Fünf Serienkiller-Thriller, die nicht jeder kennt

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Serienkiller-Filme Titelbild
ÜBERBLICK DER REZENSIONEN

Seit diesem Donnerstag läuft die Jo-Nesbø-Verfilmung „Schneemann“ in unseren Kinos. Auch wenn der Film international von Kritikern ziemlich in die Mangel genommen wurde und auch in meiner Kritik nicht besonders gut abschneidet, könnte dessen sehr stimmungsvoller Trailer bei vielen Zuschauern wieder das Interesse an einem Genre geweckt haben, das vor allem in den Neunzigern nach Meisterwerken wie Jonathan Demmes „Das Schweigen der Lämmer“ und David Finchers „Sieben“ extrem angesagt war und mit mal gelungenen und mal missratenen Beiträgen Zuschauer in die Kinos zog: Der Serienkiller-Thriller.

Nun sollte jeder ernsthafte Filmfreund die beiden genannten Meilensteine natürlich bereits kennen, doch gibt es auch sehenswerte Werke dieser Gattung, die im Strom untergegangen sind oder dem Boom zeitlich voraus waren. An dieser Stelle möchte ich euch kurz fünf Vertreter vorstellen, die ich neben den üblichen Verdächtigen persönlich empfehlen und euch vielleicht für den einen oder anderen spannenden Filmabend ans Herz legen kann. Los geht´s:

Jennifer 8 (1993)

„Withnail & I“-Regisseur Bruce Robinson war mit der problematischen Entstehung seines Thrillers alles andere als zufrieden und auch von Seiten der Presse hagelte es wenig Lob. Eigentlich unverständlich, da die Geschichte über einen Killer, der blinden Frauen nachstellt, zwar nicht mit ausgeprägter Originalität punkten kann und die Auflösung etwas zu sehr aus dem Hut gezogen kommt, aber dafür mit einer beklemmenden Atmosphäre besticht und tolle Darsteller wie Andy Garcia, Uma Thurman und John Malkovich mit überzeugenden Performances an Bord hat. Ebenfalls sehr effektiv: Der Score von Christopher Young („Hellraiser“).

The Ripper (1988)

Das in den USA unter dem deutlich besseren Titel „Jack´s Back“ veröffentlichte Regiedebüt von Rowdy Herrington („Road House“) zeigt den blutjungen James Spader in gleich zwei Rollen: Als sensiblen Medizinstudenten, der scheinbar einem Serienmörder, der 100 Jahre nach Jack the Ripper dessen Taten imitiert, auf die Spur kommt, und als dessen rüpelhaften Zwillingsbruder, der von beunruhigenden Visionen geplagt wird. Mit einem klasse 80er-Soundtrack und stylischen Bildern ausgestattet, mag einen die finale Enthüllung nicht zwingend aus der Reserve locken, doch das flotte Tempo und hohe Spannungslevel sorgen dafür, dass man das Werk immer gern aus der Kiste der Vergangenheit kramt.

Knight Moves (1992)

Christopher Lambert spielt Schach gegen einen Wahnsinnigen, der es auf Frauen abgesehen hat – nein, das ist keine moderne Variation von Ingmar Bergmans „Das siebente Siegel“, sondern ein clever konstruierter Neo-Giallo von dem inzwischen verstorbenen Schweizer Carl Schenkel. In einem finsteren Schwarz-Weiss-Intro lernen wir den Killer bereits als psychotisches Kind kennen. Was dann folgt ist ein sehr packender Whodunnit und ein tödliches Spiel zwischen Meister und Herausforderer. Die gruselig eingefangenen Stalker-Szenen gehen ebenfalls unter die Haut.

Die Augen der Laura Mars (1978)

Mit dieser Killer-Hatz im Model-Milieu hat sich Irvin Kershner für den Regie-Posten beim zweiten Star-Wars-Abenteuer „Das Imperium schlägt zurück“ empfohlen. Entgegen des späteren Blockbusters geht es in dieser Arbeit weniger actiongeladen, aber dafür ausgesprochen nervenaufreibend zur Sache. Als berühmte Fotografin erlebt Faye Dunaway durch die Augen des Täters sein blutiges Werk hautnah mit und begibt sich in Lebensgefahr. Ist es jemand aus ihrem näheren Umfeld? Tommy Lee Jones steht der verunsicherten Frau als schützender Detektiv zur Seite und in weiteren Rollen sind Brad Dourif und Raul Julia zu sehen. Das Drehbuch stammt übrigens aus der Feder des damals noch relativ unbekannten John Carpenter, dessen Karriere im Folgejahr mit „Halloween“ richtig durchstarten soll.

Memories of Murder (2003)

Eigentlich ein regelrechtes Meisterwerk seines Genres und ein quasi Vorläufer zu David Finchers akribischer True-Crime-Aufarbeitung „Zodiac“. Unter der Regie von Joon-ho Bong („Snowpiercer“) beschäftigen sich ein fauler Ermittler und sein Partner lieber damit, eine Mordwelle im Jahr 1986 mit linken Methoden ad acta zu legen, anstatt dem Mörder das Handwerk zu legen. Als sich ein smarten Detektiv aus der Großstadt ankündigt und beginnt, alte Fälle mit den Taten in Verbindung zu bringen, gibt es böses Blut zwischen den Lagern. Mit schrägen Zwischentönen, wie man sie aus dem koreanischen Kino kennt, könnte der Film dem breiten Massengeschmack etwas zu sehr aus dem Ruder laufen, aber wer sich offen an das ruhig erzählte Werk tastet, wird definitiv belohnt. Das Ende ist frustrierend und unbefriedigend – und genau deshalb so brillant!

Das wäre nun meine sehr kleine Auswahl an vergessenen Perlen. Natürlich definiert das Wort „vergessen“ jeder anders und mancher vermisst seinen eigenen Favoriten in der Liste.

Also was sind eure Lieblings-Killerthriller, die möglicherweise kaum jemand kennt?