Es gab in den letzten Jahren keine märchenhaftere Comeback-Geschichte in Hollywood als die von Brendan Fraser. Nach dem Erfolg von Die Mumie, in dem Fraser mit seiner humorvollen, actionreichen Performance Harrison Fords Indiana Jones alle Ehre machte, sah es Anfang der 2000er ganz danach aus, als würde er der nächste große Superstar werden. Doch ein sexueller Übergriff des damaligen Präsidenten der Hollywood Foreign Press Association bei der Golden-Globe-Verleihung 2003 löste eine persönliche Krise bei Fraser aus, die in einer Scheidung und schweren Depressionen gipfelte.
Seine letzten Kinoerfolge feierte er 2008 mit Die Mumie: Das Grabmal des Drachenkaisers und Die Reise zum Mittelpunkt der Erde und verschwand danach mehr als zehn Jahre lang mehr oder weniger in der Versenkung. In der Zeit trat er nur sporadisch in Fernsehserien und einigen wenig erfolgreichen Filmen auf. Erst die Besetzung in Darren Aronofskys Drama The Whale machte die Filmwelt 2022 wieder auf ihn aufmerksam. Mit Herzblut verkörperte er die Rolle des extrem fettleibigen Englischlehrers, der versucht, die Beziehung zu seiner entfremdeten Tochter zu reparieren. Fraser gewann mit dem Film als erster Kanadier überhaupt den Hauptdarsteller-Oscar, und obwohl ich weder den Film besonders mochte noch die Performance – verglichen zu der Konkurrenz – herausragend fand, ist es unmöglich, dem grundsympathischen, stets bodenständig wirkenden Fraser diesen Erfolg nicht zu gönnen. Es war die größte Chance seines Berufslebens und er hat sich mit Leib und Seele darauf gestürzt.
Seit The Whale steht Fraser in Hollywood wieder hoch im Kurs und wird demnächst sogar – vermutlich nach einem Zwischenstopp im Fitnessstudio – als Rick O’Connell in Die Mumie 4 zurückkehren. Seine erste Hauptrolle seit dem Oscarsieg spielte er bereits letztes Jahr in der viel zu wenig beachteten Tragikomödie Rental Family. In dem Film verkörperte er den US-amerikanischen Schauspieler Phillip Vanderploeg, der in Japan lebt und sich nach einem erfolgreichen Zahnpasta-Werbespot mit kleinen Rollen über Wasser hält, bis er eines Tages ein ungewöhnliches Angebot erhält: Als Angestellter einer "Rental Family"-Agentur soll er für seine Kunden in unterschiedliche Rollen schlüpfen: Mal soll er den Verlobten einer heimlich lesbischen Frau spielen, mal einen Journalisten, der einen demenzkranken Schauspieler im Ruhestand interviewt, und mal den Vater eines halbjapanischen Mädchens. Nach anfänglichen Schwierigkeiten geht Philip in seinen Rollen auf und entwickelt eine emotionale Bindung zu seinen Klienten, sieht aber auch die Schattenseiten der Familie-auf-Zeit-Industrie.
Geschrieben und inszeniert von Hikari, der japanischen Regisseurin, die an Serien wie "Beef" und "Tokyo Vice" gearbeitet hat, ist Rental Family eine einfühlsame Culture-Clash-Komödie über ein kurioses, aber sehr reales Geschäftsmodell aus Japan, das die Bedeutung von zwischenmenschlichen Beziehungen beleuchtet. Trotz positiver Kritiken spielte Rental Family letztes Jahr keine Rolle im Oscar-Rennen und wurde hierzulande nur von rund 100.000 Zuschauer:innen im Kino gesehen. Seit gestern ist der Film bei Disney+ im Abo verfügbar und wer Feelgood-Komödien mit etwas Anspruch mag oder ein Interesse an den Eigenheiten der japanischen Kultur hat, sollte auf jeden Fall reinschauen.
Hier ist der deutsche Trailer zu Rental Family:
Quelle: Disney+ Deutschland














