Zur Freude einiger und sehr zum Verdruss anderer dreht Uwe Boll seit zwei Jahren wieder Filme. Sein Comeback mit dem Polizeidrama First Shift war noch erstaunlich zurückhaltend und bodenständig, doch es hat nicht lange gedauert, bis der Meisterprovokateur zu seinen alten Tricks zurückkehrte und nun gegen das System wütet, das sich ihm in den Weg stellt.
Bolls neuester Film wandelt auf den Spuren von kontroversen Selbstjustiz-Actionthrillern wie Ein Mann sieht rot und Death Sentence und war schon von Anfang an auf Kontroverse ausgelegt, als Boll ihm den Titel The Dark Knight gab, vermutlich wohlwissend, dass Warner Bros. not amused darüber sein würde und die Reaktion zusätzliche mediale Aufmerksamkeit einbringen würde. Es kam wie erwartet: Warner meldete sich bei Boll und er benannte den Film in Citizen Vigilante um. Armie Hammer (Tod auf dem Nil) spielt in dem Film einen Mann namens Sanders, der den Glauben an das Rechtssystem verliert und das Gesetz in die eigenen Hände nimmt, um Kriminelle auf eigene brutale Weise zur Strecke zu bringen. Die Öffentlichkeit feiert ihn als Helden, Interpol-Agent Henry, gespielt vom Saw-Star Costas Mandylor, sieht ihn als Bedrohung für die Gesellschaft und jagt ihn mit allen Mitteln.
In den USA und in Kanada wird Citizen Vigilante am 19. Juni in ausgewählten Kinos und via Video-On-Demand erscheinen. Dazu gibt es auch schon einen Trailer, der ein wenig wie ein inoffizielles Sequel zu Bolls Rampage-Reihe anmutet. Schaut rein:
Die deutsche Veröffentlichung des Films steht jedoch vor einer Hürde: Die FSK verweigerte Citizen Vigilante bereits zweimal die Prüfung. Das verriet Boll auf seinem YouTube-Kanal und versprach in der typisch wütenden Boll-Manier, weitere Artikel und einen Podcast zu dieser "totalen Kulturzensur" zu veröffentlichen. Für Boll geht es jedoch nicht nur um künstlerische Freiheit, sondern auch um das eigene Geld. Davon steckte er nämlich einiges in Citizen Vigilante und braucht Deutschland als wichtigen Markt für die Refinanzierung. Selbstjustiz-Filme hatten es bei der FSK nie leicht und in Citizen Vigilante ist es die Szene einer Massenvergewaltigung einer Frau durch Migranten, die den Anlass zur Beanstandung bildet. Wären es Nazis, die eine Migrantin vergewaltigen, so vermutet Boll, wäre er dafür mit dem Bundesfilmpreis ausgezeichnet worden, jedoch war es Boll wichtig, die tatsächlichen Kriminalstatistiken widerzuspiegeln.
So wenig ich von reißerischen, populistischen Darstellungen wie diesen halte, stimme ich Boll in einem Punkt zu, und zwar, dass es schlichtweg absurd ist, dass die FSK hierzulande noch vorschreibt, was volljährige Menschen sehen dürfen und was nicht. Das letzte Kapitel der Saga von Citizen Vigilante in Deutschland ist jedoch sicherlich noch nicht geschrieben und über den einen oder anderen Weg wird der Film noch Bolls hiesige Fangemeinde früher oder später erreichen.















