28 Years Later: The Bone Temple (2026) Kritik

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28 Years Later: The Bone Temple, GB/USA 2026 • 109 Min • Regie: Nia DaCosta • Drehbuch: Alex Garland • Mit: Ralph Fiennes, Jack O’Connell, Alfie Williams, Erin Kellyman, Chi Lewis-Parry • Kamera: Sean Bobbitt • Musik: Hildur Guðnadóttir • FSK: ab 18 Jahren • Verleih: Sony Pictures • Kinostart: 15.01.2026 • Deutsche Website

In „28 Years Later: The Bone Temple“ knüpft Nia DaCosta direkt da an, wo Danny Boyles erfolgreicher Vorgänger geendet hat. Anders als der Oscar-Preisträger, verzichtet die „Candyman“-Regisseurin auf eine allzu verspielte Inszenierung und einen hippen Originalsoundtrack. Während Boyle in „28 Years Later“ die relativ dünne Vorlage von Alex Garland zumindest in einen visuellen Wirbelwind verwandeln konnte, treten bei „The Bone Temple“ die inhaltlichen Schwächen infolge der konventionellen Umsetzung leider deutlicher zu Tage. In ihren besten Momenten ist diese Fortsetzung eine überaus grausame Abhandlung über ideologische Verblendung und Führerkult. Dazwischen finden sich allerdings leider ebenso lange Passagen, die in einem Durcheinander aus Belanglosigkeit und Albernheit dahindümpeln.

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Tatsächlich steigt „The Bone Temple“ direkt mit der intensivsten und schockierendsten Szene des gesamten Films ein: Spike (Alfie Williams) muss auf bittere Weise erkennen, dass er sich von Jimmy (Jack O’Connell) und seinen Teletubbie-Satanisten besser hätte fernhalten sollen. Bei einem Aufnahmeritual wird er gezwungen, gegen einen der sogenannten „Jimmys“ im Messerkampf anzutreten, bis er oder sein Kontrahent tot ist. Messerattacken sind leider in der realen Gegenwart ein wachsendes Problem, das DaCosta hier in passend drastischen Bildern einfängt. Elendig und um Hilfe flehend wird der Verlierer auf dem Boden einer heruntergekommenen Halle verbluten. Nichts daran ist anziehend oder cool – es ist ein menschliches Leben, das völlig grundlos mit nur einem Stich ausgelöscht wird.

Mit spürbar weniger Zombie-Action (oder für die peniblen Leser: Infizierten-Action) legt dieser Mittelteil einer geplanten Trilogie seinen Fokus auf die Bestialität, die nicht erst durch ein Virus getriggert wurde, sondern schon immer in der menschlichen Psyche geschlummert hat und sich in eiskalter Berechnung anstelle von hitziger Rage manifestiert. Die Taten der „Jimmys“ übersteigen das brachiale Herausreißen von Köpfen durch die Alphas. Mit sadistischer Freude häuten sie Unschuldige bei lebendigem Leib, um ihre Schreckensherrschaft auszuweiten.

„The Bone Temple“ pendelt zwischen den Streifzügen der farbenfrohen Sekten-Gang und einer Rückkehr zu dem von Ralph Fiennes verkörperten Dr. Kelson, der auf seinem weitläufigen Memento-mori-Gelände eine Beziehung zu dem mächtigen Alpha Samson (Chi Lewis-Parry) entwickelt. Ähnlich wie Dr. Logan mit dem rudimentär intelligenten Zombie Bub in George A. Romeros „Day of the Dead“, erkennt auch Kelson in dem barbarischen Hünen einen Rest menschlichen Verstands, den er mithilfe von Medikamenten zu fördern versucht. Wenn man so will, soll hier der tiefe Graben zwischen progressiver Vernunft und zerstörerischer Raserei pharmakologisch überwunden werden.

Während die Szenen mit O’Connell (der in James Watkins' „Eden Lake“ bereits einen ähnlich furchterregenden Gangleader gespielt hat und mit seiner Over-the-Top-Performance hier zweifellos die Show stiehlt) und seinen „Jimmys“ die beklemmenden Höhepunkte markieren, zerrt der mit seinem infizierten Buddy zu Duran-Duran-Songs tanzende Kelson zunehmend an den Nerven und mutiert im Sequel schließlich zur Lachnummer. Wer gehofft hat, dass der abrupte „Power Rangers“-Cliffhanger aus „28 Years Later“ ein kleiner Ausreißer gewesen ist, sollte sich auf einen weiteren großen WTF-Moment gefasst machen, der sich kurz als „Iron Maiden meets Celtic Frost im Niemandsland“ umschreiben lässt.

Alex Garland hat sich einen Ruf als cleverer Geschichtenerzähler erarbeitet und mit seinem Drehbuch-Debüt „28 Days Later“ einen modernen Genre-Klassiker (mit)erschaffen. Bedauerlich ist, dass ihm bei dieser Sequel-Trilogie keine wirklich interessanten neuen Ansätze gelingen. War „28 Years Later“ stark von den „The Last of Us“-Games inspiriert und als klassisches Coming-of-Age-Abenteuer angelegt, präsentiert „The Bone Temple“ nun einen Blick in von Fanatismus geprägte, menschliche Abgründe im Angesicht einer untergegangenen Zivilisation. Das kennt man bereits zu Genüge, etwa aus anderen postapokalyptischen Stoffen wie „The Road“ oder „The Book of Eli“. Nun muss das Story-Rad selbstverständlich nicht ständig komplett neu erfunden werden, doch diesen „28 Days Later“-Sequels fehlt bislang etwas, das das Ursprungswerk reichlich besaß: Energie, Biss und ein Stück Poesie zwischen den schroffen Bildern.

Nia DaCosta hat aus Garlands Material einen soliden aber weitgehend unspektakulären und tonal unebenen Schocker gebastelt, der die Geschichte nicht wirklich nennenswert voranbringt und vorherige Hauptfiguren wie Spike komplett in den Hintergrund drängt. Zumindest der Abschluss macht Hoffnung auf ein interessanteres letztes Kapitel. Bei welchem man sich dann möglicherweise die Frage stellt, ob man diese Vorgänger überhaupt gebraucht hätte …


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28 Years Later: The Bone Temple, GB/USA 2026 • 109 Min • Regie: Nia DaCosta • Drehbuch: Alex Garland • Mit: Ralph Fiennes, Jack O'Connell, Alfie Williams, Erin Kellyman, Chi Lewis-Parry • Kamera: Sean Bobbitt • Musik: Hildur Guðnadóttir • FSK: ab 18 Jahren...28 Years Later: The Bone Temple (2026) Kritik