David Fincher Mank

David Fincher und Jeff Cronenweth am Set von Gone Girl – Fas perfekte Opfer (2014) © 20th Century Fox

Quelle: Variety

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Der ehemalige Werbe- und Musikvideofilmer David Fincher gilt seit seinem düsteren Brad-Pitt-Filmduo Sieben und Fight Club als einer der besten Regisseure seiner Generation. Für mich gibt es nur wenige lebende Filmemacher, die ihr Handwerk so virtuos beherrschen und zugleich eine echte Wandlungsfähigkeit an den Tag legen. Mit Der seltsame Fall des Benjamin Button und dem modernen Meisterwerk The Social Network erhielt Fincher auch endlich die verdiente Anerkennung der Academy, den die beiden Filme mit zahlreichen Oscarnominierungen (wenn auch mit viel zu wenigen Auszeichnungen) bedacht hat.

Leider hat er auch viel Pech mit seinen Projekten gehabt. Trotz des Erfolgs seiner Stieg-Larsson-Adaption Verblendung, wollte Sony die Millennium-Trilogie doch nicht mit ihm beenden, vermutlich weil sein Film einfach zu teuer war. Aus ähnlichen Gründen ist auch der drei-Serien-Deal zwischen Fincher und HBO durchgefallen, zu dem u. a. die Neuadaption der britischen Serie "Utopia" gehörte. HBO und Fincher wurden sich über die Budgets nicht einig und alle drei Serien wurden gestrichen. Zuletzt sollte Fincher das Sequel zum Brad-Pitt-Zombie-Endzeitfilm World War Z inszenieren, doch Paramount legte den Film kürzlich auf Eis.

Und so sind bereits fünf Jahre vergangen, seit ein Film von David Fincher im Kino lief. Dabei war Gone Girl – Das perfekte Opfer ein großer Kassen- und Publikumserfolg. Untätig war er seitdem dennoch nicht. In der Zwischenzeit produzierte er für Netflix die Serien "Mindhunter" und "Love, Death and Robots", wobei er bei "Mindhunter" auch vier Folgen der ersten Staffel selbst inszenierte. Auch an der kommenden zweiten Staffel soll er wieder sehr aktiv beteiligt gewesen sein.

Die gute Neuigkeit ist, dass ein neuer Fincher-Film endlich feststeht. Die (für manche) schlechte ist, dass er voraussichtlich gar nicht oder nur in wenigen Kinos zu sehen sein wird. Fincher ist von seiner Zusammenarbeit mit Netflix offenbar so begeistert, dass er seinen nächsten Film auch für den Streamer inszenieren wird. Bereits im November sollen die Dreharbeiten zu Mank beginnen, einem Film über den legendären Drehbuchautor Herman J. Mankiewicz, der gemeinsam mit Orson Welles das Drehbuch zu Welles' Meisterwerk Citizen Kane schrieb. Der Film soll von Mankiewicz' schwieriger Arbeit an Citizen Kane und dem Konflikt mit Welles handeln. Trotz seines heute allgemein anerkannten Status als eins der größten Meilensteine der Filmgeschichte, gewann Citizen Kane seinerzeit nur den Oscar für sein Drehbuch. Äragetreu wird Fincher Mank als Schwarzweißfilm inszenieren.

Für die Hauptrolle wurde Oscargewinner Gary Oldman (Die dunkelste Stunde) verpflichtet, der mir allerdings als etwas zu ast für den Part erscheint, Mankiewicz war 43, als er sich mit Citizen Kane befasste, und starb mit 55. Oldman ist dieses Jahr wiederum schon 61 geworden. Aber es dürfte kaum Zweifel geben, dass der britische Ausnahmeschauspieler wieder eine herausragende Performance abliefern wird.

Nach Alfonso Cuarón, den Coen-Brüdern und Martin Scorsese ist Fincher ein weiterer hochkarätiger Filmemacher, der bei Netflix die Heimat für seinen neusten Film findet. Dennoch hoffe ich, dass der Film (wie schon bei Cuaróns Roma) aus in ausgewählten Kinos zu sehen sein wird, denn ich bin vermutlich nicht der einzige Cineast, der Finchers für gewöhnlich sehr bildstarke Werke gerne auf der Leinwand sehen würde.