Kill Bill: The Whole Bloody Affair erreicht endlich die deutschen Kinos, 70mm-Kopien sind auf Tour

In einem Interview blickte Kultregisseur Quentin Tarantino letztes Jahr auf sein Lebenswerk zurück und hob dabei drei Filme besonders hervor: Once Upon a Time in Hollywood bezeichnete er als seinen persönlichen Lieblingsfilm, Inglourious Basterds als sein Meisterwerk und Kill Bill als den Film, für den er geboren wurde. Nur er hätte das stylische Racheepos so inszenieren können. Kill Bill wurde zu einer entscheidenden Zeit in Tarantinos Karriere veröffentlicht. Nach dem fulminanten Erfolg von Pulp Fiction, der in Cannes mit der Goldenen Palme ausgezeichnet wurde, Tarantino seinen ersten Drehbuch-Oscar einbrachte und zu einem großen Kassenhit wurde, konnte der Nachfolger Jackie Brown die Massen und die Kritiker nicht mehr ganz so überzeugen. Inzwischen gilt die Blaxploitation-Hommage als einer von Tarantinos meistunterschätzten Filmen, doch damals stellten sich viele die Frage, ob Tarantino mit Pulp Fiction nicht sein ganzes Pulver bereits verschossen habe.

Sein vierter Film sollte die Frage beantworten, doch während der Produktion zeichnete sich bereits ein Problem ab: Der Film war zu lang für eine kommerzielle Veröffentlichung. Statt Kill Bill jedoch deutlich zu straffen, wurde er kurzerhand in zwei Volumes veröffentlicht, die im Herbst 2003 bzw. Frühjahr 2004 in die Kinos kamen. Die Fans waren begeistert, die Kritiker voller Lob, und Tarantino zementierte seinen Ruf als einer von Hollywoods größten Liebhabern des abseitigen Kinos, dem er in seinen Filmen huldigte.

Trotz der zweiteiligen Veröffentlichung stand für Tarantino und seine Fangemeinde jedoch immer fest, dass Kill Bill nur ein Film ist. Noch im selben Jahr, in dem Kill Bill: Vol. 2 in die Kinos kam, wurde ein mehr als vierstündiger Zusammenschnitt beider Teile als Kill Bill: The Whole Bloody Affair bei den Filmfestspielen von Cannes uraufgeführt, mit dem Versprechen, den Film im darauffolgenden Jahr auch in die Kinos zu bringen. Leider wurde das Versprechen erst 20 Jahre später eingelöst. Kill Bill: The Whole Bloody Affair wurde zum heiligen Gral der Tarantino-Fans. Nicht nur brachte diese Version beide Teile mit einigen veränderten Schnitten und Einstellungen zu einem Film zusammen, sie zeigte die spektakuläre Kampfszene von Uma Thurmans Braut gegen die Crazy 88 komplett in Farbe (wie sie bislang nur in der japanischen Fassung von Kill Bill Vol. 1 zu sehen war) und enthielt eine deutlich längere Anime-Sequenz über die Rache von O-Ren Ishii und ihren Aufstieg in der kriminellen Unterwelt Tokios.

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Tarantino führte Kill Bill: The Whole Bloody Affair über die Jahre vereinzelt auf, kündigte jedoch an, darauf zu warten, bis die Rechte an dem Film an ihn zurückgingen, bevor er die Langfassung veröffentlichen würde. Letztes Jahr war es dann so weit, und im Dezember 2025 kam Kill Bill: The Whole Bloody Affair in seiner glorreichen 275 Minuten langen Fassung (einschließlich einer eingeplanten 15-minütigen Pause) in die nordamerikanischen Kinos.

In Deutschland ist der von der FSK ab 18 Jahren freigegebene blutige Rachefeldzug von Beatrix Kiddo seit Donnerstag im Kino zu sehen, meist mit vereinzelten Vorstellungen, denn schließlich ist es für viele Kinos nicht so einfach, einen viereinhalbstündigen Film im Programm unterzubringen. Als Highlight für die ganz großen Cineasten gehen zwei 70mm-Kopien des Films durch Deutschland und Österreich auf Tour. Gezeigt wird der Film in diesem Premium-Format lediglich in sieben Kinos in sechs Städten, denn die meisten Kinos haben heutzutage einfach nicht die Projektoren, die für 70mm-Filme notwendig sind.

Vom 10. bis zum 12. April war die 70mm-Fassung in der Schauburg in Karlsruhe zu sehen. In Berlin zeigen sie der Zoo Palast vom 16. bis zum 18. April und der Delphi Filmpalast vom 17. bis zum 19. April. Im Hamburger Savoy ist die Fassung vom 23. bis zum 26. April zu bestaunen, gefolgt vom Astor Grand Cinema in Hannover vom 1. bis zum 3. Mai. Dann geht es weiter nach Wien, wo das Gartenbau-Kino den Film am 10. und 11. Mai auf 70mm zeigt. Den Abschluss bildet dann die Lichtburg in Essen. Dort wird Kill Bill: The Whole Bloody Affair am 16. und 17. Mai auf 70mm zu sehen sein, und ich habe fest vor, bei einer dieser Vorstellungen vor Ort zu sein.

Ein kleiner Tipp an alle, die Kill Bill: The Whole Bloody Affair im Kino sehen werden: Auch wenn der Film viel Sitzfleisch erfordert, bleibt bis zum Ende des Abspanns sitzen, denn danach kommt noch etwas, was Ihr nicht verpassen wollt.

Kill Bill The Whole Bloody Affair Kino PosterQuelle: Studiocanal Germany

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