Box-Office USA – Der Hobbit verteidigt knapp die Spitze

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Box-Office USA - 28-30.12.2013 Zusammenfassung und Analyse

Quelle: Boxofficemojo

Das achterbahnartige Box-Office Jahr 2012 ging genauso beeindruckend zuende, wie es anfing. Wie üblich am letzten Wochenende des Jahres, war das Kinogeschäft enorm stark und verbesserte sich um ganze 63% gegenüber der Vorwoche, sodass die Top 12 $163,8 Mio erreichte und somit auch 17,3% über dem gleichen Wochenende 2011 lag. Dies ist vor allem drei starken Neustarts zu verdanken. Insgesamt spielten in Nordamerika sechs Filme letztes Wochenende mehr als $10 Mio ein. Dabei konnten fünf Filme in der Top 12 verglichen zur Vorwoche gar zulegen und kein Film verlor mehr als 15%! Alles in allem führte das außerordentliche Kinogeschäft der letzten Wochen zu einem neuen Jahresrekord! Insgesamt $10,834 Mrd haben die Kinofilme im Jahr 2012 eingespielt und damit 6,5% mehr als 2011 und 2,3% mehr als im bisherigen Rekordjahr 2009. Ferner wurden 2012 weitere Meilensteine aufgestellt. Zum ersten Mal haben drei Filme in einem Jahr mehr als $400 Mio an den US-Kinokassen eingenommen (Marvel’s The Avengers, The Dark Knight Rises und Die Tribute von Panem – The Hunger Games). Es sieht auch danach aus, als würde dieses Jahr auch die Rekordzahl von $300 Mio-Filmen erreicht werden, da sowohl Der Hobbit als auch Skyfall die Marke mit Sicherheit erreichen werden. Auf jeden Fall wird 2013 es sehr schwierig haben, mit 2012 im Hinblick auf das Box-Office aufzunehmen.

Den Spitzenplatz konnte Der Hobbit – Eine unerwartete Reise in der dritten Woche mit knapper Not gegen zwei große Neustarts verteidigen. Am dritten Wochenende ging es für das Fantasy-Prequel um 13,5% runter auf $31,9 Mio, womit der Film sein Gesamteinspiel nach 17 Tagen auf grundsolide $221,6 Mio gebracht hat. Das dritte Wochenende ist das erfolgreichste von der gesamten Herr-der-Ringe-Reihe. Dazu muss man aber betonen, dass die ursprüngliche Herr-der-Ringe-Trilogie am dritten Wochenende kein Feiertagswochenende hatte im Gegensatz zu Der Hobbit. Insgesamt liegt Der Hobbit momentan etwa $51 Mio hinter Die Rückkehr des Königs und $22 Mio hinter Die Zwei Türme im gleichen Zeitraum, aber immer noch fast $32,5 Mio vor Die Gefährten. Dieser wird allerdings sehr bald schnell aufholen. Im Gegensatz zu den ersten drei Filmen wird Der Hobbit nicht in den Genuss von starkem Oscar-Hype kommen (jeder der ersten drei Filme war als "Bester Film" bei den Oscars nominiert, die drei gewannen insgesamt 17 Oscars). Dafür hat er einen ganz anderen Vorteil. Wie bereits in einem anderen Box-Office-Artikel erwähnt, wird Januar vollgepackt sein mit nicht-jugendfreien Filmen (also Filmen mit der R-rated-Altersfreigabe – ab 17 Jahren). Nur ein einziger neuer Film im Januar in den USA wird eine PG-13-Freigabe tragen und dieser wird zugleich dennoch ein Horrorfilm sein – Mama. Das macht den Markt perfekt für familientaugliche Filme, die im November und Dezember in die Kinos kamen. Diese werden eine besondere Langlebigkeit im Januar genießen und dazu gehört auch Der Hobbit. Dieser wird außerdem den ganzen Monat lang immer noch das große Must-See-Kinoevent bleiben.

Natürlich wird Der Hobbit – Eine unerwartete Reise auch im besten Fall nicht an die Zuschauerzahlen der Herr-der-Ringe-Filme herankommen. Korrigiert um die Inflationsrate sowie den IMAX- und den 3D-Aufpreis, wird Der Hobbit wohl nicht mehr als 70% der Zuschauer von Die Gefährten erreichen. Allerdings ist es auch nach dem leicht enttäuschenden Start nicht mehr das Ziel gewesen. Um den Ruf zu retten, wird für den Film ausreichen, das nicht-inflationsbereinige Gesamteinspiel von Die Gefährten ($315,5 Mio) zu toppen und das wird ihm wohl auch gelingen. Die $300 Mio hat der Film mit Sicherheit in der Tasche und sollte diese Marke noch vor Ende des Monats erreichen. Ab da wird es wohl darauf ankommen, wie lange er noch seine Leinwände halten kann, aber da lange Zeit keine große PG-13-Konkurrenz auf ihn zukommen wird, sehe ich ein Gesamteinspiel von $315-325 Mio als sehr realistisch.

Der zweite Platz der Vharts ging letztes Wochenende an Django Unchained, der von Freitag bis Sonntag $30,1 Mio einnahm und somit die Pole Position nur knapp verfehlte. Mit diesem Einspiel erreichte er einen sehr ordentlichen $10,008 Schnitt pro Kino in 3010 Locations. Gestartet am ersten Weihnachtstag, hat der Film in seinen ersten sechs Tagen $63,4 Mio eingenommen. Am ersten Tag eröffnete er mit sehr beeindruckenden $15 Mio und legte somit nicht nur den drittbesten Weihnachtsstarttag aller Zeiten hin (hinter Sherlock Holmes und Les Misérables), sondern auch bei weitem den besten Weihnachtsstarttag für einen R-rated Film. Damit endet ein bereits extrem beeindruckendes Kinojahr für Filme mit dieser hohen Altersfreigabe. Die R-rated-Filme von 2012 haben in dem Jahr 24,5% mehr eingenommen als im Jahr 2011. Ganze 18 R-rated-Filme haben 2012 mit mehr als $20 Mio eröffnet und 20 haben bislang die $50 Mio-Marke überschritten. Django Unchained ist auf gutem Wege, der siebte R-rated-Film von 2012 zu werden, der mehr als $100 Mio eingenommen hat – die höchste Zahl seit 1999!

Ferner beweist Django Unchained die neue Zugkraft von Quentin Tarantinos Namen. Den Durchbruch hat der Kultregisseur bereits 1994 mit Pulp Fiction ($107,9 Mio) geschafft, doch sein Name war damals außerhalb von Filmfan-Kreisen immer noch kein Kassenmagnet. Das zeigte auch die relativ enttäuschende Box-Office-Performance von Jackie Brown ($39,7 Mio). Doch nachdem die Kill Bill-Filme den Weg zu größerem Erfolg geebnet haben, konnte er mit Inglourious Basterds endültig den Sprung ins Mainstream-Bewusstsein schaffen. Seine Geschichts-Revision spielte an den US-Kinokassen $120,5 Mio ein und machte Tarantino bekannter denn je zuvor. Ähnliches gelang bereits anderen unter Filmfans lange beliebten Regisseuren, die aber den großen Mainstream-Sprung lange nicht schaffen konnten. Martin Scorsese erreichte dies mit The Deaprted – Unter Feiden, sodass sein nächster Film, Shutter Island, mit mehr als $40 Mio startete. Die Coen-Brüder wurden mit No Country for Old Men zu Mainstream-Namen und so wurde deren Western True Grit vor zwei Jahren mit $171,2 Mio zu einem immensen Erfolg. Nun ist es Django Unchained, der die volle Entfaltung von Tarantino’s Zugkraft zeigt. Momentan liegt Django gute $20 Mio vor True Git im gleichen  Zeitraum, wird jedoch mehr an Boden verlieren. True Grit war nämlich im Gegensatz zu Django PG-13 und Django wird stark an der Konkurrenz im Januar leiden, die sich primär an Männer und somit Djangos Zielpublikum richtet. Die Oscars dürften eines davon wettmachen, doch ich glaube dennoch, dass $170 Mion einfach außerhalb seiner Reichweite liegen. Allerdings wird er mit Sicherheit Inglourious Basterds toppen und die Kinos mit etwa $150-160 Mio verlassen.

Les Misérables gelang ebenfalls ein monumentaler Start. An seinem ersten Tag, dem 1. Weihnachtstag, spielte die Adaption des beliebten Broadway-Musicals $18,1 Mio ein und erreichte somit den zweitbesten Weihnachtsstarttag aller Zeiten. Doch der Film erwies sich als frontlastig und fiel deshalb schnell hinter Django Unchained. Les Misérables musste sich letztes Wochenende also mit $27,3 Mio und dem dritten Platz der US-Charts zufriedengeben. Seit seinem Start spielte die $75 Mio-teure Produktion $66,7 Mio ein, was einfach grandios für ein Musical ist. In dieser Größenordnung haben wir das letzte Mal ein Musical mit Chicago gesehen ($170,7 Mio) vor zehn Jahren. Hier kam einfach alles perfekt zusammen. Der Film basiert auf einem der beliebtesten Broadway-Musicals aller Zeiten, welches wiederum auf einem literarischen Klassiker beruht. Die Besetzung ist mit Hugh Jackman, Russell Crowe, Anne Hathaway und Amanda Seyfried extrem stark und die Regie führt Tom Hooper, dem mit The King’s Speech kürzlich ein anderer Riesenerfolg gelungen war. Auch wenn der Film nicht so gut bei den Kritikern ankam, wie gehofft, wird er dennoch kräftig im Oscar-Rennen mitmischen. Die Resonanz unter den Zuschauer scheint auch extrem gut zu sein. Die CinemaScore-Umfrage der Zuschauer am Starttag ergab eine Durchschnittswertung von "A" (äquivalent zu unserer "1"), wobei die weiblichen Kinogänger, die etwa 67% der Zuschauer ausmachten, dem Film die seltene "A+" vergaben. Das bedeutet, dass der Film sein Zielpublikum bestens bedient und nicht sehr bald aus den Kinos verschwinden wird. An Chicagos Zahlen wird er nicht herankommen, da er einfach nicht so viele Oscars abräumen wird (aus dem "Bester Film"-Rennen ist er wohl raus), doch auch ein Einspiel von $140-150 Mio kann sich absolut sehen lassen.

Mit Die Bestimmer setzte Fox die Tradition fort, die für das Studio 2003 mit dem Im Dutzend billiger-Remake begann – familienorientierte Filme in der zweiten Dezemberhälfte auf den Markt zu bringen. Insbesondere hat natürlich die Alvin und die Chipmunks-Reihe die Tradition geprägt, doch auch die meisten anderen Filme, mit der Ausnahme von Gullivers Reisen, waren solide bis hervorragende Erfolge. So auch Die Bestimmer, der zwar von Django Unchained und Les Misérables überschattet wurde, aber an und für sich sehr soldie Zahlen schrieb. Am Wochenende spielte der Film $14,6 Mio von 3367 Kinos ein und platzierte sich damit auf Rang 4 der Charts. In seinen ersten sechs Tagen nahm die Familienkomödie mit Billy Crystal und Bette Midler $29,3 Mio ein, was angesichts des $25 Mio-Produktionsbudgets sehr beeindruckend ist. Die Zuschauer mögen den Film, was man an dem "A-"-CinemaScore erkennen kann und der absolute Mangel an direkter Konkurrenz im Januar wird dem Film ebenfalls helfen. Mich würde ein Gesamtergebnis im Bereich von $70-80 Mio kaum überraschen. Fox hat einen weiteren Gewinner.

Jack Reacher büßte am Wochenende drei Ränge ein und fiel auf Platz 2, wobei er lediglich 10,6% seiner Zuschauer von der Vorwoche verlor. Nach einem $13,6 Mio-Wochenende steht der Film nun bei $44,2 Mio nach zehn Tagen. Es ist ein solides, jedoch kaum überragendes Zwischenergebnis. Das Ziel ist hier das Einspiel von Operation Walküre ($83,1 Mio) zu erreichen. Dieser liegt im gleichen Zeitraum $13 Mio weiter vorne, doch Jack Reacher wird die Lücke langsam schließen können. Noch ist es aber unklar, ob er ihn letztlich toppen wird. Die PG-13-Freigabe wird dem Film im Januar vielleicht helfen, allerdings besteht der Großteil des Publikums dieses Films sowieso aus Männern über 25 und gerade diese werden diesen Monat mit Broken City, The Last Stand, Parker und Gangster Squad bestens bedient. Dank gutem Mundpropaganda erwarte ich dennoch etwa $80-85 Mio, für ein Sequel wird es aber wahrscheinlich nicht ausreichen.

Immer Ärger mit 40, das Quasi-Spin-Off von Beim ersten Mal, konnte nach einem mittelmäßigen Start am zweiten Wochenende um 8% zulegen und belegte Platz 6 der Charts mit $12,5 Mio. Nach zehn Tagen steht der Film bei $36,4 Mio und somit nur etwa $4 Mio hinter Wie das Leben so spielt, dem letzten Judd Apatow-Film, im gleichen Zeitraum. Diesen wird der Film mit Leslie Mann und Paul Rudd mit Leichtigkeit überholen und angesichts des $35 Mio-Budgets wird’s außerdem noch ein solider Hit für das Studio. Das reicht zwar kaum an die Top-Erfolge von Apatow heran, doch es hätte auch schlimmer sein können, bedenkt man die gemischten Kritiken, die lauwarme Resonanz der Zuschauer und die mit über 130 Minuten überzogene Laufzeit des Films. Er wird es trotz all dem auf etwa $65-70 Mio bringen und somit beweisen, dass der Name Apatow doch noch was zieht.

Lincoln, der wohl größte Oscar-Favorit von 2012, legte an seinem achten Wochenende um sehr starke 32,8% zu und besetzte mit $7,3 Mio Platz 7 der US-Charts. Mitlerweile hat das Historiendrama von Steven Spielberg $131,9 Mio in Nordamerika erreicht, Bedenkt man, dass die Oscar-Nominierungen noch vor uns liegen, ist es enorm beeindruckend. Der Film wird locker $140 Mio toppen, und zwar vor der Bekanntgabe der Noms. Damit ist ihm ein Gesamteinspiel von mehr als $170 Mio auf jeden Fall sicher. Sollte er jedoch den Oscar als "Bester Film" gewinnen, und davon kann man momentan ausgehen, so wird er es auf $200 Mio bringen.

Um ganze sechs Plätze runter auf Rang 10 fiel Die Hüter des Lichts, der nun nicht mehr vom Weihnachtsbonus profitieren kann. Der Streifen baute um 14,7% ab und spielte am Wochenende $4,9 Mio ein. Damit brachte er sein Gesamteinspiel auf immer noch schwache $90,1 Mio. Normalerweise würde ich sagen, dass der Film die $100 Mio-Marke nicht mehr packen kann, doch dank sehr schwacher Konkurrenz im Januar, wird er früher oder später auf etwa $101 Mio zukriechen können.

Außerhalb der Top 10 blieb Skyfall immer noch stark, nun auf Platz 11 mit $4,5 Mio (-6,9%) und einem vorläufigen Gesamtergebnis von $289,6 Mio. Der Film hat $300 Mio locker in der Tasche und wird diese Grenze noch vor Ende des Monats überschreiten. Es ist ein unglaubliches Ergebnis für den Film aus einer 50 Jahre alten Serie, in der kein weiterer Film gar $200 Mio schaffen konnte (natürlich nicht-inflationsbereinigt). Ich sehe Skyfall sogar sehr deutlich jenseits der $300 Mio-Grenze, bei etwa $307 Mio.

Silver Linings – Wenn Du mir, dann ich Dir wurde endlich von der Weinstein Company etwas breiter gestartet und verdoppelte seine Kinozahl auf 745. Damit konnte er gegenüber der Vorwoche um 129% auf $4,1 Mio zulegen und stieg wieder in die Top 12 auf Platz 12 ein. Mittlerweile hat der Film $27,3 Mio eingenommen, und das, obwohl er nie in mehr als 800 Kinos spielen durfte. Die Oscar-Nominierungen und die daraufhin unausweichliche große Expansion werden dem Film enorm helfen und ich sehe mindestens $70-80 Mio als Gesamteinspiel.

Life of Pi – Schiffbruch mit Tiger verließ nach einem 5,9%-Rückgang die Top 12 und brachte mit einem $3,8 Mio-Wochenende sein vorläufiges Gesamtergebnis auf $84,7 Mio. Auch dieser Film wird noch einen frischen Wind dank den Oscar-Nominierungen erhalten. Ich bin weiterhin davon überzeugt, dass er locker die $100 Mio-Barriere durchbrechen wird und mit etwa $105-110 Mio enden wird. Das Startwochenende versprach noch mehr, doch auch das ist ein solides Ergebnis.

Breaking Dawn – Bis(s) zum Ende der Nacht Teil 2 brachte sein Gesamteinspiel auf $286 Mio nach sieben Wochen. Der Film kämpft weiterhin unerbittert darum, als zweiter Film der Reihe, die $300 Mio-Marke zu erreichen. Momentan sind ihm lediglich $295 Mio sicher. Für mehr als das wird er einen zusätzlichen Push vom Studio benötigen.

Obwohl Ralph reicht’s letztes Wochenende etwa ein Drittel seiner Kinos verlor, konnte der Animationshit dennoch um 2% auf $1,9 Mio zulegen und erreichte $175,5 Mio. Die Tatsache, dass es keinen neuen Animationsfilm bis Februar geben wird, sollte dafür sorgen, dass der Film gutes Durchhaltevermögen im Januar entwickelt. Momentan sehe ich etwa $184 Mio insgesamt für den Film.

Derweil erreichte Hotel Transsilvanien, ein weiterer Animationserfolg, am Wochenende $145 Mio, wird aber an der $150 Mio-Marke ganz knapp scheitern.

Zero Dark Thirty hatte ein weiteres großartiges Wochenende in lediglich 5 Kinos. Der Film spielte $316,000 ein und erreichte einen Schnitt von mehr als $63,000 pro Kino. Mittlerweile hat der Film in nur 5 Kinos schon fast $1,4 Mio eingenommen. Am 11.01., also direkt nach der Bekanntgabe der Oscar-Nominierungen, wird der Film breit gestartet.

Promised Land, der neue Film von Gus Van Sant, kam hingegen schwach aus den Startlöchern und spielte lediglich $174,000 in 25 Kinos ein.