Hobbs-&-Shaw-Star Jason Statham im Interview: “Cheat Days sind für Weicheier!”

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Jason Statham Interview
ÜBERBLICK DER REZENSIONEN

© 2019 Universal Pictures

Vom professionellen Wasserspringer zu einem der erfolgreichsten Actiondarsteller der Welt. So lässt sich die Karriere von Jason Statham knapp zusammenfassen, doch es lohnt sich auch ein genauerer Blick auf seinen Werdegang. Zwölf Jahre lang war der passionierte Fußballspieler und Schwimmer als Wasserspringer Teil des britischen Nationalkaders. Bevor Guy Ritchie ihn entdeckte und in seinem Kultfilm Bube, Dame, König, grAS besetzte, arbeitete Statham gelegentlich als Model und trat in Werbespots auf. Die Kollaboration mit Ritchie (später auch bei Snatch – Schweine und Diamanten und Revolver) öffnete für Statham die Türen, doch es waren seine Martial-Arts-Kenntnisse, seine Athletik und sein harter-Kerl-Charisma, die ihm die Hauptrolle in Luc Bessons Produktion Transporter eingebracht und ihn 2002 weltweit als neuen großen Star des Actionkinos bekannt gemacht haben.

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Die nächsten zehn Jahre verbrachte er hauptsächlich in Filmen, die fast zu einem eigenen Subgenre wurden: dem Jason-Statham-Actioner. Filme wie Crank, Death Race, The Mechanic, Killer Elite und Safe erfreuten sich großer Beliebtheit unter Genrefans. Größeren kommerziellen Erfolg feierte er als Teil des Ensembles in Stallones The Expendables. Doch es war seine Besetzung als Schurke Deckard Shaw in Fast & Furious 7, die ihm seinen ersten Megablockbuster eingebracht hat. Neben dem Auftritt im Sequel, dann wieder auf der Seite der (fast) Guten, durfte er letztes Jahr erstmals die alleinige Hauptrolle in einem großen Blockbuster spielen – MEG. Auch der Film über den prähistorischen Riesenhai wurde zu einem großen Kassenhit, an dessen Fortsetzung bereits gearbeitet wird. Nach langer harter Arbeit war Jason Statham wirklich ganz oben angekommen.

Vergangenes Wochenende eroberte er mit Fast & Furious: Hobbs & Shaw (unsere Kritik) an der Seite von Dwayne Johnson die weltweiten Kinocharts. Die Stathamania ist größer denn je. Ich habe Jason Statham anlässlich des Kinostarts von Hobbs & Shaw zu einem ausführlichen Interview getroffen. Der Schauspieler, der nichts von seinem rauen Charme eingebüßt hat, sprach mit mir über gefährliche Stunts, seine Chemie mit Dwayne Johnson, seine anderen Franchises und eine grauenvolle und prägende Nahtoderfahrung, die er am Set von The Expendables 3 durchlebt hat.

Filmfutter: Also, wie ist es, einen Helikopter an der Leine zu führen?     

Jason Statham: Tja, ich gewähre dir einen kleinen Einblick – es waren Computereffekte. (lacht) Es gab eine große Windmaschine und wir saßen in einem Truck ohne Räder. Es gibt einen wirklich sehr frustrierten Teil von mir, der es hasst, CGI- und Greenscreen-Stunts zu drehen. Aber sie sind notwendig. Sie sind die am wenigsten aufregenden Szenen beim Dreh, aber die beeindruckendsten für die Zuschauer. Aber für mich sind sie die langweiligsten.

FF: Was durftest Du dann selbst machen? Was ist real, was ist CG?

JS: Es ist eine lange Liste für beides. Aber Vieles wurde direkt mit der Kamera aufgenommen. (Regisseur) David Leitch ist jemand, dessen Wunsch, so viel wie es geht direkt mit der Kamera aufzunehmen, ich sehr schätze. Er ist ein ehemaliger Stuntman und Second-Unit-Regisseur. Ich habe mit ihm zuvor schon an vier oder fünf Filmen gearbeitet. Ich kenne ihn als einen Stuntman. Er ist wirklich der Kerl, der möglichst viel echt haben will. Von all den Filmen, die ich für das Fast-&-Furious-Franchise gedreht habe, war das derjenige, bei dem am meisten direkt beim Dreh und nicht später am Rechner entstanden ist.

Hobbs and Shaw Jason Statham Interview 1FF: Aber er bringt auch einen größeren Comedy-Aspekt mit rein, wie er das schon in Deadpool 2 tat. Sogar John Wick hatte humorvolle Elemente.

JS: Ich finde das großartig. Ich denke, dass das Fast-&-Furious-Franchise keinen Raum dafür hatte, was wir in Hobbs & Shaw machten. Deshalb wollten sie einen Ableger machen und den Fans eine neue Dimension gönnen, eine neue DNA und neue Schichten für die beiden Charaktere Hobbs and Shaw. Es gibt so viele Figuren in Fast & Furious, dass man nicht die Gelegenheit hat, den Zuschauern jeweils mehr von ihnen separat zu zeigen, abgesehen von einer Szene hier und einer Szene da. Ich denke, der Appetit für das, was wir gemacht haben, war vorhanden. Es gab entsprechendes Feedback von den Testvorführungen. Die Zuschauer mochten es, wenn Dwayne und ich uns gestritten haben. Sie liebten die Bromance. Je mehr wir uns hassten, desto mehr liebten sie es.

FF: Offensichtlich haben das Studio und die Produzenten die Chemie zwischen Euch beiden erkannt. Aber wann ist sie Euch selbst aufgefallen?

JS: Wenn man diese Szenen gemeinsam dreht, merkt man, dass da etwas ist. Wir haben viel gelacht. Wir gehen einander heftig an in unseren Szenen, aber wenn die Kamera nicht mehr läuft, ist es lustig, denn natürlich sind wir nicht so zueinander. Es fiel uns sehr leicht. Als wir Teil 8 drehten, gab es die Gelegenheit, ein kleines Stück am Ende des Films zu drehen, eine Abspannszene. So wie das erste Mal, als mein Charakter am Ende von Teil 6 eingeführt wird. Der Film ist eigentlich vorbei und dann ruft Deckard Shaw Dom an und sagt zu ihm: “Du weißt nicht, wer ich bin, aber du wirst es bald herausfinden.” Sie wollten auch eine solche Szene am Ende von Fast & Furious 8 einfügen. Dwayne Johnson und ich kreisen umeinander in einer Garage, um dieses Ding endlich zu klären. Ich habe ihn im siebten Film aus dem Fenster geworfen und für mich war es ein Sieg, aber er sieht es natürlich anders. Also wollen wir das ein für alle Mal entscheiden. Wir hatten diesen tollen Dialog und verbalen Schlagabtausch. Alle Studioleute liebten die Szene, aber sie hat es nie in den Film geschafft, weil sie nicht so gut reinpasste. Stattdessen haben sie einfach einen ganz neuen Film mit uns beiden gemacht. (lacht) Wir haben uns darauf eingelassen und ich denke, es hat gut geklappt, weil die Chemie stimmt.

Hobbs and Shaw Jason Statham Interview 2FF: Wenn ich Hobbs und Shaw Seite an Seite kämpfen sehe, erinnern sie mich ein wenig an Bud Spencer und Terence Hill. A großer, massiger Kerl und ein eher athletischer, agiler Typ.

JS: Ich habe noch nie von den beiden gehört.

FF: Sie sind zwei ikonische italienische Stars, die mehrere Dutzend Actionkomödien zusammen gedreht haben und sehr berühmt in Deutschland sind.

JS: Oh, wow, ich komme mir blöd vor, weil ich sie nicht kenne.

FF: Dwayne Johnson ist für sein sehr strenges Fitnessprogramm bekannt. Er steht laut eigener Aussage um 4:30 morgens auf und geht ins Fitnessstudio. Bist Du mit ihm mitgegangen?

JS: Pfannkuchen sind doch nicht streng! Er isst Riesenstapel von Pfannkuchen!

FF: Ein Cheat Day vielleicht?

JS: Niemand hat einen Cheat Day! Cheat Days sind für Weicheier! Lass mich das klarstellen: Während er Pfannkuchen isst, ackere ich im Fitnessstudio.

FF: Vin Diesel spricht immer von dieser großen Fast-&-Furious-Familie. Gab es Spannungen oder gestörte Harmonie in dieser Familie, nachdem bekannt wurde, dass Ihr beide einen eigenen Film bekommt?

JS: Nein, ich denke nicht. Man könnte eigentlich zwei beliebige Charaktere aus dem Franchise nehmen und einen Film mit ihnen machen. Ich denke, so ist es auch geplant. Mit den Mädels, mit Tyrese (Gibson). Die Abspannszene, die wir für Teil 8 drehten, war direkt unter deren Nase, also haben sie diesen Film gemacht. Wir versuchen auf keinen Fall, das Fast-&-Furious-Franchise zu unterminieren. Unser Film legt einfach den Fokus auf einen Tag aus dem Leben dieser beiden Kerle. Es ist wie ein Zweig eines Baumes. Wir wollen dem Fast-Universum Respekt erweisen und ich denke, das ist uns gelungen.

FF: Aber Ihr seid im neunten Film nicht dabei, oder?

JS: Wir haben erst kürzlich diesen Film beendet und sie drehen bereits Teil 9. Ich schätze, es wäre ein Hobbs-und-Shaw-Overkill, wenn wir darin auch noch auftauchen würden. (lacht)

Hobbs and Shaw Jason Statham Interview 3FF: Bist Du es irgendwann leid, Actionszenen zu drehen? Immer schießen, rennen, Leute verprügeln…

JS: Nee, es ist ein Riesenspaß. Meine Lieblingsleute am Filmset sind die Stuntleute. Meine Gelegenheiten, mit diesen Leuten zusammenzuarbeiten, sich etwas zu überlegen, bereiten mir echt viel Spaß. Wenn man es richtig hinbekommt, dann hat man wirklich das Gefühl, etwas erreicht zu haben. Man bringt sich an seine Grenzen und versucht, das Timing richtig hinzubekommen. Alle kreativen Elemente kommen zusammen. Zum Glück waren Dwayne und ich auch Produzenten bei diesem Film. Man hat dann einen großen kreativen Input: man arbeitet mit den Autoren zusammen und mit anderen Abteilungen. Es ist faszinierend.

FF: Wird es mit dem Alter schwieriger, diese Szenen zu drehen?

JS: Ich bin zwar nicht der Jüngste, aber ich denke, dass ich der jüngste bin! Ich denke, es ist ein Bewusstseinszustand. Wenn der Körper in Form ist und man sich bewegen kann, welchen Unterschied macht es aus, wie alt man ist? Ich kenne Leute meines Alters, die kaum eine Tasche in den Zug hochheben können. Sie sind körperlich einfach unfähig. Und dann gibt es Leute, die viel älter sind als ich, die Marathons laufen, an Triathlons teilnehmen, Gewichte stemmen oder Martial Arts trainieren. Das Alter ist irrelevant: es kommt nur darauf an, wie gut man funktioniert.

FF: Bist Du dennoch irgendwann an einem Punkt in Deinem Leben angekommen, an dem Du dachtest, dass Du weniger riskieren möchtest?

JS: Wir können die Risiken unserer Arbeit gut einschätzen. Natürlich versuchen wir immer, möglichst sicher zu sein. Uns ist sehr bewusst, was wir da machen. Aber mir fällt trotzdem eine bestimmte Situation bei Mechanic: Resurrection ein, als ich einen Stunt beim Dreh in Thailand gemacht habe. Ich musste laufen und von einem höheren Deck eines Boots in ein Schlauchboot auf dem unteren Deck springen. Während ich in der Luft war, musste ich mich drehen, meine Waffe abfeuern und im Boot landen. Die Dichte des Schaumstoffs im Schlauchboot war zu hart und sie konnten keine andere Polstermatte vom Festland bringen, weil es zu weit war und die Sonne unterging. Also war die Frage, ob ich den Sprung selbst ausführe, oder ihn einem Stuntman überlasse. Für mich war es eine einfache Sache, eine gymnastische Bewegung, eine einfache Hüftendrehung in der Luft. Wir haben die Szene fünf- oder sechsmal wiederholt. Als ich den Kopf nach vorne richtete, um den Kerl zu erschießen, und mein Körper drei Meter tiefer aufschlug, konnte ich spüren, wie mein Hals jedes Mal zurückgeworfen wurde. Ich habe diese Entscheidung teuer bezahlt. Es dauerte gut zehn Monate, bis mein Hals wieder ganz war. Wenn das Weichgewebe echten Schaden nimmt, dauert es lange, bis es sich erholt. Das sind die Augenblicke, in denen man die Stunts hinterfragt, die man selbst ausführt.

Auf Seite 2 geht es weiter mit einem Update zu nächsten The-Expendables– und MEG-Sequels. Außerdem erzählt Jason Statham ausführlich von seiner furchteinflößenden Erfahrung am Set von The Expendables 3, die ihm beinahe das Leben kostete.