"Helix" S01E01 "Pilot" Kritik

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Helix Pilot Kritik

Am 10. April startet auf SyFy Deutschland die neue Serie des "Battlestar Galactica"-Schöpfers Ron D. Moore, "Helix" (wir haben ausführlich berichtet) und wir hatten bereits die Gelegenheit, einen Blick auf die ersten beiden Folgen der aus 13 Folgen bestehenden Staffel zu werfen.

Das Beste, was man über die Pilotfolge sagen kann, ist, dass die Serie einen sofort ins Geschehen hineinwirft und eine lange Einführung von Charakteren und des Settings zugunsten von Schockmomenten, mal mehr mal weniger überraschenden Wendungen und einer gehörigen Portion an Mystery opfert. Im Englischen gibt es für diese Herangehensweise einen sehr passenden Begriff, der sich so im Deutschen leider nicht findet: plot-driven, anstelle von character-driven. Das heißt, dass die treibende Kraft der Serie ihre Handlung und deren Wendungen zu sein scheinen und weniger die Figuren.

In den ersten drei Minuten des Films beobachten wir, wie auf einer Forschungsstation etwas gehörig schiefgegangen ist. Ein Virusausbruch. Dr. Hiroshi Hatake (Hiroyuki Sanada) und sein Assistent, beide in Schutzanzügen, finden einen Wissenschaftler, mit dem etwas gewaltig nicht stimmt. Schweißüberströmt, dunkle, beinahe schwarze Adern auf seiner Haut drohen zu platzen und dann bewegt sich noch etwas in seinem Hals. Als der Assistent Hatake fragt, was das sei, antwortet dieser mit dem ominösen "Fortschritt" und flößt dem Infizierten etwas Wasser (oder ist es was anderes?) ein.

Ein Alarm dröhnt im Hintergrund, doch während auf dem Bildschirm offensichtlich die Hölle los ist, spielt darüber Dionne Warwicks "Do You Kow the Way to San Jose". Diese Gegenüberstellung von einem visuellen Horrorszenario mit einer gehobenen Fahrstuhl-Musik gehört zu den besten Kunstgriffen der Serie – eine Tatsache, der sich die Macher wohl bewusst sind, weshalb das noch häufiger zum Einsatz kommt. Dadurch setzt sich die Serie von ähnlichen Genre-Vertretern immerhin etwas ab.

Ansonsten ist es business as usual was in keinster Weise abwertend klingen soll, doch das Rad erfindet "Helix" auch nicht neu. Nach dem Vorfall auf der Forschungsstation, die von 35 Nationen auf dem Nordpol betrieben wird, werden vier Mitarbeiter des Center for Disease Control and Prevention (CDC), angeführt vom idealistischen und aufopferungsvollen Dr. Alan Farragut (Billy Campbell) an der Station eingeflogen, um den Vorfall zu untersuchen. Zu Farraguts Team gehören seine Ex-Frau Julia (Kyra Zagorsky) und das 26-jährige Genie Sarah Jordan (Joran Hayes), die vielleicht oder vielleicht auch nicht auf Dr. Farragut steht. Das Besondere an der Sache: der Infizierte vom Filmbeginn, der sich nun in Quarantäne befindet, ist Peter Farragut – Alans Bruder, mit dem Julia einst eine Affäre hatte. Das alles weiß ich, weil das alles innerhalb der ersten 15 Minuten der Serie von den Charakteren mehr oder weniger so gesagt wird. Subtilität, geschliffene Dialoge und eine sorgfältige Exposition gehören also nicht zu der Stärke des Pilotfilms, ebenso wenig wie seine Charaktere, deren Namen ich größtenteils erst später nachrecherchieren musste, weil ich sie gegen Ende der Pilotfolge nicht mehr wusste. Nicht nur sind die Charaktere unterentwickelt, sondern auch die Schauspieler sind eher austauschbar – niemand ist sonderlich schlecht, doch wirklich bemerkenswert ist auch niemand. Eine Ausnahme bildet dabei Hiroyuki Sanada, der einen sehr überzeugenden potenziellen Bösewicht abgibt.

Helix Pilot Kritik

Nein, "Helix" setzt bewusst nicht auf Charaktere, deren Hintergründe oder deren Eigenschaften. Was der Serie in diesen Punkten fehlt, macht der Pilotfilm mit einer rasanten Entwicklung der Handlung wett und lässt einen schnell diverse Makel vergessen. Denn schon kurz nach dem Eintreffen der Wissenschaftler, wird ihnen klar, dass hier kein sauberes Spiel gespielt wird. Warum verneinen die Wissenschaftler die Testungen an den Affen, obwohl ganz offensichtlich Affen auf der Station waren? Und warum hat der Virus zwei seiner Opfer schnell getötet und die Leichen zersetzt, Peter Farragut aber noch lebt. Noch brenzliger wird es, als der zuvor noch dem Tode nahestehende Peter, plötzlich aus der Quarantäne durch die Lüftungsschächte entkommt und dabei offensichtlich Superkräfte entwickelt hat.

Ich tue mich schwer damit, den Pilotfilm von "Helix" als großes Fernsehen zu bezeichnen, doch zugleich fesselte mich die Folge beinahe über die gesamte Laufzeit. Dabei gingen die Macher durchaus ein Risiko ein, indem mit Hatake und dem Armee-Offizier Balleseros (Mark Ghanimé) die Identitäten der (angeblichen) Antagonisten enthüllt wurden und somit die Karten auf den Tisch gelegt wurden. Ein ungewöhnlicher Schachzug in einer solchen Serie und es bleibt abzuwarten, ob es sich auf Dauer auszahlt.

Was der Serie auf jeden Fall sehr gut gelingt ist diese doch so seltene Mischung aus Science-Fiction und Horror. Einerseits weckt der Pilotfilm über große Strecken Assoziationen mit Michael Crichtons Roman "Andromeda" und dem darauf basierenden Film aus dem Jahre 1971, Andromeda – Tödlicher Staub aus dem All weckte, in denen es ebenfalls um den Ausbruch eines mysteriösen und extrem tödlichen Virus in einer Forschungsstation geht. Andererseits sind auch einzelne Elemente eines Zombiefilms nicht von der Hand zu weisen, allein schon was die Optik der Infizierten betrifft. Diese Mischung ist nicht häufig anzutreffen heutzutage und sie funktioniert hier wirklich gut. Es überrascht mich schon fast, dass trotz des Erfolgs von Filmen wie Outbreak oder Contagion, die Thematik eines Virusausbruchs (abgesehen von zahlreichen Zombie-Plagen) eigentlich nicht mehr verbreitet ist in Filmen oder Serien. Ich habe eine Schwäche dafür und genau an dieser setzt "Helix" zum Glück an.

Insofern muss ich mir wohl doch selbst widersprechen, wenn ich an den Beginn der Kritik denke – das Beste am Pilotfilm von "Helix" ist, dass ich trotz all der kleineren und größeren Makel (zu denen auch einige holprige Computereffekte gehören, aber hey, das ist schließlich Sy Fy!)  sofort weiterschauen wollte und das wird der geneigte Genrefan auch.

Bildmaterial © 2014 NBC/Universal

  • "sofort weiterschauen wollte und das wird der geneigte Genrefan auch" so war es bei mir auch. Helix ist nicht perfekt, aber die Serie unterhält und man möchte wissen, wie es weiter geht 🙂