True Detective Season 3

Quelle: HBO

Mehr als zwei Jahre nach dem Ende der zweiten Staffel von "True Detective", bringt HBO die einst gefeierte und dann sehr schnell in Ungnade gefallene Krimi-Anthologieserie für eine dritte Runde zurück. Nachdem sich schon in den letzten Monaten Gespräche über eine weitere Staffel intensivierten und Mahershala Ali (Foto unten aus "House of Cards") für die Hauptrolle gehandelt war, hat der Kabelsender jetzt Nägel mit Köpfen gemacht und eine dritte Staffel offiziell in Auftrag gegeben. Zugleich wurde auch Ali als Hauptdarsteller bestätigt.

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True Detective Season 3 Mahershala Ali

Das Prinzip von "True Detective" ist, dass jede Staffel von einem einzelnen Kriminalfall handelt und in sich abgeschlossen ist. Nachdem in der ersten Season noch zwei Polizisten, gespielt von Matthew McConaughey und Woody Harrelson, im schwülen Louisiana nach einem Serienmörder suchten, ermittelten in Staffel 2 das Trio Colin Farrell, Rachel McAdams und Taylor Kitsch in Kalifornien im Fall eines grausam ermordeten korrupten Stadtverwalters.

Es ist noch nicht klar, ob der frischgebackene Oscargewinner Ali (Moonlight) der einzige Ermittler der dritten Staffel sein wird. Weitere Darsteller wurden bislang nicht angekündigt. Dafür aber das Setting der neuen Staffel. Nach Louisiana und Kalifornien geht es diesmal in die Ozark-Hochlandregion. In dieser spielt auch die Netflix-Serie "Ozark" mit Jason Bateman und der oscarnominierte Film Winter’s Bone mit Jennifer Lawrence. Die karge Landschaft mit einer eigenen Kultur (und blühendem Drogenhandel) eignet sich perfekt für "True Detective", eine Serie, die schon sehr von ihrer regionalspezifischen Atmosphäre lebt.

Laut der offiziellen Inhaltsbeschreibung handelt die Staffel von einem makabren Verbrechen im Herzen des Ozark und einem Jahrzehnte übergreifenden Ereignis, das sich über drei separate Zeitstränge abspielt. Ali wird in der Serie Wayne Hays spielen, einen State Police Detective aus dem nordwestlichen Arkansas.

Diese Beschreibung legt nahe, dass Serienschöpfer Nic Pizzolatto wieder zur Struktur der deutlich beliebteren ersten Staffel zurückkehrt, die ebenfalls zwei zeitlich versetzte Erzählstränge hatte.

Nic Pizzolatto schrieb wieder alle Folgen der dritten Staffel alleine, mit der Ausnahme der vierten Episode, die er gemeinsam mit dem "Deadwood"-Macher David Milch verfasste. Milch kam zuvor an Bord der dritten Staffel, um Pizzolatto unter die Arme zu greifen, doch es sieht danach aus, als sei sein Beitrag nicht so groß gewesen, wie ursprünglich vermutet.

Sehr aufregend finde ich allerdings, dass Jeremy Saulnier als Regisseur und ausführender Produzent angekündigt wurde. Saulnier hat in den letzten Jahren einen großartigen Eindruck mit seinen kompromisslosen Thrillern Blue Ruin und Green Room hinterlassen und gilt einer der vielversprechendsten neuen Filmemacher aus der Indie-Szene. Sowohl Blue Ruin als auch Green Room hatten eine dichte Atmosphäre und waren sehr spannend. Es ist noch nicht ganz klar, ob Saulnier alle Folgen der dritten Staffel inszenieren wird, wie Cary Fukunaga bei der ersten Season. Fukunagas Beitrag zur ersten Staffel kann man gar nicht genug schätzen, denn durch seine virtuose Regie fühlte sich die gesamte Staffel wie aus einem Guss an, was man von der zweiten Season nicht behaupten kann. Es wäre wünschenswert, dass Saulnier auch die gesamte Season durchzieht.

"True Detective" ist ein wirklich kurioser Fall. Die erste Staffel kam wie aus dem Nichts und erreichte sehr schnell einen (verdienten) Riesenhype als eine der besten Serien ihres Jahres. Zahlreiche Golden-Globe- und Emmy-Nominierungen folgten, Autor Nic Pizzolatto wurde als Genie gepriesen und die Erwartungen hinsichtlich der zweiten Staffel waren himmelhoch. Diese konnte sie aber nicht erfüllen. Sie war nicht rückblickend nicht so schlecht, wie viele es damals behauptet haben, doch weder ihre Charaktere noch das zentrale Rätsel waren so interessant wie in der ersten Staffel.

Die Enttäuschung war so groß, dass zum Ende der zweiten Season hin, der Hype gänzlich abebbte, woraufhin eine dritte Staffel eine Zeitlang unsicher war. Andererseits erlaubte es Pizzolatto diesmal ohne großen Zeitdruck an der nächsten Idee zu arbeiten, denn ein großer Fehler bei der Produktion von Staffel 2 war es – wie Pizzolatto und HBO es zugeben – es einfach überstürzt zu haben, um möglicht schnell einen Nachfolger herauszubringen. Diesmal hatte der Autor ausreichend Zeit und ich hoffe, dass er wieder zu dem Potenzial zurückkehren kann, das er uns mit der ersten Staffel so eindrucksvoll zeigte.