Star Wars Episode IX

Adam Driver in Star Wars – Der Aufstieg Skywalkers © 2019 Walt Disney Pictures

Quellen: The Playlist, Collider, AV Club, Robert Burnett YouTube

ANEZIGE

Das Erwachen der Macht und Die letzten Jedi sind die einzigen Star-Wars-Filme der Disney-Ära, die ohne abrupte Regiewechsel bzw. massive Nachdrehs unter einem anderen Regisseur entstanden sind. Bereits bei Rogue One: A Star Wars Story musste Tony Gilroy einspringen und den gesamten dritten Akt umbasteln. Phil Lord und Christopher Miller wurden Monate nach Drehbeginn von Solo gefeuert und durch Ron Howard ersetzt. Und natürlich wurde bekanntlich Colin Trevorrow (Jurassic World) als Regisseur und Autor von Star Wars: Episode IX entlassen, bevor J.J. Abrams zum Franchise zurückkehrte. Im Abspann zu Der Aufstieg Skywalkers werden Trevorrow und sein Co-Autor Derek Connelly immer noch als Autoren der Story (nicht des Skripts!) angegeben, de facto ist aber von ihrem Drehbuch m Film nichts mehr übriggeblieben. Dass sie weiterhin genannt werden ist auf Regularien der Autorengewerkschaft zurückzuführen.

Natürlich drängt sich aber die Frage auf, wie Trevorrows Vision für den Film ausgesehen hätte, gerade nachdem sich Der Aufstieg Skywalkers als zweieinhalbstündige Fanservice-Parade und offensichtliche Reaktion auf den polarisierenden Vorgänger entpuppte. Überraschenderweise haben wir jetzt eine ziemlich genaue Antwort darauf. Der bekannte YouTuber und Filmemacher Robert Meyer Burnett ist offenbar in Besitz von Trevorrows und Connellys Drehbuchfassung von Dezember 2016 gekommen und hat ihre Inhalte in zwei zweistündigen Videos sehr ausführlich besprochen. Natürlich könnte an dieser Stelle der berechtigte Einwand kommen: Wer ist dieser YouTuber und wieso sollte man ihm glauben? Jedoch haben renommierte Portale wie AV Club, Collider und The Playlist jeweils separat recherchiert und bestätigt, dass alle seine Informationen korrekt sind. Natürlich handelte es sich noch um eine frühe Fassung und Trevorrow wurde erst Monate später entlassen, sodass sich in der Zwischenzeit vermutlich auch einiges geändert hat. Dennoch bekommt man einen guten Eindruck von seinen Plänen für den Abschluss der Saga und diese waren radikal anders als das, was aktuell im Kino zu sehen ist. Ich fasse mal einige Details aus Star Wars: Duel of the Fates zusammen – so sollte Trevorrows Film heißen.

Der Lauftext vor dem Vorspann lautete bei Trevorrow wie folgt: (aus dem Englischen)

Der eiserne Griff der Ersten Ordnung hat sich in die weitesten Winkel der Galaxie ausgebreitet. Nur einige verstreute Planeten sind noch nicht besetzt. Verräterische Handlungen werden mit dem Tod bestraft. Entschlossen, wachsende Unruhen im Keim zu ersticken, hat der Oberste Anführer Kylo Ren jegliche Kommunikation zwischen benachbarten Systemen abgeschnitten. Angeführt von General Leia Organa, plant der Widerstand eine geheime Mission, um seine Vernichtung zu verhindern und den Weg zur Freiheit freizumachen…

Lukes Auftritt bei der Schlacht von Crait inspirierte Rebellen in den Galaxien und um ihre Zusammenarbeit zu erschweren, unterdrückt die Erste Ordnung die Kommunikation zwischen den Planeten. Die Mission des Widerstandes lautet, die Kommunikation wiederherzustellen und die Galaxie zum Krieg gegen die Erste Ordnung auszurufen. Rose (Kelly Marie Tran), die keine zwei Minuten Screentime in Der Aufstieg Skywalkers hat, hätte in Trevorrows Version neben Finn (John Boyega) eine zentrale Rolle gehabt. In der Eröffnungsszene stehlen die beiden gemeinsam mit BB-8 einen Sternenzerstörer von der Schiffswerft auf dem Planeten Kuat. Bei der Mission erkennt Finn einen gefallenen Sturmtruppler ohne Helm wieder und das entfacht in ihm einen inneren Konflikt, denn er tötet seine ehemaligen Kameraden.

Rey (Daisy Ridley) trainiert weiter als Jedi und hat aus Lukes Lichtschwert und ihrem Kampfstab eine eigene Waffe mit zwei Klingen gebastelt. Bei der Recherche von Lukes Jedi-Texten entdeckt sie die Erwähnung eines "Macht-Signalfeuers", eines versteckten Kommunikationssystems aus der Alten Republik, mit dem man ein Signal zu 50 Planeten absenden und sie zum Krieg aufrufen kann. Die Erste Ordnung könnte das Signal nicht stoppen, jedoch befindet sich dieses System unter dem Jedi-Tempel auf dem besetzten Planeten Coruscant. Finn und Rose erhalten die Mission, gemeinsam mit R2D2 und C3P0 das Artefakt zu finden und zu aktivieren. Das gelingt ihnen und C3P0 verschickt ein Hologramm von Leia an 50 Planeten (eine Hommage an den allerersten Star-Wars-Film mit Leias Hologramm-Botschaft an Obi-Wan). Rose und Finn werden jedoch von General Hux (Domhnall Gleeson) geschnappt und eingesperrt. Rose wird von Hux befragt, derweil kann Finn fliehen und versammelt eine Gruppe abtrünniger Sturmtruppler, mit deren Hilfe er Rose befreien kann.

Kylo Ren (Adam Driver) hat sich derweil abgesetzt und verbringt seine Zeit in Darth Vaders Tempel auf dem Lavaplaneten Mustafar. Er ist unrasiert und wird von Lukes Machtgeist heimgesucht. Er hat sogar eine halluzinatorische Vision von Darth Vader und kämpft gegen ihn. Kylo Ren entdeckt auf Mustafar ein Holocron, ein Gerät der Sith, das ein Hologramm von Imperator Palpatine enthält. Es ist Palpatines sein letzter Wille und ist an Darth Vader gerichtet. Der Imperator weist Vader an, dass falls Luke Skywalker ihn getötet haben sollte, soll Vader Luke ins Remnicore System bringen, wo er von Palpatines Meister, Tor Valum, unterrichtet werden soll. Das Holocron erkennt, dass Kylo Ren nicht Vader ist und explodiert. Dabei wird Kylos Gewicht schwer verbrannt und er bastelt sich wieder eine Maske.

Kylo fliegt nach Remnicore und findet dort den 7000 Jahre alten Tor Valum, dessen Aussehen als das eines Lovecraft-Monsters beschrieben wird. Tor Valum beginnt, Kylo Ren zu trainieren und die dunkle Seite in ihm zu stärken. Er bringt Kylo bei, wie er die Lebensenergie aus anderen Wesen aussaugen kann. Als er jedoch Kylo für unwürdig erklärt, nach Mortis (die Quelle der Macht, die in "The Clone Wars" eine Rolle spielte) zu gelangen, bringt Kylo Ren ihn auf genau diese Weise um.

Derweil fliegen Rey, Poe (Oscar Isaac) und Chewbacca zum Planeten Bonadan, wo sich Rey Antworten erhofft. Sie werden von den Rittern von Ren verfolgt. Rey kämpft gegen sie und tötet sie alle. Poe ist in dieser Drehbuchfassung in Rey verknallt, wird aber von ihr mit Hilfe des Jedi-Gedankentricks (und eines Kusses) weggeschickt, um ihn in Sicherheit zu bringen.

Das große Finale spielt sich einerseits auf Mortis und andererseits auf Coruscant ab. Die große Schlacht zwischen dem Widerstand und der Ersten Ordnung findet sowohl auf Boden in Coruscant als auch über dem Planeten statt. Chewie fliegt sogar selbst einen X-Wing in die Schlacht. Derweil gelangen sowohl Rey als auch Kylo Ren nach Mortis. Dort begegnet Rey eine Vision ihrer Eltern und sie findet heraus, dass Kylo Ren sie auf Snokes Befehl ermordet hat. Sie stammt jedoch weiterhin keiner bekannten Blutlinie ab. Kylo Ren sieht derweil eine Vision seines Vaters Han Solo (Harrison Ford). Letztlich kommt es zu einem Duell zwischen den beiden. Kylo Ren gewinnt zunächst die Oberhand und erwischt Rey mit seinem Lichtschwert im Gesicht. Dabei erblindet sie. Sie spürt jedoch die Macht der Jedi in sich, steht wieder auf und bekämpft Kylo Ren. Sie zerstört sein Lichtschwert und er verliert dabei mehrere Finger. Er setzt jedoch seine neu erlernte Kraft ein, um Reys Lebenskraft auszusagen. Rey ist kurz vor dem Sterben, als Leia das spürt und über die Macht an Ben Solo, die restliche Güte in Kylo Ren, appelliert. Nach einem inneren Kampf setzt sich Ben gegen Kylo durch und gibt seine Lebenskraft an Rey, um sie zu retten. Damit wird er selbst quasi "ausgelöscht". Kurz vor seinem Tod verrät er Rey, dass ihr Nachname "Solana" lautet. Sie heißt Rey Solana.

General Hux versucht während des Films selbst, die Macht zu nutzen. Er entpuppt sich als ein Fan der Jedi bzw. der Sith und hat eine eigene Sammlung von Lichtschwertern. Als die Schlacht von Coruscant verloren scheint, begeht er mit einem purpurnen Lichtschwert Selbstmord.

Am Ende des Films lässt sich Rey auf einer Ranch auf dem Planeten Modesta (Anspielung an George Lucas' Geburtsort Modesto, Kalifornien) nieder und bildet dort eine Gruppe junger Jedi-Ritter aus, darunter auch den Besenjungen aus der letzten Szene von Die letzten Jedi. Die jungen Padawan werden von Rose und Finn zu Rey gebracht.

Palpatine lebt in Trevorrows Drehbuch nicht und tritt lediglich in Hologramm-Form auf. Lando (Billy Dee Williams) wird in seinem Nachtclub von Leia aufgesucht und hilft ihr, weigert sich jedoch, sich direkt dem Kampf anzuschließen, mit dem Verweis darauf, dass sie bereits einen Krieg gewonnen hätten und es dennoch nichts gebracht hat. Luke hat als Machtgeist eine deutlich größere Präsenz im Film als in Der Aufstieg Skywalkers.

Natürlich gibt es noch viel mehr Details aus Trevorrows und Connellys Drehbuch, die ich nicht erwähnt habe. Wenn Ihr mehr wissen wollt und einige Stunden Zeit übrig habt, kann ich nur die Videos von Robert Burnett empfehlen. Für mich klingt Trevorrows Vision zwar nicht perfekt, aber deutlich origineller und faszinierender als das, was Chris Terrio und J.J. Abrams letztlich gemacht haben.