Quelle: IFC Films

Das häufig verbreitete Klischee einer wahnhaft paranoiden Person ist, dass sie sich für Napoleon oder Jesus halten. Solche größenwahnsinnigen Illusionen kommen zwar tatsächlich vor, betreffen aber lediglich einen winzigen Bruchteil von psychisch kranken Menschen. Es gibt auch keine stichhaltigen Nachweise, dass sich irgendwelche Patienten jemals wirklich für Napoleon gehalten haben. Mit Jesus sieht es allerdings schon anders aus. Vor 60 Jahren führte der US-amerikanische Psychologe Milton Rokeach eine experimentelle Studie durch, bei der er in der Nervenheilanstalt Ypsilanti drei Menschen untersuchte, die davon überzeugt waren, Jesus Christus zu sein. Sein Ziel war es, durch ihre Illusion durchzudringen, indem er sie zusammenbringt, denn logischerweise kann es nur einen Jesus geben.

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Abgesehen davon, dass die Studie ethisch problematisch war, was Rokeach später selbst zugegeben hat, führte sie (oh Wunder!) nicht zur Heilung der Patienten, sondern zu Streitigkeit bis hin zu körperlichen Aggressionen. Letzten Endes fanden alle drei in ihrem Wahn einen Weg, den Jesus-Status der anderen zwei zu widerlegen, indem sie für verrückt (!) oder tot und von Maschinen gesteuert erklärt wurden.

So fragwürdig die Studie auch war, so sah man natürlich irgendwann das filmische Potenzial einer Geschichte, in der drei Menschen glauben, sie seien Jesus. Bereits 2017 wurde die Verfilmung mit dem Titel Three Christs im Rahmen des Toronto International Film Festivals uraufgeführt. Da die Reaktion der Kritiker jedoch bestenfalls lauwarm ausfiel, dauerte es mehr als zwei Jahre bis zur regulären Auswertung des Films. Erst am 10. Januar wird er von IFC Films in den USA in ausgewählten Lichtspielhäusern und parallel über Video-On-Demand veröffentlicht werden. In Deutschland hat der Film immer noch keinen Verleih.

Obwohl die bisherigen Stimmen zu dem Film nicht besonders optimistisch stimmen, ist es der Cast des Films, der ihn doch auf den Radar vieler Cineasten bringen dürfte. Wer würde schließlich nicht gerne sehen, wie die ausgezeichneten Charakterdarsteller Peter Dinklage ("Game of Thrones"), Walton Goggins ("Justified") und Bradley Whitford (The Cabin in the Woods) behaupten, sie seien Jesus Christus? Den Trailer zum Film könnt Ihr unten sehen.

Richard Gere (Chicago) spielt hier den Psychologen, dessen Name zu Dr. Alan Stone geändert wurde. Auch die Nebenbesetzung kann sich sehen lassen. Julianna Margulies ("The Good Wife"), Dinklages "Thrones"-Co-Star Charlotte Hope, Kevin Pollack (Die üblichen Verdächtigen) und Stephen Root ("Boardwalk Empire") spielen weitere Rollen. Jon Avnet (Grüne Tomaten) führte Regie. Es ist sein erster Film seit Kurzer Prozess – Righteous Kill vor elf Jahren und seine zweite Zusammenarbeit mit Gere nach dem Thriller Red Corner.

Ich bin ein großer Befürworter authentischer Darstellungen psychischer Erkrankungen in Filmen, damit die Stigmatisierung der Betroffenen nach und nach aufgehoben wird. Irgendwie habe ich jedoch die Befürchtung, allein schon angesichts des Ausgangsmaterials, dass es nicht einer dieser Filme sein wird. Goggins' und Dinklages Beteiligung alleine ist aber schon ein Grund dafür, in Three Christs reinzuschauen, wenn der Film es nach Deutschland schafft.