Return to Silent Hill (2026) Kritik

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Return to Silent Hill, FR/USA 2026 • 106 Min • Regie: Christophe Gans • Drehbuch: Christophe Gans, Sandra Vo-Anh, Will Schneider • Mit: Jeremy Irvine, Hannah Emily Anderson, Evie Templeton, Nicola Alexis, Pearse Egan • Kamera: Pablo Rosso • Musik: Akira Yamaoka • FSK: ab 16 Jahren • Verleih: Leonine • Kinostart: 05.02.2026 • Deutsche Website

„Return to Silent Hill“ markiert nicht nur die Leinwand-Rückkehr des populären Survival-Horror-Franchises, sondern auch die Rückkehr des Franzosen Christophe Gans auf den Regiestuhl. Während dessen erste Kinoreise in die verfluchte Kleinstadt von 2006 wohl weiterhin das Glanzstück an Videospieladaptionen darstellt, entpuppte sich M. J. Bassetts 2012er Sequel „Silent Hill: Revelation“ als lustloser Reinfall. Da spätestens seit dem Titel „Silent Hill: Downpour“ auch das Interesse an den Games rückläufig gewesen ist, war das Thema lange Zeit sowohl für den Publisher Konami als auch für die Filmstudios durch. „Silent Hills“, das im Anschluß an Hideo Kojimas und Guillermo del Toros von Fans einhellig gefeierten, spielbaren Teaser „P.T.“ entstehen sollte, wurde überraschend gecancelt und erst der Doppelschlag von Bloobers 2024er „Silent Hill 2“-Remake und dem grandiosen „Silent Hill f“ von 2025 hat wieder die Neugier auf zukünftige Abenteuer entfacht.

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Um es gleich vorwegzunehmen: Verbohrte Anhänger der Games werden sich nur sehr schwer bis gar nicht mit „Return to Silent Hill“ anfreunden können. Mit der hier von Jeremy Irvine („Gefährten“) verkörperten Figur James Sunderland wurde eine Verfilmung des psychologisch komplexen „Silent Hill 2“ versprochen, die Gans aber nicht wirklich abliefert. Eher ist sein Film eine Variation der düsteren Story, in der es zwar ebenfalls um Schuld und Reue geht, die aber mit reichlich kreativen Freiheiten auch eine vage Verbindung mit dem Okkultismus seines Erstlings versucht.

Zu Beginn erleben wir, wie Sunderland in seinem Auto eine kurvige Bergstraße hinunterrast und dabei fast eine Frau niederfährt. Mary (Hannah Emily Anderson) ist ihr Name, und mit reichlich Gepäck wollte sie eigentlich die Reise aus ihrer Heimatstadt Silent Hill antreten. Ein Blick zu der mysteriösen Schönheit reicht James, um seine eigenen Pläne über Bord zu werfen und mit ihr eine Beziehung in dem idyllischen Ort zu beginnen. Nach einem Zeitsprung sehen wir den zuvor adretten Mann nun als saufendes Wrack. Was mit dem verliebten Paar geschehen ist, erfahren wir erst im Verlauf, nachdem James einem Brief Marys zurück nach Silent Hill folgt. Doch ihr früherer, besonderer Platz gleicht nun einem von unheimlichen Kreaturen bevölkerten Höllenszenario. Soll James Mary hier wirklich antreffen?

Ans Game angelehnte Bildkompositionen, vertraute Charaktere und die unverwechselbaren Klänge von Originalkomponist Akira Yamaoka führen Kenner zumindest audiovisuell in das ihnen geläufige Universum ein. Doch schon der ganz andere erzählerische Ansatz von „Return to Silent Hill“ lässt die subtile Symbolik und Metaphorik des Videospiels am Ortsschild stehen. Christophe Gans arbeitet hier viel mit Rückblenden, lässt uns zusammen mit James in der Vergangenheit graben.

Wenn James durch die von Asche bedeckten Straßen schreitet und schließlich von einer ganzen Horde an Monstern zu einem Apartmentkomplex gejagt wird, wirkt das alles unnötig reißerisch und deutlich unbefriedigender, als die Rätsel und Hinweise, die die Figur im Game leiten. Wie wir später erfahren, ist Mary kein Niemand in Silent Hill, sondern die Tochter eines mysteriösen Kultführers. Diverse seltsame Vorfälle haben das Paar auseinandergeführt und offenbar befindet sich Mary nun schwer erkrankt im örtlichen Krankenhaus. Ihre Doppelgängerin Maria hängt wie eine Klette an James und möchte ihn unbedingt aus der Stadt bringen. Eine weitere Figur, die psychisch instabile Angela, sieht Mary zusätzlich äußerst ähnlich. Regelmäßig ruft James' Therapeutin (Nicola Alexis) an, die ihren Patienten in einer Notlage vermutet.

Gans führt mit Maria, Laura, Angela und Eddie die gleichen NPCs wie in „Silent Hill 2“ ein, verleiht ihnen hier aber eine andere Funktion. Wohl auch um die Story kompakter zu gestalten, dreht sich in „Return to Silent Hill“ alles um James und Mary, und auch die ursprünglich separaten Geschichten der anderen Figuren fügen sich nun in das Drama des Paares ein. So wie auch die bekannten Antagonisten Pyramid Head, Flesh Lip oder Abstract Daddy.

Die extrem hölzernen Performances vom gesamten Cast können durchaus irritieren, sind aber klar auch an die Zwischensequenzen aus dem Originalspiel angelehnt. Wer mit diesem überhaupt nicht vertraut ist, kann von „Return to Silent Hill“ eine Schreckens-Halbballade mit surrealen Bildwelten inklusive Traumlogik erwarten. Der auf unheimliche Atmosphäre und nicht auf laute Jump Scares angelegte Film könnte, nachdem er die Gamer verschreckt hat, noch eine Nische an Genrefreunden für sich gewinnen. Wer sich nicht nur bei „Conjuring“ und Co. heimisch fühlt, sondern auch absurde Exploitation-Lieblinge wie Lucio Fulcis „Über dem Jenseits“ oder Dario Argentos „Inferno“ in sein Herz geschlossen hat, dürfte einen deutlich leichteren Zugang zu dem zunächst recht wirren Stoff finden. Vieles, was erst nur Stirnrunzeln hervorgerufen hat, fügt sich zugegeben spät zusammen. Anderes funktioniert einfach nicht wie Gans es vermutlich intendiert hat.

Als Gesamtwerk ist „Return to Silent Hill“ zerfahren und inhaltlich deutlich dünner ausgestaltet als Teil eins. Das könnte auch daran liegen, dass Oscar-Preisträger und „Pulp Fiction“-Koautor Roger Avary diesmal nicht für das Drehbuch zuständig gewesen ist. Zugute halten muss man dem Resultat, dass man Christophe Gans noch immer seine Passion für das Projekt anmerkt und ansieht. Auch wenn DP Pablo Rosso („Sleep Tight“) nicht ganz die Klasse seines Vorgängers Dan Laustsen erreicht, gelingen ihm zusammen mit Gans beeindruckende Bilder, die sowohl Himmel als auch Hölle passend einfangen. Die Plätze aus den Games erwachen hier erneut zum Leben.

„Return to Silent Hill“ ist letztlich leider nicht die erhoffte Rückkehr zu alter Stärke geworden. Wer es aber schafft, sich in diese eigenartige Zwischenwelt fallen zu lassen und der dargebotenen Traumlogik zu folgen, dürfte hier auch einige Qualitäten entdecken. Hervorheben möchte ich abschließend das sicher polarisierende Ende, das einen Funken Poesie und Schönheit in die Dunkelheit trägt und bei mir eine Zeile aus einem berühmten Edgar-Allan Poe-Gedicht ins Gedächtnis gerufen hat: „Ist alles, was in Zeit und Raum, Nichts als ein Traum in einem Traum?“


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