Streetdance 3D (2010)

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ÜBERBLICK DER REZENSIONEN
Gesamt

Streetdance 3D, UK 2010 98 Min • Mit: Nichola Burley, Charlotte Rampling, George Sampson, Richard Winsor Regie: Max Giwa, Dania Pasquini FSK: Ohne Altersbeschränkung Kinostart: 03.06.2010 Deutsche Website

Handlung

Für Carly (Nichola Burley) ist Street Dance ihr Leben. Ihre Freunde sind ihre Crew, der Anführer Jay (Ukweli Roach) ist auch ihr Freund und gerade haben sie es ins Finale der britischen Street Dance Meisterschaften geschafft. Bloß die bislang unschlagbare Tanztruppe The Surge steht dem Triumph noch im Weg. Dann verlässt Jay aber wie aus heiterem Himmel Carly und die Crew. Carlys Führungsqualitäten werden nun auf harte Probe gestellt. Auf der Suche nach einem Übungsraum unterbreitet ihr die eigenwillige Ballettlehrerin Helena (Charlotte Rampling) ein kurioses Angebot. Carly und ihre Freunde dürfen in den Räumlichkeiten der renommierten Royal Dance School ihre Moves proben. Doch daran ist auch eine Bedingung geknüpft. Carlys Crew muss gemeinsam mit den privilegierten Ballettschülern trainieren und sie in die Choreographie einbeziehen. Zwei Welten prallen hier aufeinander. Die hippen Streetdancer sind ebenso wenig von der Idee begeistert, wie die hochdisziplinierten Tänzer der Ballettschule. Doch um ihre Ziele zu erreichen, muss sich jede Seite auf die andere einlassen.

Kritik

Tanzfilme sind zweifellos eine US-amerikanische Institution. Begonnen hat die erste große Welle der amerikanischen Tanzfilme 1977 mit dem Klassiker Saturday Night Fever (später fortgesetzt mit Staying Alive). Im Laufe der Achtziger folgten dann Erfolge wie Breakin‘, Fame, Flashdance, Footloose und natürlich Dirty Dancing. Der letztere avancierte 1987 auch in Deutschland mit 8,7 Mio Zuschauern zum erfolgreichsten Film des Jahres. Doch er läutete auch das Ende der großen Popularität der Tanzfilme ein. Erst im letzten Jahrzehnt hat der Julia Stiles Hit Save the Last Dance das Subgenre wiederbelebt. Darauf folgte eine neue Erfolgswelle, bei welcher auch alte Klassiker wie Footloose und Fame neu aufgelegt wurden. Zum prominentesten Vertreter dieser Filme gehört wohl die Step Up Reihe, die es schon auf drei Filme gebracht hat.

Auch in Europa sind diese Filme sehr populär. So hat zum Beispiel Step Up 3D fast drei Viertel seines weltweiten Einspiels außerhalb der USA gemacht und war nirgends so erfolgreich wie in Deutschland. Dennoch blieben diese Erfolge lange Zeit exklusiv amerikanisch, obwohl das Tanzthema universell beliebt zu sein scheint. Die britische Produktionsfirma Vertigo Films beschloss endlich was daran zu machen und produzierte mit Streetdance 3D nicht nur den ersten britischen Tanzfilm, sondern auch den ersten Tanzfilm in 3D und war somit Step Up 3D um einige Monate voraus. Dies ist aber auch das einzige Novum, das man Streetdance zuschreiben kann. Denn die Story um eine Gruppe von straßenerfahrenen Kids, die auf vermeintliche Schnösel treffen und sich dann doch mehr annähern als beide Seite ursprünglich erwarten, folgt den amerikanischen Vorlagen bis ins letzte Detail. Das britischste an dem Film sind die zahlreichen Einstellungen von London, die uns wohl daran erinnern sollen, dass es ein britischer Film ist. Dabei hätte man die Handlung, ohne eine einzige Änderung vornehmen zu müssen, nach Chicago, Detroit oder New York versetzen können. Carlys ethnisch diverse Truppe macht dies nur leichter. Als einzige weitere Besonderheit könnte man die Vermischung der Tanzstile von Ballett und Streetdance erwähnen…Ach ne, Moment, das hat ja Save the Last Dance schon neun Jahre zuvor getan.

Der magische Schlüssel bei Streetdance ist das im Titel bereits enthaltene 3D. Damit sollte Streetdance wirklich punkten. Nun muss ich leider gestehen, dass ich den Film im Heimkino und nur in der 2D Version gesehen habe, sodass ich diesbezüglich kaum etwas über den Film sagen kann außer, dass wenn die Effekte so sind wie im Nachfolger, Streetdance 2, dann bieten sie ein sattes 3D-Erlebnis bei den Tanzszenen. Doch meiner Meinung nach soll die Technik immer im Dienste der Kunst stehen und nicht andersherum. Ein 3D Film muss auch ohne 3D gut bestehen können und das tut Streetdance leider nicht. Schon in der 2D-Version sieht man, wie stark der Film auf stereoskope Effekte baut.  Da werden außerhalb der Tanzszenen Gegenstände in die Kamera gehalten und Utensilien in Richtung Zuschauer geworfen, damit man bloß nicht vergisst, dass man in einem 3D Film sitzt. Mag dies in der 3D-Version noch amüsant vorkommen, wirkt das in der 2D-Variante fast befremdlich. Der  Film geht keine Symbiose mit 3D ein, sondern nutzt zu Technik zu reinen Showeffekten.

Dass man der Story nicht viel abgewinnen kann, ergibt sich bereits aus der Inhaltsangabe. Diese folgt in jeder erdenklichen Art und Weise ihren amerikanischen Vorlagen. Der dünne Plot dient sowieso nur dazu, um die Zeit zwischen den zahlreichen Tanzszenen zu überbrücken. Diese sind auch wirklich eindrucksvoll, auch wenn die Hauptdarstellerin Burley deutlich weniger überzeugend als Streetdancerin rüberkommt als ihre Tanzkollegen. Die obligatorische Liebesgeschichte zwischen Burley und dem sensiblen und tänzerisch ebenso begabten Ballettschüler Tomas versprüht überhaupt keine Funken, nicht einmal in den gemeinsamen Tanzszenen. Das schauspielerische Schwergewicht Charlotte Rampling (Swimming Pool) wirkt in diesem Film schon fast fehl am Platze. Denn obwohl sie sträflich unterfordert bleibt und die Klischeerolle der eigensinnigen und toleranten Lehrerin spielen muss, ist sie dennoch schauspielerisch jeder anderen an dem Film beteiligten Person meilenweit voraus.

So bleiben dem Zuschauer letztlich jede Menge wirklich beeindruckender Tanzszenen in diversen Formationen und ein fetziger Soundtrack. Leider interessiert die um die Tanzeinlagen gesponnene Geschichte so wenig, dass einem der Ausgang der Meisterschaft herzlich egal bleibt, denn kein Charakter schafft es ans Herz zu wachsen.

Fazit

Die Tanzszenen sind stark umgesetzt, doch der Film baut zu sehr auf 3D-Effekte und vergisst dabei, das Interesse der Zuschauer an den Charakteren aufzubauen. Der erste britische Tanzfilm hebt sich in puncto Originalität keinen Deut über die amerikanischen Vorlagen.

Trailer

https://youtu.be/1R3UTMutiMs