Eternals-Regisseurin verrät ursprüngliches düstereres Ende

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Eternals Ende

Salma Hayek, Lauren Ridloff, Richard Madden, Kumail Nanjiani, Brian Tyree Henry, Barry Keoghan, Angelina Jolie und Gemma Chan in Eternals © 2021 Walt Disney Pictures/Marvel Studios

Quellen: Empire, CBR

Artikel enthält Spoiler zu Eternals!

Alle Marvel-Fans, die Chloé Zhaos Superhelden-Ensemblefilm Eternals im Kino verpasst haben, können sich den Film ab heute beim Streaming-Dienst Disney+ ohne jegliche Zusatzgebühr anschauen und sich selbst ein Urteil darüber bilden, ob er zu Recht als erster MCU-Film in der Kritik überwiegend durchgefallen ist oder ob es sich dabei um eine verkannte Perle handelt. Aus meiner Sicht liegt die Wahrheit irgendwo dazwischen, denn obwohl Eternals durchaus einige erzählerische Schwächen und etwas Leerlauf hatte, mochte ich die Energie, die Bilder und die großen Ambitionen des Films, dessen Geschichte sich über sieben Jahrtausende entfaltet.

Wie die Zukunft der gottgleichen Superhelden aussieht, ist noch unklar. MCU-Filme, die neue Charaktere ins Universum anführen, werden grundsätzlich als Sprungbretter für neue Franchises angelegt sind. Auch bei Eternals ist es nicht anders, endet der Film doch mit einem Cliffhanger, als Sersi (Gemma Chan), Phastos (Brian Tyree Henry) und Kingo (Kumail Nanjiani) vom Celestial Arishem in den Weltraum gezogen werden, um sich für ihren Verrat zu verantworten. In der ersten Abspannszene taucht dann plötzlich Thanos' Bruder Eros auf, gespielt von Harry Styles, der Thena (Angelina Jolie), Makkari (Lauren Ridloff) und Druig (Barry Keoghan) verkündet, er könne ihnen bei der Suche nach ihren entführten Weggefährten helfen.

Das ist eindeutig ein offenes Ende, das zu einer Fortsetzung einlädt, doch Marvel-Produzent Nate Moore hat bereits kurz nach Kinostart im November davor gewarnt, mit Eternals 2 zu fest rechnen. Seiner Aussage nach sei ein Sequel keineswegs in Stein gemeißelt oder etwas. Es gebe zwar Ideen, wie es weitergehen könnte, doch es sei auch kein Muss. Trotz durchwachsener Kritiken schnitt Eternals an den Kinokassen mit rund $402 Mio Einspiel nicht erheblich schlechter ab als die anderen beiden MCU-Filme von Disney (Black Widow und Shang-Chi and the Legend of the Ten Rings) dieses Jahr, doch sein happiges Produktionsbudget ($200 Mio) und mittelmäßige Mundpropaganda, die gegebenenfalls rückläufige Einnahmen beim Sequel befürchten lässt, stehen dem grünen Licht für Eternals 2 im Weg.

Der erste Film endete trotz des Triumphes des Eternals nicht sonderlich positiv, doch Regisseurin Chloé Zhao hatte ursprünglich sogar ein noch düstereres Ende für den Film im Sinn, dessen Details sie kürzlich in einem Interview verraten hat: (aus dem Englischen)

Wir hatten eigentlich ein anderes Ende, das wirklich düster ist. Düster. Ich habe es nicht gehasst, weil ich an Filme gewohnt bin, die melancholisch sind. Aber ich denke nicht, dass es bei den Zuschauern gut angekommen ist.

Es endete mit allen zurück auf dem Schiff, Gedächtnisse gelöscht, unterwegs zu einem anderen Planeten, wie in der "Twilight Zone". Ich erinnere mich noch, dass sobald es vorbei war, alle meinten: "Ich weiß nicht, was ich damit anfangen soll." Und außerdem ist es das MCU, und man will sich darauf freuen, was als nächstes kommt.

Ich vermute, dass dieses pessimistische Ende bei Testvorführungen nicht gut angekommen ist und deshalb umgeschrieben werden musste. Auch die Einführung von Eros wäre beim alten Ende anders gewesen. Dass Harry Styles den Charakter aber spielen sollte, stand für Zhao von Anfang an fest, wie sie erklärte:

Um es kurz zu machen, bei diesem deprimierenden Ende sollte Eros einer der Eternals auf dem Schiff sein. Und das hat nicht ganz hingehauen. Aber ich wollte Eros ins MCU einführen.

Also habe ich es Kevin (Feige) gegenüber bei jeder Gelegenheit, die ich hatte, erwähnt, weil ich die Vorstellung liebe, dass Eros ein weiterer Eternal ist, ein weiterer Ajak. Er ist ein Eternal und er war auf Titan stationiert – zehn von ihnen waren es, genauso wie die zehn Eternals auf der Erde, davon ausgehend, dass Titan auch ein Wirtsplanet ist.

Wenn man darüber nachdenkt, welchen Einfluss hätte Eros auf die Bewohner von Titan haben können, auf die gleiche Weise, auf die Ajak die Menschen auf der Erde beeinflusst hat? Und welchen Einfluss hatte das auf Thanos?

In meinen Augen ist die Vorgeschichte von Eros, dass er desertiert ist. Er hat gesagt: "Ich mache das nicht mehr mit." Also hat er irgendwie die Kugel, die man in seiner Hand gesehen hat, in die Hände bekommen, er ist weggerannt und hat Pip den Troll erschaffen. Sie sind wie Han Solo und Chewie.

Arishem sucht ihn und er ist ein Weltraum-Outlaw. Das ist der Charakter, wie ich ihn mir vorgestellt habe. Aber ich habe nie zu Kevin gesagt: "Hier ist der Charakter. Lass uns einen Schauspieler finden." Für mich war es ein Gesamtpaket. Es musste Harry sein. So habe ich es Kevin vorgeschlagen.

Ein kontroverses Element von Eternals' Finale war Ikaris' Selbstmord. Der von Richard Madden gespielte Eternal, wandte sich aus Loyalität gegenüber den Celestials gegen seine Mitstreiter und trug Schuld an Ajaks (Salma Hayek) Tod. Letzten Endes konnte er es aber nicht über sich bringen, Sersi zu töten. Von Zerrissenheit und Schuldgefühlen geplagt, entscheidet er sich am Ende für einen Ausweg und fliegt – getreu seinem Namen – geradewegs in die Sonne. Da man Ikaris jedoch nicht sterben sieht, fragten sich einige Zuschauer, ob er doch noch überlebt haben könnte. Diese Zweifel zerstreute kürzlich Drehbuchautor Kaz Firpo, der erklärt hat, weshalb Ikaris sterben musste:

Was ist die Grenze der Belastbarkeit für einen Eternal? Wie lange dauert es buchstäblich, einen Eternal-Roboter zu brechen? Darum ging es mir immer. Er kann es nicht ertragen, sich seiner Familie zu stellen, nachdem er das getan hat, was er getan hat.

Ich denke nicht einmal, dass Ikaris glaubt, er hätte Unrecht gehabt. Ich denke, er bedauert einfach so viel. Es tut ihm sehr leid. Ich denke, es tut ihm leid, wie er sein ganzes Leben auf diesem Planeten gelebt hatte und das ist eine große Bürde. Also sagt seine Handlung wirklich: "Ich habe einen Fehler gemacht, aber ich kann mich meiner Familie nicht stellen und ich kann nicht weiterleben."

Es begann als ein Exil, was aber im Laufe der Filmentwicklung zu etwas wurde, was endgültiger sein musste. Es ist wirklich ein Moment, der sagt: "Es ist ein Opfer." Es ist eine Aussage wie: "Ich kann den Eternals nicht dienen. Wenn ich den Celestials nicht dienen kann und mit meiner Familie auch nicht zusammen sein kann, dann wähle ich die dritte Option," was für ihn wirklich diese Besinnungslosigkeit ist. Also ja, er ist tot.

Gerade für solche mutigen und ernsten sowie seine komplexen Figuren Momente mochte ich Eternals trotz seiner Makel und würde mich darüber freuen, weitere Geschichten über diese Charaktere zu sehen. Dass Eternals 2 nach der Rezeption des Erstlings und angesichts der Fülle von Marvels Kalender aktuell nicht hoch auf der Prioritätsliste des Studios steht, kann ich aber nachvollziehen.

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