Andrea Sawatzki im Interview zu "Die Abenteuer von Mr. Peabody & Sherman"

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Andrea Sawatzki Interview

Seit gestern  (27.02.) läuft in den deutschen Kinos der neuste 3D-Animationsspaß von DreamWorks in den deutschen Kinos – Die Abenteuer von Mr. Peabody & Sherman. Regie führte dabei niemand Geringeres als Rob Minkoff, der Macher von Der König der Löwen. Der Film erzählt die Geschichte des hyperintelligenten Hundes Mr. Peabody, der  mit seinem menschlichen Adoptivsohn Sherman und dessen Schulfreundin/-feindin Penny mittels einer Zeitmaschine verschiedene Zeitepochen bereist und zahlreiche Abenteuer erlebt.

In der deutschen Fassung des Films sind u. a. die Stimmen von Matze Knop, Christian Berkel, Andrea Sawatzki und Hella von Sinnen zu hören (wir empfehlen eine Sichtung des ganz unten angefügten Synchronstimmen-Trailers!). Vergangenen Dienstag hatte ich die Gelegenheit, im Rahmen der Promotour im Kölner Luxushotel Hyatt zwei der Synchronsprecher zu interviewen – Andrea Sawatzki und Hella von Sinnen (Interview hier nachzulesen).

Andrea Sawatzki ist ein wahres Multitalent. Als Schauspielerin ist sie v. a. als Frankfurter"Tatort"-Hauptkommissarin Charlotte Sänger bekannt, die sie acht Jahre lang verkörpert hat. Zu ihren Kino-Erfolgen gehören Die Apothekerin und Das Experiment. Kürzlich hat sie mit "Tief durchatmen, die Familie kommt" ihren zweiten Roman publiziert. In Sachen Stimmarbeit ist sie ebenfalls ein alter Hase und hat bereits weit mehr als 20 Hörbücher eingesprochen. Ihre Stimme lieh sie in Vergangenheit in den Animationsfilmen Der gestiefelte Kater und Der fantastische Mr. Fox – jeweils an der Seite ihres Ehemannes Christian Berkel. Auch in Die Abenteuer von Mr. Peabody in Sherman, in dem sie die Rolle von Pennys Mutter Patty spricht (im Original Leslie Mann) arbeitete sie wieder mit Berkel, der den Part ihres Film-Ehemannes einsprach. In unserem Interview erzählte Andrea Sawatzki von ihrer Liebe für Animationsfilme, den unerwarteten Aspekt der Synchronarbeit und wohin sie mit einer Zeitmaschine reisen würde.

Filmfutter: Wer ist Ihr Charakter in Die Abenteuer von Mr.Peabody & Sherman?

Andrea Sawatzki: Ich spreche Patty, die Mutter der kleinen Penny, der späteren Freundin von Sherman. Ich würde sagen, dass es eine Frau ist, die nicht wirklich zufrieden oder glücklich ist. Sie ist etwas überreagierend und steht nicht wirklich auf dem Boden.

FF: Konnten Sie irgendwelche Aspekte der Figur auch bei sich finden oder ist Patty ein totaler Gegensatz?

AS: Total gegensätzlich eigentlich.

FF: Schauen Sie eigentlich privat viele Animationsfilme?

AS: Wir haben zwei Söhne, 11 und 14 Jahre alt, und ich glaube schon, dass wir in den letzten Jahren alle Animationsfilme gesehen haben, die es so gibt. Ich hatte ja auch vor 4-5 Jahren Der fantastische Mr. Fox mit meinem Mann zusammen (Anm. der Red: Christian Berkel) synchronisiert und das ist natürlich ein Film, den wir schon öfter gesehen haben, weil die Kinder ihn so mögen. Allerdings sprechen die Kinder beide sehr gut Englisch und sie schauen dann den Film in deutscher und in der Originalfassung.

FF: Und wie finden Sie es dann im Vergleich, wenn sie Meryl Streeps Stimme hören und Ihre?

AS: Sie mögen es dann natürlich lieber, wenn die Mama redet (lacht).

FF: Abgesehen von den Animationsfilmen, an denen Sie selbst bei der Synchronisation beteiligt waren, was sind Ihre persönlichen Favoriten?

AS: Ich mag die Shrek-Filme total gerne und ein großer Liebling war auch Happy Feet. Ebenfalls klasse finde ich Madagascar und Findet Nemo.

Andrea Sawatzki Interview 2

FF: Sie haben ja in Vergangenheit bereits bei Der fantastische Mr. Fox und bei Der gestiefelte Kater Ihre Stimme geliehen. Wenn Sie auf andere Animationsfilme zurückschauen, fällt Ihnen ein Charakter ein, den Sie besonders mochten und gerne gesprochen hätten?

AS: Da gibt es in jedem Film irgendjemanden, weil es mir total Spaß macht. Ein Beispiel wäre Dory, die Freundin von Nemo (Anm. der Red: in Findet Nemo), aber natürlich macht es Anke Engelke ganz toll – ein richtiges Highlight.

FF: Sie sind ja ein alter Hase, was Stimmarbeit angeht, vor allem dank den zahlreichen Hörbüchern, die Sie eingesprochen haben und haben jetzt auch bei mehreren Animationsfilmen Charaktere synchronisiert. Wird diese Arbeit mit der Zeit leichter oder ist es jedes Mal eine neue Herausforderung?

AS: Es ist jedes Mal ziemlich schwer, weil man natürlich bei Animationsfilmen die Vorgabe hat und den amerikanischen Sprechern möglichst nahe kommen sollte. Es bleibt wenig Raum für eigene Interpretation, da man die Originalsprecher als Vorbilder hat.

FF: Wenn Sie also die Stimme von Leslie Mann (im Original von Die Abenteuer von Mr. Peabody & Sherman) oder von Meryl Streep (Der fantastische Mr. Fox) übernehmen, orientieren Sie sich immer an der Vorlage oder versuchen Sie auch  gelegentlich Ihre eigenen Akzente zu setzen?

AS: Das versucht man natürlich schon, aber man ist trotzdem eingeschränkt, weil es nah am Original bleiben sollte.

FF: Könnten Sie sich auch jemals vorstellen, bei einem Realfilm eine Schauspielerin zu synchronisieren?

AS: Nein, das wäre nichts für mich. Das ist eine ganz andere Art der Arbeit. Bei echten Schauspielern, würde ich die Rolle eben lieber spielen und nicht nachsprechen. Das ist ein großer Unterschied zum Synchronsprechen bei Animationsfilmen und auch ein anderer Beruf. Bei Animationsfilmen ist das Sprechen letztlich nicht an echte lebende Menschen gebunden, aber Schauspieler zu synchronisieren ist einfach eine ganz andere Arbeitsweise.

FF: Sie haben ja mir Ihrem Ehemann, Christian Berkel, die Stimme in Die Abenteuer von Mr. Peabody & Sherman eingesprochen. Auch in Der gestiefelte Kater und Der fantastische Mr. Fox arbeiteten Sie bereits gemeinsam. Werden Sie immer gemeinsam angesprochen und schlägt man sich gegenseitig vor?

AS: Immer gemeinsam.

FF: Schlägt sich Ihre gegenseitige Vertrautheit in Ihrer Arbeit irgendwie nieder, in der Art, wie Sie die Stimmen gestalten und die Rollen einsprechen?

AS: Eher weniger. Ich habe mir das ursprünglich auch anders vorgestellt. Ich dachte man ginge gemeinsam ins Studio, aber es war total getrennt (lacht). Natürlich ist es auch aufgrund unserer vielen anderweitigen Termine so, dass unsere Aufnahmen Wochen voneinander entfernt sind. Leider, denn das wäre bestimmt lustig geworden, es irgendwie gemeinsam zu machen.

FF: Haben Sie überhaupt irgendwelche anderen Sprecher während der Arbeit getroffen oder erst jetzt?

AS: Nein, es geht immer im Stundenrhythmus und man begegnet sich eigentlich nicht.

Andrea Sawatzki Interview 1

FF: Haben Sie den Film bereits komplett gesehen und nur Ihre Ausschnitte?

AS: Ja, aber nur im englischen  Original und ich mag ihn sehr.

FF: Wenn jetzt also jemand fragen würde, warum man diesen Film im Kino sehen sollte, was würden Sie darauf antworten?

AS: Erst einmal ist es natürlich auch einfach die großartige Idee mit Mr. Peabody, dem hyperintelligenten Hund, der einen kleinen Jungen erzieht. Ich finde auch den Aspekt sehr wichtig, dass man nicht an seinen Vorurteilen festhalten sollte und sich davor bewahren sollte, über Andersartige zu früh Vorurteile zu fällen. Natürlich ist es hier überspitzt, weil der Hauptcharakter ein Hund ist, aber es zeigt sich ja auch, dass Mr. Peabody ein viel besserer Vater ist als der von Penny. Er ist viel warmherziger, viel experimentierfreudiger und auch sehr hingewandt zu Sherman, was man auf den ersten Blick vielleicht gar nicht vermutet. Auch die Hinführung zur Geschichte finde ich sehr wichtig, denn diese wird hier auf sehr humorvolle und spannende Weise einem nahegebracht. Ich glaube das kommt bei den Kindern sehr gut an. Sie können bei dem Film viel erfahren, aber es ist nicht trocken pädagogisch, wie in der Schule, sondern verspielt.

FF: Geschichte ist ein essentieller Bestandteil des Films. Finden Sie, dass Kinder und Jugendliche sich heutzutage mit der Geschichte wenig auseinandersetzen?

AS: Das kann ich schwer beurteilen. Ich weiß, dass wir uns mit unseren Kindern sehr viel über die Geschichte unterhalten und sie sind daran auch sehr interessiert, weil sie aber auch auf einer sehr guten Schule sind. Sie sind auf einer internationalen Schule und dort ist die Auseinandersetzung mit der Geschichte ein großes Thema – sowohl mit der jüngsten Vergangenheit als auch mit weiter zurückliegender. Da wird es den Kindern sehr gut nahegebracht.

FF: Natürlich kommt es in dem Film zu der Auseinandersetzung mit der Geschichte dank Mr. Peabodys Zeitmaschine. Wenn Sie selbst eine Zeitmaschine besäßen, wohin würden Sie dann gerne reisen?

AS: Ich bin eigentlich so glücklich in dieser Zeit! (lacht) Ich denke aber die zwanziger Jahre wären sehr interessant.

von Arthur Awanesjan

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Filmtrailer

Synchronstimmen-Trailer

Filmbild und Synchronstudiobild © 2014 20th Century Fox