An der Seite von anderen, damals ebenfalls noch unbekannten Darstellern wie James McAvoy, Simon Pegg oder Michael Fassbender, debütierte Tom Hardy vor 16 Jahren in der HBO-Miniserie Band of Brothers, bei der unter anderem Tom Hanks Regie führte und am Drehbuch mitschrieb, und im gleichen Jahr unter Ridley Scotts Aufsicht im Kriegsfilm Black Hawk Down. Trotz Auftritten in Star Trek: Nemesis oder Layer Cake schlich er sich gefühlt erst gegen 2008 langsam auf die Beobachtungslisten von Fans und Kritikern. Bis heute konnte der charmante, talentierte Brite von da an in zahlreichen Filme brillieren und mit seiner (stärksten) Performance in The Revenant – Der Rückkehrer erstmalig eine Oscar-Nominierung als Bester Nebendarsteller einheimsen, gewann aufgrund starker Konkurrenz aber leider nicht. Auch wenn er es neben Mark Ruffalo (Spotlight) am meisten verdient gehabt hätte. Mit dem Tom Hardy 3er-Paket ehrt Studiocanal den grummeligen Akzentkünstler zum Heimkinostart seiner Doppelrollen-Show Legend nicht nur, sondern vereint gleich zwei seiner besten Leistungen.

Dame König As Spion

Dame König As Spion (2011) CoverEine wirkliche Berechtigung hat Thomas Alfredsons Old-School-Agenten-Thriller in dieser Kollektion nicht unbedingt, da Hardy als Ricki Tarr nur eine kleinere Rolle hat. Die paranoide Schachfigur im Schatten mimt er jedoch mit einer nuancierten Nervosität. Ganz im Gegensatz zum stark zurückhaltenden Film selbst. Mit einem feinen Auge inszeniert und verschachtelt Tomas Alfredson seine überaus komplexe Intrigen-Story punktgenau und überaus kalkuliert. Hoyte van Hoytemas (Interstellar) symmetrische, unaufgeregte Kinematographie visualisiert damit fast schon den Ton des Films. Es bedarf einer großen Aufmerksamkeit um diesem intriganten Rätselspiel zu folgen, dessen Ende genauso kühl ausfällt wie die Köpfe der anderen Agenten während der Ermittlung, in einer finalen Einstellung aber eine umso größere Poesie entfaltet. Berechnend inszeniert, hochkarätig besetzt, aber schwer zugänglich. Man fühlt sich fast immer ein Stück aus der Erzählung herausgedrängt – wiederholte Sichtungen werden aber womöglich Aufschluss liefern und einen selber Alfredsons Werk immer mehr schätzen lassen. 3,5/5

Bronson

Bronson (2008) Cover Nach der Pusher-Trilogie und vor überheblichen Fehlversuchen wie Walhalla Rising und Only God Forgives drehte Nicolas Winding Refn seinen besten Film. Nicht Drive, der trotz großartiger Elemente etwas an Refns Fetisch für platte Symbolik und unnötige Gewaltexzesse krankt – the name is „Charlie Bronson, I am Britain’s most violent prisoner“, der zumindest leistungstechnische Durchbruch von Tom Hardy als manischer Häftling Michael Peterson a. k. a. Charles Bronson. Nach dem bildgewaltigen Walhalla Rising schraubt Refn seine Optik eher minimalistischer. Plastische Puppenhaus-Kulissen werden in sein weiterhin typisches Farbspiel und die perfektionistische Bildkomposition integriert. Nicht nur optisch erinnert Bronson stark an Kubricks A Clockwork Orange. Zwar setzen beide Filme im Verlauf unterschiedliche Schwerpunkte, doch sind sie im Kern Studien einer moraltrotzenden Figur und des Gewalteinsatzes dieser. Refn gräbt nach Ursprüngen und späteren Rissen in der Kunstfigur Bronson, die Michael Peterson wie Clownsschminke aufgetragen hat. Der Einsatz der Theaterbühne, auf der sich Bronson dem Publikum präsentiert, gibt dem schwarzen Humor damit eine gekonnte Doppelbödigkeit. Diese One-Man-Show wäre jedoch nichts ohne seinen Hauptdarsteller. Im diesem Falle ein Tom Hardy, der sich so variabel und spielfreudig gibt wie noch nie. 4/5

No Turning Back

No Turning Back (2013) Cover „Ivan Locke.“ Nach der Arbeit steigt er in sein Auto und fährt los. Geradeaus, nur geradeaus. In den nächsten 80 Minuten werden wir bei ihm sein. Einem Mann, der ehrlich und richtig handelt und dem einen Fehler, den er begangen hat, der nun droht, seine gesamte Existenz auf den Kopf zu stellen. Das Autotelefon ist pausenlos in Benutzung, Ivan muss das wichtigste Projekt in seiner Karriere fernsteuern, sein Job steht auf der Kippe, seiner Familie muss er etwas beichten und seinen Ausrutscher handhaben. Stolpert von einem Telefonat und Gefühlsextrem ins andere. Steven Knights Inszenierung hält den Zuschauer auch visuell durchgehend am Haken. Alles unterwirft sich einer emotionalen Logik, der die ausgangslose und absolut nachvollziehbare Motivation des Protagonisten zugrunde liegt, angeführt von einem Tom Hardy in Hochform. Mit No Turning Back hat die deutsche Titelgebung zur Abwechslung den Nagel auf den Kopf getroffen und beschreibt die Agenda des stetig treibenden Kammerspiels mit tief emotionalen Kern, großartigen Darsteller und fantastischen Score. 84 Minuten Emotionen. 4,5/5


Tom Hardy Box-Set CoverDas Tom Hardy Box-Set ist seit dem 12. Mai 2016 im Verleih von Studiocanal erhältlich und enthält die drei Spielfilme in einem Schuber.
Die Filme selbst enthalten neben dem Hauptfilm jeweils ein Audiokommentar des Regisseurs und weitere kleine Extras.