The Bride!, USA 2026 • 126 Min • Regie & Drehbuch: Maggie Gyllenhaal • Mit: Jessie Buckley, Christian Bale, Peter Sarsgaard, Annette Bening, Jake Gyllenhaal, Penélope Cruz • Kamera: Lawrence Sher • Musik: Hildur Guðnadóttir • FSK: ab 16 Jahren • Verleih: Warner Bros. • Kinostart: 05.03.2026 • Deutsche Website
Maggie Gyllenhaals Frankenstein-Variation „The Bride! – Es lebe die Braut“ war ursprünglich als ein Netflix-Original geplant, ist aber von dem Streaming-Riesen an Warner Bros. gewandert, nachdem sich ein Budget von rund 100 Millionen US-Dollar abgezeichnet hat. Mit einem schrillen Trailer wird das Produkt nun als spektakuläres Kino-Event beworben, doch dieses Marketing führt das Publikum böse an der Nase herum. Bei der zweiten Regie-Arbeit der langjährigen Schauspielerin handelt es sich ganz bestimmt nicht um blockbustertauglichen Stoff, sondern um ein ultraprätentiöses und frustrierendes Experiment à la Todd Phillips‘ „Joker: Folie à Deux“.
Jessie Buckley, die dieses Jahr mit großer Sicherheit den Oscar für ihre Performance in „Hamnet“ mit nach Hause nehmen wird, fletscht in „The Bride!“ die faulen Zähne. Sie verkörpert neben der titelgebenden, untoten Braut ebenfalls den Geist der Schriftstellerin Mary Shelley, der in die Seele der Escortdame Ida gedrungen ist. Im Jahre 1936 verstirbt Ida, nachdem ein Gangster sie brutal eine Treppe heruntergestoßen hat. Auf dringende Bitte von Frankensteins vereinsamtem und notgeilem Monster namens Frank (Christian Bale) wird sie schließlich von der unkonventionellen Wissenschaftlerin Dr. Euphronious (Annette Bening) wieder zum Leben erweckt. Nach einer tödlichen Auseinandersetzung mit zwei aufdringlichen Herren werden die frisch erschaffene Braut und Frank nicht nur von dem hartnäckigen Detektiv Jake Wiles (Peter Sarsgaard) und seiner selbstbewussten Sekretärin Myrna Mallow (Penélope Cruz) gesucht, sondern auch von der mafiösen Unterwelt quer durch das Land gejagt …
Frankensteins Monster ist eine zutreffende Metapher für Gyllenhaals Film. Die Regisseurin und Drehbuchautorin hat ein leb- und orientierungsloses Werk erschaffen, das aus einzelnen Ideen-Fetzen besteht, die sich letztlich nie homogen zusammenfügen. Immer wieder beklagen die Kreaturen im Verlauf eine Leere und ein inneres schwarzes Loch. Doch so unendlich hohl wie sich Frank und die Braut in der Geschichte fühlen, ist leider auch Gyllenhaals Story selbst ausgefallen. Man bekommt ein bisschen del toroesken Gothic-Horror, viele Besessenheits-Tics, eine Portion Crime-Romantik im Stil von „Bonnie und Clyde“, aber vor allem ordentlich selbstverliebte Arthouse-Langeweile, die sich in allerlei lauten Obszönitäten suhlt. Es wird Gift und Galle gespuckt und vermutlich möchte „The Bride!“ auch gern campige B-Unterhaltung bieten. Doch Gyllenhaal scheint nicht zu verstehen, wie man einen solch absurden Stoff in transgressives Mitternachts-Kino verwandelt.
Die kontrastreichen Aufnahmen von DP Lawrence Sher werden gelegentlich durch grelle Tanzeinlagen und Clubszenen mit anachronistischem Soundtrack aufgelockert. Frank und die Braut reisen Aufführungen von Filmen des Darstellers Ronnie Reed (Jake Gyllenhaal) hinterher, zu denen Frankensteins Schöpfung eine besondere Verbindung hat. Sicher steckt in diesen Meta-Momenten viel Nostalgie für vergangenes Kino, nur führen diese zumindest narrativ betrachtet lediglich ins Nirwana. So sehr man sich bemüht, einen Zugang zu Gyllenhaals verkopfter und tonal diffuser Arbeit zu finden, scheitert man bereits an den bemüht schrägen Nicht-Sympathieträgern. Auf Sentimentalität wird dankenswerterweise verzichtet, doch mit der dargebotenen Rotz-Attitüde trifft der unfokussierte Film ebenfalls kein Ziel. „The Bride!“ beißt in die Luft.
Hochkarätige Stars wie Buckley, Bale, Bening, Sarsgaard, Cruz und Gyllenhaals Bruder Jake werden in vergessenswerten Rollen verheizt. Den beiden Hauptcharakten mangelt es vielleicht nicht an Attitüde, dafür aber ausdrücklich an Charme. Nebenfiguren wie der Detektiv und seine Unterstützung torkeln hilflos durch den bedeutungsschwangeren Nebel. Hier und da zündet die Regisseurin ein paar Kerzen, die aber stets in Sackgassen führen. Irgendetwas soll hier über zerrissene Leiber und zerrissene Seelen gesagt werden, die als Ausgestoßene eine Revolution anzetteln. So wie der Joker in Todd Phillips‘ gleichnamigem Erstling wütende Incels auf die Straßen gebracht hat, soll der Aufstand hier feministischer Natur sein. „The Bride!“ zeichnet die Welt als grausam und männerdominiert – und in diesem Bild steckt zweifellos viel Wahrheit. Nur bietet Gyllenhaal weder inhaltlich etwas Neues an, noch entfacht sie mit ihrer bleiernen Inszenierung ein übergreifendes Feuer. Ihr konfuser Film ist zusätzlich höchst redundant, nachdem Giorgos Lanthimos‘ brillanter „Poor Things“ jüngst ein sehr ähnliches Konzept perfekt auf den Punkt gebracht hat. Mit mehr als dem doppelten Budget und noch geballterer Starpower verursacht Gyllenhaal lediglich einen cineastischen Totalschaden inklusive Schleudertrauma beim irritierten Publikum.
So wie der bereits erwähnte Megaflop „Joker: Folie à Deux“ will „The Bride!“ sehr viel und erreicht am Ende nichts. Dieses Machwerk ist beeindruckend fürchterlich.





