Scream 7 (2026) Kritik

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Scream 7, USA 2026 • 114 Min • Regie: Kevin Williamson • Drehbuch: Kevin Williamson, Guy Busick • Mit: Neve Campbell, Isabel May, Jasmin Savoy Brown, Mason Gooding, Anna Camp, Mckenna Grace, Joel McHale, Courteney Cox • Kamera: Ramsey Nickell • Musik: Marco Beltrami • FSK: ab 16 Jahren • Verleih: Paramount Pictures • Kinostart: 26.02.2026 • Deutsche Website

„Scream 7“ bringt nach fünfzehn Jahren drei Franchise-Urgesteine wieder zusammen: Während Original-Autor Kevin Williamson bei diesem Beitrag erstmals auch auf dem Regiestuhl Platz nehmen durfte, kehrte nach einer kurzen Auszeit im Vorgänger Neve Campbell als legendäres Final Girl Sidney Prescott vor die Kamera zurück und – last, but not least – zeichnete sich nach Wes Cravens Quadrologie wieder Marco Beltrami für die schaurige musikalische Untermalung verantwortlich. Leider geht diese bewährte Konstellation zugleich mit dem Verlust des Kreativ-Trios Radio Silence, das der Reihe mit seinem fünften und sechsten Teil frischen Wind eingehaucht hat, und dem der beiden von Melissa Barrera und Jenna Ortega verkörperten Protagonistinnen Sam bzw. Tara Carpenter einher.

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So wie „Scream VI“ inhaltlich umstrukturiert werden musste, nachdem Campbell eine Rückkehr mit der ihr angebotenen Gage abgelehnt hat, stand auch die Produktion von „Scream 7“ zuerst unter keinem guten Stern. Zunächst wurde Barrera nach einer öffentlichen Äußerung zum Gaza-Krieg von der Besetzungsliste gestrichen, woraufhin auch Ortega das Handtuch warf. Radio Silence reichten das Regie-Zepter kurzzeitig an Christopher Landon („Happy Deathday“) weiter, der es aber letztlich Williamson übergab. Man durfte gespannt sein, welche Richtung der geistige Schöpfer der Ursprungsfilme in Zusammenarbeit mit Guy Busick, dem Co-Autor der beiden Vorgänger, diesmal einschlagen wird. Geht es mit dem cleveren Slasher-Franchise vorwärts oder einfach nur einen Schritt zurück?

Sidney trägt inzwischen einen neuen Nachnamen und hat sich zusammen mit ihrem Polizisten-Ehemann Mark (Joel McHale) in der Kleinstadt Pine Grove niedergelassen. Ihre Teenager-Tochter Tatum (Isabel May) besucht die örtliche Highschool und eigentlich läuft alles auf ein unspektakuläres Familienleben hinaus – hätte nicht ein neues Ghostface-Phantom erneut ein Massaker in Woodsboro angerichtet und es als Nächstes auf Sid und ihren Nachwuchs abgesehen. Zur Hilfe eilt ihr in Gestalt von Gale Weathers (Courteney Cox) eine alte Verbündete, die als Sidekicks die ebenso vertrauten Gesichter Mindy (Jasmin Savoy Brown) und Chad (Mason Gooding) im Gepäck hat. Erneut scheint die Flucht nach vorn, inklusive unvermeidbarer Konfrontation mit dem oder den Killern, die einzige Option zu sein. Als Verdächtige kommen natürlich wieder alle Anwesenden in Betracht, zu denen auch Tatums Freund Ben (Sam Rechner) und die überschaubare Schulclique gehören. Per Facecall meldet sich diesmal allerdings noch unerwartet ein Grauen aus der Vergangenheit zurück: Als totgeglaubter Täter der originalen Mordserie terrorisiert ein entstellter Stu Macher (Matthew Lillard) das leidgeplagte Final Girl. Doch handelt es sich bei dessen digitaler Erscheinung nun um den wahren Killer oder nur um einen geschickten Deepfake-Avatar?

Laut eigener Aussage wollte sich Kevin Williamson bei „Scream 7“ von dem Meta-Ansatz der Reihe wegbewegen und seinen Fokus diesmal vor allem auf seine Heldin und ihre Familie legen. Entsprechend schlachtet er direkt während der intensiven Eröffnungsszene einen „Stab“-Fanboy (Jimmy Tatro) und dessen entgeisterte Freundin (Michelle Randolph) im zum morbiden Museums-Airbnb umfunktionierten Macher-Haus ab und steckt dieses demonstrativ in Brand. Der Autor ist sich selbstverständlich der unzähligen Fan-Theorien bewusst, dass Stu den TV-Tod im Originalfilm überlebt haben soll (er selbst hatte diese mit früheren Skript-Entwürfen angeheizt) und spielt mit diesen nun genüsslich herum. Brandaktuell webt er in seine Story das Thema „Künstliche Intelligenz“ mit ein und deutet auf bereits existente Gefahren wie Identitätsdiebstahl hin. Möglicherweise könnte der in diesem Fall in die Jahre gekommene Mörder hinter den Taten stecken, allerdings ist eine ganz andere Auflösung in Angesicht der beängstigend revolutionären Technologie mindestens ebenso vorstellbar.

Der grassierende True-Crime-Hype spielt ebenso eine bedeutende Rolle im Film. Während bereits die Vorlage zu Wes Cravens erstem Beitrag von dem unfassbar grausamen Treiben des „Gainesville Rippers“ Danny Rolling inspiriert war, kann man auch in „Scream 7“ rückblickend einen Bezug zu einem relativ aktuellen, furchtbaren Verbrechen herstellen. Mit der Figur des Schülers Lucas (Asa Germann) wird wieder ein obsessiver Anhänger von Killer-Content eingeführt, der sich aber weniger von der nachempfundenen „Stab“-Reihe und mehr von den wahren Vorfällen fasziniert zeigt. Von Mindy wird er selbstverständlich direkt als „creepy“ auf der Liste der Verdächtigen vermerkt – doch soll ihn sein Interesse automatisch als Verantwortlichen outen, wie das ähnlich bei Charakteren in den Teilen vier und fünf der Fall gewesen ist?

Im Gegensatz zum exzellenten „Scream VI“ schaltet Williamson in Sachen brachialer Gewalt einen Gang zurück und orientiert sich sehr am Suspense seines Lehrmeisters Wes Craven. Wen vor allem der hohe Blutzoll im Vorgänger abgeschreckt hat, bekommt von Gale Weathers dazu einen augenzwinkernden Kommentar an Sidney spendiert: „Sei froh, dass du New York ausgesetzt hast. Das war heftig!“ Schade ist es hingegen dennoch, dass mit Sam und Tara diesmal zwei frische Favoriten auf der Strecke geblieben sind. Aber vielleicht verfolgt ja ein späteres Sequel deren Weg weiter, so wie „Scream 7“ zurück zu Sidney gefunden hat.

Ob man mit Williamson, der fraglos einen enormen Beitrag zum neuen Genreboom in den Neunzigern leistete, die richtige Person auf den Regiestuhl gesetzt hat, durfte man sich im Vorfeld allerdings schon skeptisch fragen. Dessen erster Einsatz in inszenierender Funktion bei der pechschwarzen Teenie-Komödie „Tötet Mrs. Tingle“ erbrachte ein kaum überzeugendes Resultat, weshalb das Flaggschiff „Scream“ dann wohl auch bislang von erprobten Handwerkern geführt worden ist. Doch auch wenn dem Schreiber einiges an Regieerfahrung fehlt und er sicher nicht einer Legende wie Wes Craven oder den jungen Hot Shots von Radio Silence gestalterisch das Wasser reichen kann, gelingt ihm mit „Scream 7“ ein durchgehend temporeicher und atmosphärisch dichter Reißer mit inhaltlich durchaus interessanten neuen Ansätzen. Zu den Spannungshöhepunkten zählen hier neben dem hitzigen Auftakt vor allem ein involvierendes Home-Invasion-Kapitel und der Angriff auf eine Bar während einer Ausgangssperre. Ein WTF-Einschub bereitet schließlich auf eine vergleichsweise unorthodoxe und für einige Zuschauer sicher eher unbefriedigende Enthüllung vor.

An Nostalgie soll es in „Scream 7“ auch nicht mangeln. Ein jugendlicher Besuch durch das Schlafzimmerfenster, die von Traumata befleckte Lederjacke der Mutter und schmerzhafte Erinnerungen an die Vergangenheit prägen das Werk. Doch anders als Prepper-Oma Laurie Strode in David Gordon Greens misslungener „Halloween“-Trilogie, ist aus Sidney keine verbitterte Kämpferin geworden, die ihren Nachwuchs lediglich auf dunkle Zeiten vorbereitet hat. Ihre Filmtochter fragt im Verlauf immer wieder, warum sie eigentlich den Namen einer Toten trägt. Sidneys letztliche Erklärung gehört – ähnlich wie der schockierende Tod Randys in Teil zwei oder Deweys fataler Kampf in Teil fünf – zu den emotionalen Volltreffern der Reihe.

Mit einer Rückkehr zu wieder mehr bewährten Zutaten, wie dem Kleinstadt-Setting und dem Franchise-Powerhouse-Duo Sid und Gale, ist „Scream 7“ bis zum vermutlich polarisierenden Ende echtes Catnip-Kino für Fans der Ursprungswerke. Mit Thrill, Witz und sympathischen Neuzugängen liefert Williamson vielleicht keinen neuen Meilenstein, aber einen verdammt straffen und absolut sehenswerten Beitrag zur konsequent hochqualitativen Slasher-Saga ab. Das Telefon wird sicher nicht lange still bleiben.


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Scream 7, USA 2026 • 114 Min • Regie: Kevin Williamson • Drehbuch: Kevin Williamson, Guy Busick • Mit: Neve Campbell, Isabel May, Jasmin Savoy Brown, Mason Gooding, Anna Camp, Mckenna Grace, Joel McHale, Courteney Cox • Kamera: Ramsey Nickell • Musik: Marco Beltrami...Scream 7 (2026) Kritik