die Fortsetzung erst nach einer Weile kommen würde. Es ist ein Wirbelwind und ich versuche, mir über einige Dinge klar zu werden.
Obsession handelt vom sozial etwas unbeholfenen Bear, der in einem Plattenladen arbeitet und seit Jahren hoffnungslos in seine Kollegin Nikki verliebt ist. Als er in einem Esoterikshop einen "Wunschstab" erwirbt und sich nach einem weiteren erfolglosen Annäherungsversuch aus Verzweiflung wünscht, dass Nikki ihn über alles auf der Welt lieben soll, wird sein Wunsch Wirklichkeit. Der Traum wird jedoch schnell zum Albtraum, als Bear die Konsequenzen seines Wunsches bewusst werden. Obsession funktioniert nicht nur als ein extrem unheimlicher, teils schockierender Horrorfilm, sondern setzt sich auch mit Themen wie toxische Beziehungen und Co-Abhängigkeit auseinander, die viele, insbesondere junge Menschen bewegen. Damit konnte der Film den Nerv seines Zielpublikums treffen. Ob Barker das auch mit Obsession 2 gelingen wird?
Quellen: The Hollywood Reporter, Total Film














