Fantasy Filmfest 2013 Tagebuch – Tag 7

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Fantasy Filmfest 2013 Tagebuch

Mein vorletzter Tag beim Fantasy Filmfest 2013 erwies sich mit fünf Filmen als ziemlich anstregend und aus qualitativer Hinsicht eher durchwachsen, wobei es wieder ein Highlight gab. Zudem schlichen sich so langsam Ermüdungseffekte ein (nach  25 Filmen in den vorigen sechs Tagen). Zugleich kommt aber, wie jedes Jahr, mit der Müdigkeit ein leichter Hauch an Trauer, dass es bald vorbei ist.

TAG 7

Pawn Shop Chronicles

Fantasy Filmfest 2013 Tagebuch - Pawn Shop ChroniclesWayne Kramer macht viel zu selten Filme. Nach seinem starken Debüt The Cooler hat er 2006 mit dem extrem stylischen Thriller Running Scared viele Filmfans für sich begeistert (bis heute hat Paul Walker nichts Besseres gemacht). Zehn Jahre nach The Cooler ist Pawn Shop Chronicles erst sein vierter Film. Nach dem eher misslungenen Einwanderer-Drama Crossing Over, bei dem Kramer die Rechte am Final Cut entrissen wurden, kehrt der Regisseur hier zu einem ähnlich comichaft-schmierigen Ambiente, wie bereits bei Running Scared und bringt mit Paul Walker auch dessen Hauptdarsteller, hier als dümmlicher Neo-Nazi, zurück.

Pawn Shop Chronicles ist ein Episodenfilm, wie er im Buche steht. Den Dreh- und Angelpunkt der Geschichte bildet das titelgebende Pfandhaus im tiefsten US-Süden, wo noch die Südstaatenflagge stolz weht. Betrieben wird es von Alton (Vincent D’Onofrio), wo er seine Zeit mit seinem Kumpel Johnson (Chi McBride) vertreibt. In diesem Pfandhaus (aber nicht nur dort) kreuzen sich die Wege vieler Charaktere der insgesamt lose verknüpften drei Geschichten, welche im Comic-Stil eingeführt werden. In den drei Geschichten geht es jeweils um drei Neo-Nazis, die einen Meth-Dealer überfallen möchten und währenddessen ihre Ansichten hinterfragen, einen Mann, der plötzlich einen Hinweis auf das Schicksal seiner vor sechs Jahren verschwundenen Ehefrau erhält und um einen Elivs-Imitator, der sich mehr schlecht als recht durchs Leben schlägt.

Die stilistischen Höhen von Running Scared erreicht Pawn Shop Chronicles nie. Dazu ist der Film einfach zu uneben und zuweilen, sogar bei aller Akzeptanz von politisch inkorrektem Humor, etwas fragwürdig. Die sehr illustre Besetzung trägt hier aber enorm zur Unterhaltung bei. Obwohl seine Episode wahrscheinlich die schwächste ist, kommt die Glanzleistung des Films von Brendan Fraser (ja, den gibt’s noch!) als abgehalfterter Elvis-Imitator. Die stärkste Episode ist die erste, die das White-Trash-Südstaaten-Feeling am besten einfängt. Der Dialog zwischen Paul Walker und Kevin Rankin (der scheinbar in die Schauspieler-Schublade "Neo-Nazi" gesteckt wurde – siehe "Breaking Bad" und White House Down) über die Motive, Rassisten zu sein, sorgt für Lachtränen. Derweil weckt die mittlere Episode noch am ehesten Erinnerungen an die düstere und böse Welt von Running Scared (man denke an das Pädophilen-Paar aus jenem Film), wobei alles trotzdem mit einem Touch Humor behandelt wird.

Pawn Shop Chronicles ist kein großartiger Film und hat bei seiner Besetzung (neben den bereits erwähnten, spielen hier noch Norman Reedus, Thomas Jane, Elijah Wood und viele andere mit) eigentlich das Zeug zu einem kleinen Kulthit. Wenn es aber nicht soweit kommt, dann liegt es an leicht erzwungenen Verbindung der Geschichten, dem eher schwachen Pfandhaus-Rahmen und einem unebenen Tempo. 3,5/5

Zombie Hunter

Fantasy Filmfest 2013 Tagebuch - Zombie HunterDank einer mysteriösen, lilafarbenen Droge ist der Großteil der Menschheit zu Zombies mutiert (oder "Flesh Eaters" wie sie im Film bezeichnet werden). Ein Jahr nach dem Ausbruch der Seuche streift der namenslose Hunter durch das menschenleere Land mit einem einzigen Ziel: so viele Eaters wie möglich (erneut) ins Jenseits zu befördern – bis er dann auf eine kleine Kommune Überlebender trifft, geleitet von Jesús, einem Priester, der überraschend gut mit einer Axt umgehen kann.

Danny Trejo als axtschwingender, zombietötender Priester – was kann da schon schief gehen? Eine ganze Menge, wie es aussieht. Was eine Midnight-Madness-Trashgranate hätte werden können, ist einfach nur ein Trash, mit wenig Sinn für Humor oder Spaß, bei dem die Bezeichnung "C-Movie" ein unverdientes Kompliment wäre. Lediglich der immer zuverlässige Danny Trejo ist für die wenigen Pluspunkte von Zombie Hunter verantwortlich. Sogar er wirkt aber teilweise lustlos und uninteressiert am Rest des Films. Das pseudointellektuelle Geschwafel, das so gar nicht in einen Film mit Zombies, die als lilafarbener Matsch explodieren, hineinpassen, tun ihm und den anderen Darstellern keinen Gefallen. Wobei man hier von "Darstellern" kaum reden kann. Der Titelgebende Hunter (der übrigens NICHT Danny Trejo ist, obgleich die Poster das einen gerne glauben lasen), gespielt von Martin Copping, hat als Michael-Biehn-Lookalike das Charisma und die Coolness eines Klappstuhls, während Jade Regier als Pamela-Anderson-Verschnitt und Clare Niederpruem als nette Jungfrau von Nebenan nicht besser wegkommen. Die wenigen Humorversuche des Films zünden nicht wirklich, angesichts der schwerfälligen, sich scheinbar ernstnehmenden Dialoge, die sie umgeben. Spätestens wenn im Film dann CG-animierte Monstermutanten auftauchen, die als unfertige Spezialeffekte aus Resident Evil: Apocalypse aussehen, weiß man, woran man ist – und das ist nichts Gutes. 1/5

Devil’s Pass

Fantasy Filmfest 2013 Tagebuch - Devil's PassRenny Harlin ist wieder da. Okay, wirklich weg war der Regisseur von Stirb langsam 2, Tödliche Weihnachten und Cliffhanger nie, aber viel gehört hat man von ihm seit seinem letzten großen Hit, Deep Blue Sea, auch nicht. Klar, auch Filme wie Der Pakt – The Covenant und Zwölf Runden waren vielleicht solide finanzielle Erfolge, doch je weniger man sich an sie erinnert, umso besser. Seinen letzten halbwegs ordentlichen Film hat Harlin mit Mindhunters – einer Mischung aus Kills à la Final Destination und einem generischen Serienkillerthriller – inszeniert. Auch sein neustes Werk, Devil’s Pass (ursprünglich The Dyatlov Pass Incident betitelt) wird sich nicht vielen ins Gedächtnis einbrennen. Der Film ist gar nicht mal so schlecht, doch er ist auch nicht herausragend genug, um aus dem Pulk unzähliger ähnlicher Filme wirklich hervorzustechen.

Harlin, der sich bereits mit Mindhunters und Deep Blue Sea dem Horrorgenre angenähert hat, inszenierte mit Devil’s Pass seinen zweiten "richtigen" Horrorfilm nach Der Exorzist – Der Anfang. Dabei hat er für den Film den heutzutage ach so beliebten "Found Footage"-Ansatz verwendet, der hier im Gegensatz zu Frankenstein’s Army durchaus Sinn macht, wenn auch nicht zwingend notwendig gewesen wäre. Der Film handelt von fünf US-amerikanischen Studenten, die tief in das russische Ural-Gebirge reisen, um einen Dokumentarfilm über das (reale) Unglück am Dtjatlow-Pass im Jahre 1959 zu drehen. Damals sind neun Ski-Wanderer unter mysteriösen Umständen ums Leben gekommen. Bis heute ist die Todesursache ungeklärt. Zwei der Opfer wiesen jedoch Rippenbrüche auf, zwei Schädelbrüche und einer Frau fehlte die Zunge. Dass da an der Sache etwas faul sein muss, davon sind die jungen Dokumentarfilmer überzeugt. Doch sie finden viel mehr, als sie sich erhoffen konnten…

Devil’s Pass trägt zum Horrorgenre mit seinem klassischen Aufbau, einer eindimensionalen Figurenzeichnung und den genretypischen Elementen (seltsame Geräusche in der Nacht, flackernde Lichter, gruselige Bunker, warnende Einheimische) rein gar nichts Neues bei. Jedoch etabliert der Film in seiner ersten Stunde eine gute Atmosphäre, die die Aufmerksamkeit der Zuschauer fesselt. Wie schon seinerzeit bei Cold Prey, trägt das schneebedeckte Ambiente ebenfalls sehr positiv zur Grundstimmung bei. Als es jedoch darum geht, die Vorkommnisse nach und nach aufzuklären, gleitet der Film in einen Sumpf aus wenig überzeugenden Computereffekten (SPOILER: die Monster erinnern an sich teleportierende Gollums…) und Verschwörungstheorien ab und lässt nicht einmal ein bisschen Ambiguität und Raum für Interpretationen zu. Erst die letzten Minuten schlagen wieder einen cleveren Bogen zu den bisherigen Ereignissen, sodass der Film letztlich doch einen eher positiven Eindruck beim Zuschauer hinterlässt. 3/5

Cheap Thrills

Fantasy Filmfest 2013 Tagebuch - Cheap ThrillsWas würdet Ihr für Geld machen? Diese Frage haben sich bestimmt schon viele Menschen gestellt und ebenso viele Filme haben sich der Frage angenommen. Doch während es bei vielen Streifen darum geht, was man für Geld anderen antun würde, stellt das Regiedebüt von E. L. Katz, Cheap Thrills,  primär die Frage aus einer etwas anderen Perspektive – was würdet Ihr, mit Aussicht auf Geld, Euch selbst antun? Unser Protagonist Craig hat wirklich eine schwere Zeit. Seine Familie steht kurz vor dem Rauswurf aus der eigenen Wohnung, weil sie die Miete nicht bezahlen können und Craig selbst, einst ein vielversprechender Autor, verliert sogar einen Mindestlohn-Job in einer Autowerkstatt. Um sich kurz von seinen Sorgen abzulenken, trifft er sich mit seinem alten Schulkumpel Vince (Ethan Embry), den er bereits seit fünf Jahren nicht gesehen hat. In der Bar gesellt sich zu ihnen ein reiches Paar (David Koechner und Sara Paxton), das den beiden kleine, gut entlohnte Mutspielchen anbietet (z. B.: von einer Frau an der Theke eine Ohrfeige kassieren). Schließlich landen Craig und Vince im luxuriösen Anwesen des Ehepaars, wo die Herausforderungen einen immer unangenehmeren Charakter annehmen und das Ganze langsam aber sicher eskaliert.

Cheap Thrills ist ein kleiner, perfider Low-Budget-Streifen, der vor allem seine Spannung aus der Frage zieht, die sich die Zuschauer während des Films zwangsläufig stellen – "Würde ich für diese Summe Dies und Jenes auch tun?". Der größte Lob geht aber an die sehr natürlich und überzeugend agierenden Darsteller. Pat Healy und Sara Paxton haben zwar schon in Ti Wests Retro-Horrorstreifen The Innkeepers mitgespielt, doch man sollte in Cheap Thrills nicht die ungezwungene Chemie erwarten, die die beiden in jenem Film hatten. Stattdessen sind die gemeinsamen Szenen bisweilen sogar unangenehm und eine extrem bizarr. Healy und Embry sind glaubwürdige Protagonisten. Sie verkörpern eben diese "Jedermänner", die in eine solche Situation geraten könnten. David Koechner legt aber einen nicht minder starken Auftritt als der reiche Ehemann hin, der seine gelangweilte und verwöhnte Frau beeindrucken möchte – wer hätte je gedacht, dass der Comedy-Star Koechner so böse (wenn auch nicht auf eine offensichtliche Art und Weise) spielen kann? Schön ist auch, dass die "Mutproben", die den beiden gestellt werden, zwar pervers genug sind, um wirklich unter die Haut zu gehen, jedoch nie zu übertrieben und krank wirken. Eine davon beinhaltet den unangenehmsten Sound-Effekt, denn ich seit einer Weile bei einem Film gehört habe.

Nach etwas zwei Dritteln des Films, wird es klar, worauf Cheap Thrills hinaus will und so ist das Ende nicht mehr so schockierend und überraschend, wie es vielleicht hätte sein können. Das ändert jedoch nichts daran, dass das Schlussbild sich noch lange ins Gedächtnis der Zuschauer einprägen wird und der Film noch für viel Diskussionsstoff nach der Sichtung sorgen wird. 4/5

Cottage Country

Fantasy Filmfest 2013 Tagebuch - Cottage Country Bevor ich auf Cottage Country eingehe, würde ich gerne ein Paar Worte zu dem animierten Kurzfilm StrAngel verlieren, der als Vorprogramm von Cottage Country lief. Als der einzige 3D-Beitrag des diesjährigen Fests angekündigt, lief er in Köln schließlich doch in 2D, was aber dem Vergnpgen nicht geschadet hat. Die Geschichte von StrAngel hat man schon häufiger auf die eine oder andere Weise gesehen bzw. gelesen: Edgar (eine nicht allzu subtile Anspielung auf Edgar Allan Poe)  ist ein reicher, elitärer Snob, der auf seine Mitmenschen herabsieht und sich gerne mit einer Büste von Immanuel Kant unterhält. Seiner Meinung nach, bekommen die Menschen immer das, was sie verdienen und alle seien selbst für ihr Schicksal verantwortlich. Am gleichen Abend besucht ihn eine wahrlich seltsame Erscheinung, ein "Engel des Seltsamen", der Edgar eines Besseren belehren will, jedoch auf taube Ohren stößt. Als nach einem Missgeschick seinerseits aber sein gesamtes Hab und Gut von Edgar abbrennt, sieht es wieder anders aus. Das ist nur der Beginn seiner Abwärtsspirale… StrAngel vermischt gekonnt die Motive der allseits bekannten "Weihnachtsgeschichte" von Dickens mit Tim Burtons Ästhetik und einigen schönen Poe-Referenzen. Das Ganze ist liebevoll animiert, wenn auch die Schlusspointe bereits nach zwei Minuten erkennbar ist.

Nun zum Hauptfilm, er mich leider weniger als der Vorfilm begeistert hat. In Cottage Country fährt der ewig unterwürfige  und die Konfrontation vermeidende Todd (Tyler Labine) mit seiner Freundin Cammie (Malin Akerman) in die Familienhütte seiner Eltern. Dort möchte er ihr einen Heiratsantrag machen (was Cammie aber bereits längst weiß). Sein Unruhe-stiftender Bruder Salinger (Dan Petronijevic) macht ihm aber einen Strich durch die Rechnung, wenn er dort mit seiner freizügigen Freundin Masha (Lucy Punch) auftaucht. Als Salinger sich der Forderung verweigert, das Haus zu verlassen, kommt es zu einem handgreiflichen Streit zwischen ihm und seinem Bruder, in dessen Verlauf Todd kurzerhand seinem Bruder eine Axt in den Hals rammt. Nach kurzen Gewissensbissen, ist Todd und Cammie eins klar – die Leiche muss weg, ebenso wie Salingers Freundin Masha. Nichts soll im Wege eines wunderschönen Heiratsantrags stehen. Doch je mehr sich die beiden in die Sache hineinsteigern, desto mehr gerät alles außer Kontrolle.

Lustige Morde in den Wäldern und Tyler Labine im Fantasy-Filmfest-Kontext? Das weckt doch schnell sehr gute Erinnerungen an den jetzt schon kultigen Tucker and Dale vs. Evil. Wer jedoch auf einen ähnlichen Spaßfilm hofft, wird ziemlich schnell enttäuscht sein. Spätestens wenn die von Lucy Punch hervorragend (mit schwerem russischen Akzent) gespielte Masha von der Bildfläche weg ist, wird der Film eher zu einem zähen Stück über Schuldgefühle und die Besessenheit von einem Beziehungsideal. Das wäre vielleicht in einem insgesamt etwas ernsthafteren Film durchaus angemessen, doch hier stimmt nicht die Balance zwischen Komik in der ersten Filmhälfte und relativer Ernsthaftigkeit in der zweiten. Malin Akerman überzeugt in ihrem zweiten Auftritt beim diesjährigen Fantasy Filmfest (nach The Numbers Station) als die immer mehr offensichtliche Psychopathin und Tyler Labine ist, wie üblich, sympathisch. Man wünscht sich aber trotzdem mehr von Lucy Punch und vor allem mehr von dem bösen Humor der ersten halben Stunde. Den Weg dorthin findet der Film erst wieder in seinen letzten Minuten und dann ist es schon fast zu spät. 2,5/5

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Nun ist es schon fast vorbei. Am letzten Tag wird das Fantasy Filmfest 2013 für mich mit Uwant2killhim?, V/H/S 2 und einem der angeblich größten Genre-Highlights des Jahres, You’re Next, zu Ende gehen. Bleibt also dran.

Bisherige Ausgaben:

Tag 1

Tag 2

Tag 3

Tag 4

Tag 5

Tag 6

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