Alien – Wie eine Filmikone ihre Richtung verlor

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ÜBERBLICK DER REZENSIONEN

Wie schon bei seiner Rückkehr 2012 nahm Ridley Scott auch bei seinem nächsten Alien-Film wieder Platz im Regiestuhl. Nach fünf Jahren wurde der nächste Teil der Reihe von den Fans natürlich sehnlichst erwartet, besonders nach den vielen Fragen, die in Prometheus – Dunkle Zeichen unbeantwortet zurückgelassen wurden. Der insgesamt sechste Teil der Reihe hatte jedoch mit einigen Produktionsschwierigkeiten zu kämpfen und unterlief mehrere Titel- und Drehbuchänderungen. Vom ursprünglichen Titel Prometheus 2 wanderte man zu Alien: Paradise Lost und blieb letztendlich bei Alien: Covenant hängen. Während diesem Prozess gab es auch diverse Änderungen an der Handlung, was dem Film merklich nicht gut getan hat.
Der Film schreibt das Jahr 2104 und das Raumschiff Covenant ist auf dem Weg zum Planeten Origae-6, um diesen mit mitgeführten Embryos zu besiedeln. Mitten im All empfängt die Crew jedoch den entfernten Funkspruch einer Frau, woraufhin sie diesen zurückverfolgen und einen Planeten entdecken, der der Erde ähnelt und die perfekten Lebensbedingungen bietet. Ein Teil der Besatzung landet auf dem neu entdeckten Planeten und erkundet dessen Oberfläche. Sie finden ein abgestürztes Raumschiff, doch einige der Forscher werden von Sporen infiziert, die sich in den Pflanzen des ominösen Planeten befinden. Die Folge dessen ist, dass sich in ihren Körpern ein Lebewesen heranbildet, das nach kurzer Zeit blutig und schleimig aus ihnen herausbricht. Mitten in diesem Chaos erscheint der Androide David, den wir bereits aus Prometheus – Dunkle Zeichen kennen und rettet die verbliebene Bodencrew, doch es stellt sich schnell heraus, dass dieser keine langfristige Hilfe sein wird.

Die verschiedenen Thematiken von Alien: Covenant sind zugegeben sehr vielfältig, besonders im späteren Verlauf des Films, wenn der Android David näher beleuchtet wird. Dieser hat über die Jahre auf dem Planeten eine Art Gottkomplex entwickelt, gepaart mit einem Schöpfungsdrang. Doch gerade dieser Schöpfungsdrang ist der größte Kritikpunkt, bzw. die größte Frechheit am Alien: Covenant.

Alien Covenant deutscher Trailer

VORSICHT! Der nächste Abschnitt enthält massive Spoiler zu Alien: Covenant

Der Schöpfungsdrang des Androiden David zeigt sich darin, dass er derjenige ist, der der die Aliens erschaffen hat. Durch seine zahlreichen Experimente hat er die Neomorphe erschaffen, sozusagen das Vorgängermodel des späteren Xenomorph, um die ihm verhasste menschliche Rasse auszumerzen. Natürlich hat auch das „richtige“ Alien seinen Auftritt, doch wieso muss die Entstehungsgeschichte dieses Monsters so detailliert dargestellt werden? Während in Aliens – Die Rückkehr der Kosmos der außerirdischen Wesen nur um eine Königin erweitert  wird, entmystifiziert Alien: Covenant alles, was die Geschichte des Wesens ausmachte. In Alien – Das unheimliche Wesen aus einer fremden Welt ist es nicht nur die brutale und kalkulierte Vorgehensweise der Kreatur, die sie so außergewöhnlich macht, sondern auch ihr geheimnisvoller und mystischer Ursprung. Warum also entscheidet man sich dazu, diese wichtige Komponente restlos zu streichen und jeden noch so kleinen Aspekt der Entstehungsgeschichte des Aliens zu zeigen, ohne auch nur die kleinste Mystik dabei zu bewahren? Hinzu kommt, dass die Sporen, die Teile der Mannschaft auf dem Planeten befallen haben, dafür verantwortlich waren, dass die Neomorphe sich in den Körpern der Menschen einnisten und letztendlich in ihnen schlüpfen können. Will uns Scott damit nun sagen, dass die Urform der Aliens über die Luft übertragen werden kann, als eine Art Pestizid? Warum wird der Ursprung dieser Wesen so seltsam, fast schon lächerlich dargestellt? Wieso muss deren Entstehungsgeschichte haarklein gezeigt und umschreiben werden, sodass nahezu keinerlei Raum für eigene Spekulationen und Interpretationen bleibt? Alien: Covenant ist zwar die Entstehungsgeschichte des Aliens, zugleich ist es aber auch dessen Niedergang. Die Mystik um das einstmalst geheimnisvolle tödliche Wesen ist unwiderruflich dahin und auch in den potentiellen Nachfolgern wird man sich trauriger weise wieder an die lächerliche Ursprungsgeschichte des Monsters erinnern.

Ende des Spoilerabschnitts zu Alien: Covenant

Was man Scotts neustem Alien-Teil jedoch zugutehalten muss, ist, wie schon bei Prometheus – Dunkle Zeichen, wieder einmal die optische Stärke des Films, als auch die Schauspieler, allen voran erneut Michael Fassbender. Doch das war nahezu schon alle positiven Aspekte, die man an Ridley Scotts neustem Film finden kann, schließlich hat er mit der weitläufigen Entmystifizierung einen Teil seines eigenen Universums zerstört und sich damit selbst ins Bein geschossen. Hinzu kommt, dass andere Handlungsstränge, wie bspw. der der Konstrukteure aus Prometheus – Dunkle Zeichen nur unbefriedigend aufgelöst werden und das Publikum teilweise mit noch mehr Fragen zurücklassen. Zugleich beantwortet Alien: Covenant aber auch Fragen, die nie gestellt worden sind, bzw. deren Antwort niemals so detailliert ausfallen sollte.

In Scotts neustem Alien-Teil zeigt sich ein Problem, das sich die nahezu alle Filme der Reihe teilen. Die Filme, allen voran Prometheus – Dunkle Zeichen und Alien: Covenant, versuchen krampfhaft ein Universum aufzubauen, bestehend aus philosophische und religiösen Elementen. Während der erste Film noch ein reinrassiger Horrorfilm war, der subtil existenzielle Fragen aufwarf, probiert man nun verstärkt den letzten Punkt weiter auszubauen, was sich jedoch schlicht nicht mit der Reihe verträgt.

Auch tonal entfernt sich Scott neuster Film von seinen ursprünglichen filmischen Wurzeln und kommt nicht im Entferntesten an die Qualität eines Alien – Das unheimliche Wesen aus einer fremden Welt heran. 2012 hatte sich Scott mit seinem Prequel zwar im Ton schon umorientiert und eine kalte, fast schon unterkühlte Atmosphäre und steril anmutende Welt erschaffen, die jedoch weder den Charme, noch die Klasse seines Ursprungsfilm hat. Dieser Schiene bleibt Scott (leider) treu, was zur Folge hat, dass sein neuster Alien-Teil wirkt, als ob er sich absichtlich von den vorherigen und deutlich besseren Filmen distanzieren wollte. Ohne die namensgebenden Wesen und in einem abgeänderten Science-Fiction Setting wäre es sicherlich ein Erfolg geworden, auch wenn Scott in seiner späten Karriere diesen nur noch selten hatte.

Während Königreich der Himmel (2005) und Der Marsianer – Retter Mark Watney (2015) noch Achtungserfolge waren,  schädigten Filme wie The Counselor (2013), Robin Hood (2010), Exodus: Götter und Könige (2014) und Alien: Covenant (2017) seinen Ruf als legendären Regisseur. Vielleicht liegt es an seinem fortgeschrittenen Alter von mittlerweile fast 80 Jahren, dass er nicht mehr an seine Filme aus alten Tagen anknüpfen kann, doch auch Clint Eastwood und Stanley Kubrick konnten im hohen Alter noch mit ihren Werken überzeugen.

Vielleicht wäre es an der Zeit, das orientierungslose Raumschiff namens Alien (haha, was für ein Wortspiel) an einen anderen Kapitän zu übergeben, doch dieser Versuch wurde bereits zunichte gemacht. Der südafrikanisch/ kanadische Regisseur Neill Blomkamp hatte 2009 mit seinem intelligenten Science-Fiction Film District 9 die Aufmerksamkeit der Filmwelt auf sich gezogen und 2015 postete der Regisseur auf Instagram mehrere Konzeptzeichnungen, die sowohl den Xenomorph, als auch Ripley zeigten. Die Zeichnungen hatten Potential und später verkündete der Regisseur, dass er an einem Alien-Teil arbeite, der den umstrittenen dritten und vierten Teil storytechnisch von vornherein komplett ausklammern wollte.

Obwohl Blomkampf mit Elysium (2013) und Chappie (2015) nicht mehr an die positiven Kritikerstimmen eines District 9 heranreichen konnte, war die Möglichkeit eines Alien-Films mit ihm in der Regie durchaus reizbar und hätte die Reihe in neue Höhen bringen können.
Doch nach den Veröffentlichungen von Blomkamps Ideen und dessen Plänen mit dem Alien-Franchise wurde prompt Alien: Paradise Lost angekündigt. Auffällig ist natürlich, dass wieder der Zusatz Alien im Titel enthalten ist, wodurch ein weiterer alleinstehender Titel wie Prometheus nicht mehr zustande kam. Scott machte zudem keine Anstalten, Blomkampf in seiner Umsetzung zu unterstützen und äußerte sich in einem Interview mit IGN folgendermaßen zu dem angedachten Projekt: „I don’t really give a shit.“ Die Reaktion des legendären Regisseurs wirkt wie die eines kleinen Kindes, dessen Spielzeug man wegnimmt, weil es nicht mehr mit ihr spielen will. Kaum hat jemand anderes einen potentiellen Ansatz, der Reihe endlich wieder einen qualitativ guten Teil hinzuzufügen, greift Scott sich wieder das Ruder und fährt wieder in seine Schiene mit pseudoreligiösen Metaebenen und unnötigen Aufklärungen. Neill Blomkamp hätte der Heilsbringer für die einstmalst grandiose Filmreihe sein können, doch leider werden sowohl Fans, als auch Kritker nie erfahren, was daraus hätte werden können.

Bricht man die Alien-Reihe herunter, bleiben letztendlich drei gute Filme übrig. Alien – Das unheimliche Wesen aus einer fremden Welt, Aliens – Die Rückkehr und Prometheus – Dunkle Zeichen, wobei ich letzteren gerne aus dieser Gleichung herausnehmen möchte, da er so eng verbunden ist mit Alien: Covenant, dass er nicht oder kaum für sich alleine stehen kann. Ob nun Alien 3 oder Alien: Resurrection das bessere Sequel ist, sei dahingestellt, doch klar ist, dass keine der beiden an die ersten zwei Filme heranreichen kann. Zu viele Regisseure haben sich an der Reihe versucht und während der erste Regisseurswechsel mit James Cameron noch ein voller Erfolg war, haben Filmemacher wie David Fincher und Jean-Pierre Jeunet der Reihe eher geschadet, auch wenn diese Meister ihres Fachs sind. Selten war das Sprichwort „Viele Köche verderben den Brei“ angebrachter, wie an dieser Stelle. Und als Chefkoch Ridley Scott wieder den Versuch unternahm, den Kochlöffel zu schwingen, hatte er offensichtlich sein altes Rezept verlernt.

Was bleibt, ist Alien – Das unheimliche Wesen aus einer fremden Welt, einer der besten Horrorfilme aller Zeiten und Aliens – Die Rückkehr, was das mitunter Beste ist, das man im Actiongenre finden kann. Auch wenn Potential vorhanden ist, den Rest kann man getrost unter den Teppich kehren.