"Die Sopranos"-Schöpfer löst das Serienfinale endlich auf

James Gandolfini und Edie Falco in "Die Sopranos" © 2007 HBO

Quelle: The Independent

"Die Sopranos" ist einer der größten Meilensteine der modernen TV-Ära und eins der besten Werke über die italo-amerikanische Mafia, das je gedreht wurde, ob im Film oder im Fernsehen. Der von James Gandolfini herausragend gespielte Tony Soprano der war Vorreiter solcher moralisch dubioser Serien-Protagonisten wie Vic Mackey ("The Shield"), Don Draper ("Mad Men") und Walter White ("Breaking Bad"). Kurzum: "Die Sopranos" ist ein Meisterwerk.

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So unumstritten der Platz der Serie in der Fernsehgeschichte, ihr Einfluss und ihr Vermächtnis, so polarisierend war seinerzeit das Serienfinale. Wir erinnern uns: In der allerletzten Szene sitzt die Soprano-Familie an einem Tisch im Diner, Tochter Meadow kommt spät an, Tony schaut vom Tisch hoch – und dann folgt ein Schnitt zum schwarzen Bildschirm.

Das Ende kam 2007 für die Zuschauer so abrupt, dass viele glaubten, der Sender hätte Übertragungsprobleme gehabt oder ihr Fernseher sei kaputt. Vielmehr war es ein Wagnis des Serienschöpfers David Chase, der das Ende bewusst mehrdeutig lassen wollte. Die ersten Reaktionen auf dieses Finale waren gemischt, rückblickend gilt es jedoch als eine der mutigsten und besten finalen Serienfolgen überhaupt.

Über die Bedeutung der letzten Szene wurde viel spekuliert und die am meisten verbreitete Theorie ist, dass der Schnitt Tonys Tod durch einen Auftragsmörder bedeutete. Das würde einer früheren Szene der Serie entsprechen, in der darüber gesprochen wird, dass im gefährlichen Leben eines Mafioso man häufig tot ist, bevor man den Schuss überhaupt gehört hat.

Chase hat sich immer vehement geweigert, das Geheimnis der finalen Aufnahme oder das Schicksal von Tony Soprano zu lüften. Er wich entsprechenden Fragen aus, beharrte darauf, dass er sich keine Tür für eine Fortsetzung offen lassen wollte, das Ende aber sehr bewusst offen für Interpretationen sein sollte. Falls Ihr das auch so seht, dann solltet Ihr ab jetzt nicht weiterlesen, denn in einem Interview für ein Buch über die Serie und ihr Erbe hat sich Chase offenbar verplappert und unabsichtlich das Ende erklärt. Wollt Ihr es wissen?

Ja, Tony Soprano ist tot.

Alan Sepinwall, einer der Co-Autoren von "The Soprano Sessions", meinte zu Chase: (aus dem Englischen)

Als du gesagt hast, dass es einen Endpunkt der Serie gab, meintest du nicht Tony im Holsten’s (Diner), du meintest nur "Ich denke, ich habe noch zwei Jahre an Geschichten zu erzählen".

Daraufhin meinte Chase:

Ja, ich denke, ich hatte diese Todesszene rund zwei Jahre vor dem Ende schon im Sinn… Tony sollte zu einem Treffen mit Johnny Sack in Manhattan gerufen werde, und er würde durch den Lincoln Tunnel zu dem Treffen fahren, und dort wäre der Schnitt zu Schwarz erfolgt, und man hätte ihn nie gesehen, wie er zurückfährt. Die Theorie war, dass ihm etwas Schlimmes beim Treffen wiederfahren ist. Aber wir haben das nicht gemacht.

Der Co-Autor Matt Zoller Seitz darauf:

Dir ist natürlich klar, dass du das gerade als Todesszene bezeichnet hast.

Nach einer langen Pause entgegnete Chase lediglich:

Fickt euch, Leute.

Eindeutiger als das werden wir es wohl nie bekommen. Aber auch wenn Chase mehr oder weniger zugegeben hat, dass das Ende als Tod von Tony Soprano gedacht war (ist jemand wirklich überrascht?), kann es jeder Zuschauer dennoch für sich genauso interpretieren, wie er es möchte. Das ist das Schöne an einem offenen Ende.

Als Reminder unten noch mal die Szene:

Tony Soprano wird nächsten März zurückkehren, und zwar in die Kinos. The Many Saints of Newark ist ein Prequelfilm zur Hitserie und spielt in Newark, New Jersey in den späten Sechzigern. Der Sohn des leider verstorbenen James Gandolfini, Michael Gandolfini, spielt den jungen Tony Soprano. Jon Bernthal ("Marvel’s The Punisher") spielt Tonys Vater Giovanni "Johnny Boy" Soprano, Vera Farmiga ("Bates Motel") seine junge Mutter Livia. Alessandro Nivola (A Most Violent Year) verkörpert Dickie Moltisanti, den Vater von Christopher (Michael Imperiloi) aus der Serie. Leslie Odom Jr. (Mord im Orient Express), Corey Stoll (Ant-Man), Ray Liotta ("Shades of Blue") und Billy Magnussen (Game Night) spielen weitere Rollen. Chase schrieb das Drehbuch und der häufige "Sopranos"-Regisseur Alan Taylor inszenierte den Film.

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