Spider Man Trilogie

© 2002 Sony Pictures

Quelle: Collider

Wir sind es heutzutage schon gewohnt, dass Marvel-Filme die Blockbuster-Landschaft dominierten. Doch es gab eine Zeit, gar nicht mal so lange her, in der Marvel-Verfilmungen als potenzielles Kassengift wahrgenommen wurden. Drei Filme innerhalb von vier Jahren haben alles verändert. Blade mit Wesley Snipes wurde 1998 zum Überraschungserfolg und zum ersten großen Kinohit mit Marvel Comics als Vorlage (Men in Black ausgenommen, dessen Verbindung zu Marvel zweitrangig ist). Bryan Singers X-Men brachte vor rund 20 Jahren Marvel-Helden im großen Stil auf die Leinwand und erntete dafür seinerzeit einen Riesenerfolg.

Doch es war Sam Raimis Spider-Man, der endgültig eine Revolution eingeläutet hat, als er im Mai 2002 den von Harry Potter und der Stein der Weisen ein halbes Jahr zuvor aufgestellten Startrekord in Nordamerika zerschmetterte und zum umsatzstärksten Film des Jahres in den USA noch vor der neuen Star-Wars-Episode wurde. Die Zeit der Marvel-Helden war gekommen und seitdem sind sie aus dem Kino nicht wegzudenken.

Der Triumph von Sonys Spider-Man war das Ergebnis jahrelanger fruchtloser Entwicklungen des Films von diversen Studios und Filmemachern, darunter James Cameron, auf den die letztlich verwendete Idee organischer Netzdrüsen in Peter Parkers Handgelenken zurückging. Nach vielen gescheiterten Anläufen, waren es Drehbuchautor David Koepp und Regisseur Sam Raimi, die Spidey endlich in die Kinos brachten. Darauf folgten zwei kommerziell sehr erfolgreiche Fortsetzungen, bevor Sony nach Uneinigkeit mit Raimi das Franchise 2012 mit The Amazing Spider-Man und 2016 in Zusammenarbeit mit Marvel mit Spider-Man: Homecoming jeweils rebootet hat.

Die ersten zwei Spider-Man-Filme von Raimi gelten bis heute noch als Meilensteine und moderne Klassiker unter Comicverfilmungen. Der dritte Film ist durchaus kontrovers und polarisierend, hatte aber auch einige starke Einzelelemente. Als Koepp den ersten Film geschrieben hat, hatte er bereits genaue Vorstellungen, wie sich die Trilogie entwickeln sollte. Doch Raimi ging einen anderen Weg, und Koepp kehrte für die Sequels nicht zurück. In einem neuen Interview hat der Drehbuchautor jetzt erklärt, welche Vorstellungen er für die Reihe anfangs hatte: (aus dem Englischen)

Im Prinzip bestand meine Trilogie-Idee darin, die Geschichte von Gwen Stacy/Harry Osborn zu erzählen, aber ich habe alles anders aufgeteilt. Ich wollte, dass Gwen in der Mitte des zweiten Films stirbt, weil das gewissermaßen dem Model von Das Imperium schlägt zurück folgt, und ich hatte andere Bösewichte, die ich nutzen wollte. Einfach eine andere Art, diese Geschichte zu erzählen.

Der Tod von Gwen Stacy ist vermutlich das einschneidendste Erlebnis im Peter Parkers Leben nach dem Tod seines Onkels Ben, doch er wurde in Raimis Filmen gar nicht thematisiert. Gwen Stacy, gespielt von Bryce Dallas Howard, wurde stattdessen in Spider-Man 3 als konkurrierendes Love Interest zu Mary Jane (Kirsten Dunst) verheizt. Die Geschichte von Peter und Gwen Stacy wurde in The Amazing Spider-Man wieder aufgegriffen und dann wollte Sony auf Koepp und seine ursprünglichen Pläne zurückgreifen. Doch trotz anfänglicher Begeisterung merkte er, dass der Zug für ihn bereits abgefahren war:

Es gab eine Zeit vor sieben oder acht Jahren, als ich für ein paar Spider-Man-Filme zurückkehren sollte, nachdem sie ihren ersten Amazing Spider-Man gemacht haben. Beim allerersten Spider-Man habe ich durchgeplant, was meiner Meinung nach die ersten drei Filme sein sollten, und dann hat es für mich aufgrund unterschiedlicher Persönlichkeiten nicht geklappt, die Spider-Man-Filme weiter zu schreiben.

Also habe ich mich darüber gefreut, zurückzukehren und die Geschichte zu beenden, die ich im ersten Film begonnen habe, und gerade als wir dabei waren, uns darauf zu einigen, dass ich es tun würde, habe ich das alte Zeug herausgeholt und begonnen, diese zwei Filme zu skizzieren, und ich dachte: "Junge, du kannst nicht zurückgehen. Dieser Augenblick ist vorüber. Der Zeitpunkt, an dem ich es wirklich gefühlt habe, war zehn Jahre her, und es gibt keinen Sinn zu versuchen, ihn wieder aufleben zu lassen". Also bin ich ausgestiegen.

Die Chemie von Andrew Garfield und Emma Stone als Peter und Gwen in The Amazing Spider-Man war eine der größten Stärken des Films und der Tod ihrer Figur im zweiten Film einer von dessen wenigen wirklich guten Momenten. Wie sich die Geschichte danach weiterentwickelt hätte, kann man nur ahnen, denn nach der Enttäuschung des Films in der Kritik und an der Kinokassen, verwarf Sony alle Pläne für zuvor angekündigten The Amazing Spider-Man 3 und 4, und tat sich stattdessen mit Marvel/Disney zusammen, um Spider-Man ins MCU reinzubringen – eine kluge Entscheidung für alle Beteiligten, die seitdem mit zwei extrem erfolgreichen Spider-Man-Filmen belohnt wurde.

Wie findet Ihr heutzutage Raimis Trilogie, und findet Ihr es schade, dass sie nicht Koepps ursprünglichen Plänen folgte?