"Oldboy"-Serienadaption wird vom Originalregisseur entwickelt

Nachdem K-Pop die moderne Musikwelt bereits seit einigen Jahren dominiert hatte, hat die koreanische Welle mit dem Netflix-Phänomen "Squid Game" und dem Cannes- und Oscar-Sieger Parasite auch die Kino- und TV-Landschaft endgültig erreicht. Was aus Südkorea kommt, ist aktuell schwer in Mode, doch wahre Cineasten wissen natürlich schon lange Filmperlen aus dem Land der Morgenruhe schätzen. Bevor Parasite-Regisseur Bong Joon-ho mit dem Film seinen internationalen Durchbruch feierte, drehte er bereits seit zwei Jahrzehnten fantastische Filme wie Memories of Murder, The Host und Snowpiercer.

Letzterer wurde von seinem Landsmann Park Chan-wook produziert, der neben Bong als einer der einflussreichsten südkoreanischen Filmemacher der Gegenwart gilt. Für sein Neo-Noir-Drama Die Frau im Nebel wurde Park vorletztes Jahr mit dem Regiepreis in Cannes ausgezeichnet. Seinen großen Durchbruch feierte er 18 Jahre zuvor, als seine packende Mangaadaption Oldboy in Cannes den großen Preis der Jury erhielt. Quentin Tarantino war in dem Jahr Präsident der Jury und hätte Oldboy am liebsten die Goldene Palme verliehen, der Hauptpreis ging stattdessen, zweifelsohne politisch motiviert, an Fahrenheit 9/11. Während Michael Moores Bush-Ära-Doku nicht sonderlich gut gealtert ist, gilt Oldboy inzwischen als modernen Klassiker der koreanischen Kinos und die ohne Schnitte gedrehte Flur-Kampfszene als eine der besten Filmsequenzen der 2000er.

Natürlich konnte Hollywood es sich nicht nehmen lassen, eine eigene Version von Oldboy zu produzieren und verpflichtete mit Spike Lee (BlacKkKlansman) immerhin einen renommierten Regisseur, der die Rachegeschichte des scheinbar grundlos eingesperrten und nach 15 Jahren plötzlich freigelassenen Mannes mit Josh Brolin in der Hauptrolle neu verfilmte. Das Studio kürzte jedoch Lees 140-minütige Filmfassung auf 105 Minuten herunter, sehr zu seiner und Brolins Unzufriedenheit, sodass Lee sich daraufhin vom Film distanzierte. Die Kritiken für die US-Version waren nicht gerade gnädig und der Film floppte.

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Elf Jahre sind seit jenem überflüssigen Remake vergangen und Hollywood will Oldboy eine weitere Chance geben, diesmal jedoch als TV-Serie und unter der direkten Beteiligung des Originalregisseurs. Park Chan-wook, der die John-le-Carré-Serie "Die Libelle" und die kommende HBO-Serie "The Sympathizer" drehte, wird die englischsprachige "Oldboy"-Serie für Lionsgate Television produzieren. Bereits an der US-Serienadaption von Snowpiercer war er als ausführender Produzent beteiligt. Ob er darüber hinaus als Regisseur oder Autor an der "Oldboy"-Serie arbeiten wird, ist noch unklar. Immerhin gibt mir sein Segen für die Serienadaption etwas Hoffnung.

Quelle: Deadline

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