Melvin Van Peebles tot

Melvin Van Peebles in Sweet Sweetbacks Lied (1971) © Cinemation Industries

Quelle: Deadline

Melvin Van Peebles, der mit seinem Film Sweet Sweetbacks Lied (OT: Sweet Sweetback’s Baadasssss Song) zu einem der Pioniere des Blaxploitation-Kinos der Siebziger wurde, ist Dienstagabend bei sich zu Hause in Manhattan gestorben. Er war 89 Jahre alt. Sein Sohn Mario Van Peebles, seines Zeichens ebenfalls ein Schauspieler und Regisseur, bestätigte den Tod seines Vaters.

Van Peebles wurde 1932 in Chicago geboren und begann seine Karriere bereits in den Fünfzigern mit Kurzfilmen. Da jedoch niemand in Hollywood Interesse an einer Zusammenarbeit gezeigt hatte, zog er mit seiner Familie erst in die Niederlande, und dann nach Paris, wo er die Sechziger verbrachte. In Paris war Van Peebles in französischer Sprache als Schriftsteller, Bühnenautor und Journalist tätig. Dort inszenierte er auch 1967 seinen ersten Spielfilm The Story of a Three-Day Pass (OT: La permission) über einen schwarzen US-Soldaten, der wegen einer Affäre mit einer weißen Ladenverkäuferin in Paris degradiert wird. Nach dem Kritikererfolg des Films, drehte Van Peebles 1970 in Hollywood seinen zweiten Film, die Komödie Watermelon Man über einen bigotten Weißen, dessen Hautfarbe sich eines Tages spontan ändert.

Themen der Benachteiligung und Ausgrenzung von Afroamerikanern fanden sich in den meisten von Van Peebles Filmen wieder. Sein großer Durchbruch und der bezeichnende Moment seiner Karriere kam 1971 mit Sweet Sweetbacks Lied, den er größtenteils mit seinem eigenen Geld als eine Do-It-Yourself-Produktion inszeniert hat. Van Peebles war Regisseur, Autor, Hauptdarsteller, Produzent, Cutter und Komponist des Films. Seine Stunts führte er alle selbst aus und Gerüchten zufolge sollen einige seiner zahlreichen Sexszenen im Film unsimuliert gewesen sein. Bill Cosbys Leihgabe von $50.000 half, den Film fertigzustellen, der sich als Riesenerfolg entpuppte. Bei einem Budget von nur 150.000 US-Dollar, spielte er in den USA mehr als 15 Millionen ein.

Die Geschichte eines jungen Mannes, der in einem Bordell aufwächst, in Sexshows auftritt und später von der Polizei unschuldig des Mordes bezichtigt wird, gilt als einer der frühen Meilensteine des Blaxploitation-Kinos. Alle Mitglieder der Black Panther Party wurden dazu aufgefordert, den Film zu schauen. Mit seinem schnellen Schnitt und Jump Cuts war er außerdem filmtechnisch seiner Zeit voraus, zumindest im US-amerikanischen Kino. Das Vermächtnis des Films bleibt groß. Kommendes Wochenende wird er anlässlich seines 50. Jubiläums beim New York Film Festival aufgeführt werden. Mario Van Peebles drehte 2003 den Film Baadasssss! über die Entstehung von Sweet Sweetbacks Lied und spielte darin seinen eigenen Vater. Im Originalfilm trat der junge Van Peebles als junge Version der Hauptfigur auf.

Im selben Jahr wie Sweet Sweetbacks Lied erschien auch der Blaxploitation-Klassiker Shaft mit Richard Roundtree und zementierte das Genre.

Ein Jahr nach seinem großen Hit drehte Van Peebles wieder als Autor, Regisseur und Komponist den etwas weniger erfolgreichen Don’t Pay Us Cheap. Seine nächste Regiearbeit kam erst 17 Jahre später mit Identity Crisis, in dem sein Sohn Mario die Hauptrolle übernahm.

Van Peebles drehte danach nur noch sporadisch Filme, war aber immer wieder als Schauspieler aktiv, u. a. in der Stephen-King-Miniserie "The Shining", dem Actionstreifen Tödliche Geschwindigkeit und der kurzlebigen TV-Serie "Sonny Spoon".