Bei Uwe Boll scheiden sich die Geister. Für viele ist er der schlechteste Regisseur der Welt, Deutschlands Ed Wood. Für seine treue Fangemeinde ist er jedoch ein genialer Provokateur, der ganz genau weiß, was er tut, kein Blatt vor den Mund nimmt und zeigt, was andere sich nicht trauen. Seine Kritiker verkloppte Boll buchstäblich im Boxring, die zunehmend schwierigere Finanzierung seiner filmischen Eskapaden frustrierte ihn jedoch irgendwann so sehr, dass er nach dem gescheiterten Crowdfunding-Aufruf für Rampage: President Down dem Filmgeschäft den Rücken kehrte und sich im Gastgewerbe versuchte. Boll eröffnete ein Restaurant für deutsche Küche in Vancouver, wo er bis heute lebt.
Im Gegensatz zu seinen Filmen erhielt Bolls Restaurant durchaus gute Kritiken, überlebte jedoch, wie viele andere, die Covid-Pandemie nicht. Vielleicht war dieser Rückschlag der ausschlaggebende Grund für Boll, wieder hinter die Kamera zurückzukehren, vielleicht hat er die Arbeit an Filmsets aber auch einfach vermisst. Man kann über seine Filme zwar sage, was man will, doch einen Mangel an Leidenschaft fürs Filmemachen kann man Boll nicht vorwerfen.
Acht Jahre nach Rampage: President Down kehrte Boll 2024 mit First Shift in die Kinos zurück, der für Bolls Verhältnisse erstaunlich zurückhaltend und bodenständig war. Weder handelte es sich um eine Videospielverfilmung, noch griff Boll wieder ein kontroverses Thema auf wie in Darfur, Siegburg oder Auschwitz. Stattdessen handelte sein Film vom Alltag zweier Polizisten in New York. Kristen Renton ("Sons of Anarchy") spielt in dem Film eine junge Polizeianfängerin aus Atlanta, die nach New York zieht, und Gino Anthony Peso ("Shades of Blue") verkörpert einen erfahrenen Einzelgänger-Cop aus Brooklyn, dem sie als Partnerin zugeteilt wird – zu seinem Verdruss. First Shift folgt den beiden zwölf Stunden lang auf einer Patrouille durch die Straßen der Metropole.
In den Kinos lief First Shift völlig unter dem Radar, bei Paramount+ war er in den USA jedoch ein rauschender Erfolg und verbrachte 20 Wochen in der Top-10-Liste des Streamers, sodass Boll gleich zwei Sequels drehte und sogar eine Serienadaption plant. Während First Shift: Vengeance und First Shift: Redemption auf ihre Veröffentlichung warten, kann man den ersten Film, der inzwischen den Zusatztitel New York Rookie erhielt, seit gestern, dem 23. Mai, bei Amazon Prime Video in Deutschland sehen. So polarisierend die Meinungen zu Boll sind, die Neugier auf sein Comeback scheint groß zu sein, denn auch hierzulande schoss First Shift auf Anhieb unter die zehn derzeit meistgestreamten Filme bei Prime.
Beflügelt von dem Erfolg dreht Boll wieder fleißig Filme. Zuletzt veröffentlichte er sein Flüchtlingsdrama Run, bald wird sein Rachethriller Citizen Vigilante (ursprünglich als The Dark Knight angekündigt, bis Warner Bros. einschritt) erscheinen und auch zu Videospielverfilmungen möchte Boll mit einem Alone-in-the-Dark-Reboot und einem House-of-the-Dead-Sequel zurückkehren. Dann doch lieber Filme wie First Shift (Trailer unten), oder?
Quelle: Amazon Prime Video Deutschland













