Oscars 2021 Nominierungen

Gary Oldman in Mank © 2020 Netflix

Quelle: Academy of Motion Picture Arts and Sciences

Wir befinden uns mittendrin in der verlängerten Oscar-Saison, und als jemand, der seit seinem 14. Lebensjahr keine einzige Oscarverleihung verpasst hat und jedes Jahr das Rennen mit großer Begeisterung mitverfolgt hat, muss ich leider gestehen, dass mein Interesse für die begehrten Filmpreise dieses Jahr leider am ultimativen Tiefpunkt angelangt ist. Das hat nichts mit der Qualität der Filme im Rennen zu tun, sondern vielmehr damit, dass die Oscar-Zeit für mich untrennbar mit dem Kinoerlebnis verknüpft ist, und davon hatten wir in den letzten Monaten nicht viel. Viele der diesjährigen Kandidaten sind direkt bei Netflix oder Amazon Prime erschienen, etliche weitere, darunter gleich vier Bester-Film-Anwärter, sind aktuell für Kinostarts im April in Deutschland angesetzt – was natürlich äußerst optimistisch (um nicht zu sagen illusorisch) ist.

Gestern haben Priyanka Chopra-Jonas und Nick Jonas die Nominierungen in allen 23 Kategorien der 83. Academy Awards (eine weniger als in den letzten Jahren, da Ton und Tonschnitt endlich zu einer Kategorie vereint wurden) verkündet. Von den acht Nominees in der Königsklasse "Bester Film" habe ich lediglich The Trial of the Chicago 7 gesehen, weil ich ihn noch vor dem aktuellen Lockdown im Kino erwischt habe. Filme wie Mank, One Night in Miami oder Sound of Metal sind natürlich bereits bei den Streamern verfügbar, doch ich habe immer noch die Hoffnung, sie irgendwann noch im Kino zu sehen. Fünf der acht "Bester Film"-Kandidaten sind aber noch gar nicht in Deutschland verfügbar.

David Finchers Netflix-Produktion Mank, eine polarisierende schwarzweiße Liebeserklärung an Hollywood und Citizen Kane, triumphierte bei den Oscarnominierungen mit zehn Nennungen, vier mehr als die nächsten Konkurrenten. Damit hat der Film zwar stark abgeschnitten und Fincher seine dritte Regie-Nominierung (nach The Social Network und Der seltsame Fall des Benjamin Button) beschert, das sollte jedoch nicht darüber hinwegtäuschen, dass Mank dennoch kein Favorit für den großen Preis ist, denn er verpasste Nominierungen in zwei Schlüsselkategorien: Drehbuch und Schnitt. Birdman ist der einzige Film der letzten 40 Jahre, der ohne eine Schnitt-Nominierungen den "Bester Film"-Oscar gewinnen konnte. Titanic war der letzte Film, der ohne eine Drehbuch-Nominierung siegte. Man muss aber schon ins Jahr 1949 zurückgehen, um mit Hamlet einen Film zu finden, der sich ohne diese beiden Nominierungen als "Bester Film" durchsetzen konnte.

Der Favorit bleibt also weiterhin der sechsfach nominierte Nomadland, der auch schon bei den Golden Globes den Film- und Regiepreis holte. Fünf weitere Filme ergatterten ebenfalls sechs Nominierungen, darunter Aaron Sorkins The Trial of the Chicago 7, obwohl Sorkin selbst überraschend die Regie-Nominierung verpasste.

Die Nominierungen in allen Kategorien findet Ihr unten aufgelistet:

Bester Film

The Father
Judas and the Black Messiah
Mank
Minari
Nomadland
Promising Young Woman
Sound of Metal
The Trial of the Chicago 7

Beste Regie

Lee Isaac Chung (Minari – Wo wir Wurzeln schlagen)
Emerald Fennell (Promising Young Woman)
David Fincher (Mank)
Chloé Zhao (Nomadland)
Thomas Vinterberg (Der Rausch)

Bester Hauptdarsteller

Riz Ahmed (Sound of Metal)
Chadwick Boseman (Ma Rainey’s Black Bottom)
Anthony Hopkins (The Father)
Gary Oldman (Mank)
Steven Yeun (Minari – Wo wir Wurzeln schlagen)

Beste Hauptdarstellerin

Viola Davis (Ma Rainey’s Black Bottom)
Andra Day (The United States vs. Billie Holiday)
Vanessa Kirby (Pieces of a Woman)
Frances McDormand (Nomadland)
Carey Mulligan (Promising Young Woman)

Bester Nebendarsteller

Sacha Baron Cohen (The Trial of the Chicago 7)
Daniel Kaluuya (Judas and the Black Messiah)
Leslie Odom, Jr. (One Night in Miami)
Paul Raci (Sound of Metal)
Lakeith Stanfield (Judas and the Black Messiah)

Beste Nebendarstellerin

Maria Bakalova (Borat Anschluss Moviefilm)
Glenn Close (Hillbilly-Elegie)
Olivia Colman (The Father)
Amanda Seyfried (Mank)
Yuh-Jung Youn (Minari – Wo wir Wurzeln schlagen)

Bestes Originaldrehbuch

Will Berson & Shaka King (Judas and the Black Messiah)
Lee Isaac Chung (Minari – Wo wir Wurzeln schlagen)
Emerald Fennell (Promising Young Woman)
Darius Marder & Abraham Marder (Sound of Metal)
Aaron Sorkin (The Trial of the Chicago 7)

Bestes adaptiertes Drehbuch

Sacha Baron Cohen, Anthony Hines, Dan Swimmer, Peter Baynham, Erica Rivinoja, Dan Mazer, Jena Friedman & Lee Kern (Borat Anschluss Moviefilm)
Christopher Hampton (The Father)
Chloé Zhao (Nomadland)
Kemp Powers (One Night in Miami)
Ramin Bahrani (Der weiße Tiger)

Beste Kamera

Sean Bobbitt (Judas and the Black Messiah)
Erik Messerschmidt (Mank)
Dariusz Wolski (Neues aus der Welt)
Joshua James Richards (Nomadland)
Phedon Papamichael (The Trial of the Chicago 7)

Bestes Szenenbild

The Father
Mank
Ma Rainey’s Black Bottom
Neues aus der Welt
Tenet

Bester Schnitt

The Father
Nomadland
Promising Young Woman
Sound of Metal
The Trial of the Chicago 7

Beste Kostüme

Emma.
Mulan
Ma Rainey’s Black Bottom
Mank
Pinocchio

Bestes Makeup & Hairstyling

Emma.
Hillbilly-Elegie
Ma Rainey’s Black Bottom
Mank
Pinocchio

Beste visuelle Effekte

Love and Monsters
The Midnight Sky
Mulan
Der einzig wahre Ivan
Tenet

Bester Animationsfilm

Onward: Keine halben Sachen
Die bunte Seite des Mondes
Wolfwalkers
Shaun das Schaf – UFO-Alarm
Soul

Bester Ton

Greyhound
Mank
Neues aus der Welt
Soul
Sound of Metal

Bester Dokumentarfilm

Kollektiv – Korruption tötet
Sommer der Krüppelbewegung
Mein Lehrer, der Krake
The Mole Agent
Time

Bester Dokumentar-Kurzfilm

Colette
Do Not Split
A Concerto is a Conversation
Hunger Ward
A Love Song for Latasha

Bester internationaler Film

Der Rausch (Dänemark)
Better Days (Hongkong)
Kollektiv – Korruption tötet (Rumänien)
The Man Who Sold His Skin (Tunesien)
Quo Vadis, Aida? (Bosnien und Herzegowina)

Bestes Filmlied

"Fight for You" (Judas and the Black Messia)
"Hear My Voice" (The Trial of the Chicago 7)
"Husavik" (Eurovision Song Contest: The Story of Fire Saga)
"Io Si (Seen)" (Du hast das Leben noch vor dir)
"Speak Now" (One Night in Miami)

Beste Filmmusik

Terence Blanchard (Da 5 Bloods)
Trent Reznor, Atticus Ross (Mank)
Emile Mosseri (Minari – Wo wir Wurzeln schlagen)
James Newton Howard (Neues aus der Welt)
Jon Batiste, Trent Reznor, Atticus Ross (Soul)

Bester animierter Kurzfilm

Burrow
Genius Loci
If Anything Happens I Love You
Opera
Yes-People

Bester Kurzfilm

Feeling Through
The Letter Room
The Present
Two Distant Strangers
White Eye
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Aufgrund der aktuellen Corona-Situation wurde der Erhebungszeitraum für die Oscarkandidaten einmalig bis zum 28. Februar verlängert, anstelle des 31. Dezembers letzten Jahres. Dadurch wurde auch die Oscarverleihung bis zum 25. April verschoben und wird aller Voraussicht nach, wie schon die Globes, ein größtenteils virtuelles Event sein.

Unten findet Ihr alle Filme, die mehr als eine Nominierung erhalten haben:

Mank – 10
The Father, Judas and the Black Messiah, Nomadland, Minari, Sound of Metal, The Trial of the Chicago 7 – 6
Ma Rainey’s Black Bottom, Promising Young Woman – 5
Neues aus der Welt – 4
One Night in Miami, Soul – 3
Der Rausch, Kollektiv – Korruption tötet, Borat Anschluss Moviefilm, Emma., Hillbilly-Elegie, Mulan, Pinocchio, Tenet – 2

Auf Seite 2 gehe ich etwas genauer auf die überraschenden Gewinner und Verlierer der Oscarnominierungen ein.