Primate (2025) Kritik

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Primate, USA 2025 • 89 Min • Regie: Johannes Roberts • Drehbuch: Johannes Roberts, Ernest Riera • Mit: Johnny Sequoyah, Gia Hunter, Jessica Alexander, Victoria Wyant, Benjamin Cheng, Troy Kotsur • Kamera: Stephen Murphy • Musik: Adrian Johnston • FSK: ab 16 Jahren • Verleih: Paramount Pictures • Kinostart: 29.01.2026 • Deutsche Website

Im Kino ist der Affe los: Mit seinem animalischen Slasher „Primate“ macht der britische Regisseur Johannes Roberts die Enttäuschung über seine vorherige, lustlose Videospieladaption „Resident Evil: Welcome to Raccoon City“ ein Stück weit wieder gut. Kurz und knackig, aber vor allem gemein und überaus blutig, kehrt Roberts zu einem simplen aber effektiven Stoff zurück, den er seit seinem Debüt „F“ und dem überraschend gelungenen „The Strangers: Opfernacht“ beherrscht. Isoliert muss sich erneut eine Gruppe gegen eine unheimliche Gefahr zur Wehr setzen, die diesmal einen tierischen Twist erhält.

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In „Primate“ werden keine Gefangenen gemacht, wie ein Tierarzt in der Eröffnungsszene auf grausige Weise erfahren muss, als er einen Schimpansen in einem privaten Gehege behandeln will. 36 Stunden zuvor erreicht die Studentin Lucy (Johnny Sequoyah) mit ihren Freunden Hannah (Jessica Alexander), Kate (Victoria Wyant) und Nick (Benjamin Cheng) ihr luxuriöses Familienanwesen in Hawaii. Zwischen Lucy und Hannah herrscht Spannung und auch Erin (Gia Hunter), Lucys jüngere Schwester, beklagt, dass sie so lange vernachlässigt wurde. Ansonsten steht einer feucht-fröhlichen Nacht fast nichts im Weg. Lucys tauber Vater Adam (Troy Kotsur) ist aufgrund einer Buchmesse außer Haus und zwei partygeile Jungs haben sich bereits angekündigt. Nur mit Ben, dem zur Familie gehörigen, intelligenten Schimpansen, stimmt etwas nicht. Offenbar zuvor von einem Mangusten gebissen, benimmt sich der Primat seltsam und zunehmend aggressiv. Um sich vor dem anscheinend tollwütigen Ben in Sicherheit zu bringen, flüchten die Freunde zunächst in den Pool. Doch Möglichkeiten, Hilfe zu rufen, werden von dem unberechenbaren Tier versperrt. Es soll nicht lange dauern, bis Ben sein nächstes Opfer fordert …

Primaten haben im Horrorkino eine lange Tradition. Während die riesige Gestalt im Klassiker „King Kong und die weiße Frau“ noch der tragische Held war, sollen die Tiere in späteren Werken wie Richard Franklins „Link – Der Butler“, George A. Romeros „Der Affe im Menschen“, dem Trashfest „Shakma“ oder zuletzt Jordan Peeles „Nope“ zu blutrünstigen Antagonisten mutieren. Eine kuriose Ausnahme bildet die mit einer Rasierklinge bewaffnete und auf Rache sinnende Schimpansin Inge in Dario Argentos übersinnlichem Giallo „Phenomena“. Johannes Roberts' „Primate“ steht in einer Tradition mit den genannten Arbeiten, erinnert aber mit seiner spartanischen Struktur noch mehr an einen anderen Schocker: In der Stephen-King-Adaption „Cujo“ sah sich eine Mutter mit ihrem kleinen Sohn einem tollwütigen Bernhardiner ausgeliefert, vor dem sie nur in ihrem defekten Auto Schutz finden konnte.

Was in „Cujo“ das Fahrzeug war, ist in „Primate“ der Infinity-Pool. Wie eine Texttafel zu Beginn erläutert, war Tollwut lange Zeit nur unter dem Begriff Hydrophobie bekannt, da bei Infizierten allein der Anblick von Wasser eine körperliche Reaktion auslöst. Das Dilemma im Film ist, dass sich die Smartphones der Anwesenden außer Reichweite befinden und das Gebäude weit abgeschieden von der Nachbarschaft liegt. Was in Roberts' Arbeit vergleichsweise fehlt, ist die Dringlichkeit und Dramatik. In „Cujo“ hat nicht nur der Hund, sondern ebenso der Flüssigkeitsmangel in Angesicht der glühenden Hitze, die Situation in ein lebensgefährliches Spiel auf Zeit verwandelt. Die Figuren in „Primate“ befinden sich zweifellos in einer brenzligen Lage, doch der Einsatz ist hier deutlich niedriger.

Während die Protagonisten zwar einigermaßen sympathisch, aber auch nicht besonders interessant ausgefallen sind, kann „Primate“ dagegen voll mit seinem haarigen Killer punkten. Roberts setzt auf praktisches Handwerk anstelle von CGI, was sich im Resultat auszahlt. Der vom Schauspieler Miguel Torres Umba verkörperte Ben verbreitet sowohl während der wilden Attacken als auch in den lauernden Phasen ein Gefühl von Terror. Der Schimpanse mag es offensichtlich nicht, wenn man sich vor ihm zum Affen macht, weshalb vor allem ein Charakter ein besonders entsetzliches Ende findet. Wenn Ben zuschlägt, dreht der Film das Gorelevel auf 11, was die hartgesottenen Genrefreunde sicher entzücken dürfte.

Schon bei seinen Vorgängerfilmen hat sich Johannes Roberts offen als Verehrer von „Halloween“-Schöpfer John Carpenter geoutet. Auch „Primate“ ist geprägt von einem atmosphärischen Synthie-Score und einigen Einstellungen, die an den Meister erinnern. So gibt es eine intensive Szene in einem Schrank, die als Hommage an den Kampf zwischen Laurie Strode und Michael Myers verstanden werden kann. Ein weiteres Spannungs-Highlight ist sicher ein Fluchtversuch per Auto – bei welchem man zu spät feststellt, dass man den falschen Schlüssel ergriffen hat.

„Primate“ ist ein unmissverständlicher B-Film, an dem kein Gramm Fett sitzt und der genau deshalb wunderbar als kurzweiliger Kinoschocker funktioniert. Ohne große Umschweife, unnötige Nebenplots oder Belehrungen geht es zügig ans Eingemachte, wobei Grausamkeiten gegen Mensch und Tier durchaus explizit ausfallen – das nochmal als kleine Warnung! Mit seinen schicken, exotischen Locations bietet Roberts zusätzliches Eye-Candy und entlässt sein Publikum nach gut 80 adrenalingetränkten Minuten in den Abspann. Der Regisseur und Co-Autor hat sicher keinen sehr innovativen oder tiefgründigen Genrebeitrag erschaffen, aber dafür einen straffen Crowd-Pleaser, der seine Zielgruppe bestens versteht und diese kompetent unterhält.


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