Das Marvel Cinematic Universe war ein präzedenzloses, ambitioniertes Experiment – und ein fulminanter Triumph. Marvel-Filme von Disney dominierten die Kinolandschaft der 2010er und machten das MCU zum mit Abstand kommerziell erfolgreichsten Film-Franchise aller Zeiten. Doch Geschmäcker ändern sich und irgendwann hatten viele Kinogänger:innen Superheldengeschichten satt. Die qualitativen Schwankungen des MCU nach Avengers: Endgame haben auch nicht gerade geholfen. Man kann es nicht schönreden: Es läuft nicht rund fürs MCU. Nicht einmal gute Kritiken konnten Thunderbolts* vor einem Kassenflop bewahren, und Fantastic Four: The First Steps war zwar ein Achtungserfolg, konnte nach einem vielversprechenden Start letztlich auch nicht die großen Hoffnungen erfüllen, die in den Film gesteckt wurden. Erstmals seit 2011 – vom Pandemiejahr 2020 abgesehen – war 2025 kein Marvel-Film unter den zehn größten Kassenhits des Jahres. Der Erfolgsdruck, der dieses Jahr auf Spider-Man: Brand New Day und Avengers: Doomsday lastet, ist groß.
Doch inmitten einiger Enttäuschungen und einiger Flops gab es auch einen glänzenden Ausreißer, der bewies, dass die sogenannte "Superhelden-Fatigue" nicht universell gilt: Ausgerechnet der erste R-rated-Film des MCU, Deadpool & Wolverine, räumte vorletztes Jahr massiv an den Kinokassen ab und war erfolgreich in einer Größenordnung, wie Marvel sie nur von Black Panther und den Avengers-Filmen kannte. Weltweit spielte die Liebeserklärung an die Fox-Ära der X-Men mehr als 1,3 Milliarden US-Dollar ein – und damit nur unwesentlich weniger als die ersten beiden Deadpool-Filme zusammen! In den USA war tatsächlich kein Film mehr erfolgreicher als Deadpool & Wolverine seit dessen Veröffentlichung im Juli 2024.
Es wäre naheliegend zu glauben, dass Marvel nach diesem fulminanten Erfolg Deadpool als eine der wichtigsten Säulen des MCU sehen würde, wie Spider-Man oder, früher, Iron Man. Es gibt jedoch ein nicht unwesentliches Problem: Deadpool ist nicht Spider-Man oder Iron Man, sondern ein entschieden nicht-jugendfreier, politisch inkorrekter Meta-Antiheld. Genau das lieben die Fans an ihm. Wie man diesen Aspekten des Charakters gerecht wird und ihn dennoch mit dem an ein Familienpublikum gerichteten MCU vereinbaren kann, ist eine Frage, über die die Chefetage von Marvel Studios sicherlich schon nächtelang gegrübelt hat. Über einen Auftritt von Deadpool in Avengers: Doomsday oder spätestens in Avengers: Secret Wars wird schon lange gemunkelt, offiziell ist aber noch nichts. Zumindest ein vierter Deadpool-Film scheint unausweichlich, doch Reynolds warnte zum Start von Deadpool & Wolverine davor, das nächste Sequel in absehbarer Zeit zu erwarten.
Eineinhalb Jahre später scheint etwas Bewegung in die Sache zu kommen. Ein Bericht des Insider-Portals Puck News über die gerichtliche Schlammschlacht zwischen Justin Baldoni und Reynolds' Ehefrau Blake Lively, die mit Baldoni Nur noch ein einziges Mal drehte, enthüllte, dass Reynolds seinen Fokus aktuell auf den nächsten Deadpool-Film richtet, damit das Publikum ihn bald wieder in der Rolle sehen kann, in der es ihn liebt. Er soll mit dem ersten Skript-Entwurf zu Deadpool 4 angefangen haben. Einem früheren Gerücht zufolge könnte es sich dabei um einen X-Force-Film handeln. Die Antihelden-Truppe wurde bereits in Deadpool 2 eingeführt – nur um daraufhin sofort zu sterben. Möglicherweise gibt der vierte Deadpool-Film ihr eine zweite Chance.
Ob Shawn Levy als Regisseur und Rhett Reese und Paul Wernick als Co-Autoren von Deadpool 4 zurückkehren werden, ist noch unklar. Wir wissen auch noch nicht, wie der Film in die künftigen MCU-Pläne passen wird. Vor Avengers: Secret Wars – und damit vor 2028 – ist er mit Sicherheit nicht zu erwarten.
Quelle: Puck News












