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Quelle: Entertainment Weekly

Es ist wirklich bemerkenswert, dass es im Zeitalter des Internets irgendjemand noch schafft, einen Film komplett im Geheimen zu produzieren, ohne dass vorher etwas über dessen wahre Natur durchsickert. Letztes Jahr gelang das Adam Wingard mit Blair Witch, der vor der Enthüllung seines echten Titels als The Woods vermarktet wurde. Jetzt überraschte Indie-Horror-Regisseur Adam Green seine Fans mit einem vierten Hatchet-Film, der nicht nur abgedreht ist, sondern auch komplett fertig.

Im Juli kündigte Green an, dass Hatchet zu seinem zehnjährigen Jubiläum in einer besonderen Fassung mit neuem Material beim FrightFest in London gezeigt werden würde. Viele nahmen an, dass vielleicht eine Version mit eingefügten, zuvor entfernten Szenen sein könnte oder gar ein Zusammenschnitt aller drei Filme, von dem auch mal die Rede war.

In Wahrheit handelt es sich jedoch um einen brandneuen Film, der gestern unter dem Decknamen "Hatchet 10th Anniversary Celebration" in Los Angeles Premiere feierte, bevor er am Wochenende in England beim FrightFest laufen wird. Was die Zuschauer erwartete, war ein Sequel/Quasi-Reboot mit dem Titel Victor Crowley, bei dem Green wieder im Regiestuhl saß, nachdem er sich bei Hatchet III eine Auszeit gönnte. Wie schon bei den ersten drei Filmen, schrieb Green wieder das Drehbuch. Über die letzten zwei Jahre hat Green den Film mit einer kleinen Crew unter dem Decktitel Arwen’s Revenge produziert.

Wir haben auch schon den Teaser-Trailer zum neuen Film für Euch:

Offiziell wird Victor Crowley als Reboot der Hatchet-Reihe bezeichnet, ein Wort, das bei vielen Horrorfans schon beim Lesen für eine Magenverstimmung sorgt. Doch wenn man sich den Plot des Films durchliest, klingt er eigentlich nach einem echten Sequel.

Hatchet 4 spielt zehn Jahre nach dem Massaker der ersten drei Filme. Als einziger Überlebender von Crowleys Amoklauf, verbrachte Andrew Yong (Parry Shen) ein Jahrzehnt damit, zu behaupten, Victor Crowley sei für die Morde an 49 Menschen aus der Original-Trilogie verantwortlich gewesen. Doch niemand glaubt Yong, bis eine Wendung des Schicksals ihn an den Ort der Tragödie zurückbringt, Crowley versehentlich zum Leben wiedererweckt wird und Yong sich dem blutrünstigen Geist aus seiner Vergangenheit stellen muss.

Parry Shen spielte bislang in jedem der Hatchet-Filme mit, jedoch immer einen unterschiedlichen Charakter. Im ersten Film fiel er Crowley zum Opfer, im zweiten stellte er den Zwillingsbruder des Opfers aus Teil 1 dar und in Hatchet III spielte er einen völlig neuen Charakter, Andrew, den er nun auch in Teil 4 verkörpert. Er ist nicht der einzige Rückkehrer, denn natürlich (und zum Glück) spielt Genre-Veteran Kane Hodder wieder Victor Crowley. Diese neue Legende des Horrorkinos wurde Hodder wie auf den Leib geschneidert.

Regisseur Adam Green erzählte weitere Details zur Handlung des Films: (aus dem Englischen)

Der einzige Überlebende, der je gefunden wurde, war Parry Shens Charakter Andrew Yong. Zehn Jahre später ist er ein wenig wie ein Celebrity. Er wird als O.J. Simpson des Honey-Island-Sumpfs bezeichnet, weil die meisten Leute ihm seine Geschichte nicht glauben. Aber er wurde freigesprochen, weil es keine Beweise gab, dass er der Täter war. Einige Leute lieben ihn, viele Leute hassen ihn. Und jetzt hat er ein Buch geschrieben, das er am 10. Jubiläum der Ereignisse von 2007 veröffentlicht. Er wird dazu überredet, ein letztes Interview am Ort des Massakers zu geben, wohin er niemals zurückgekehrt ist. Zeitgleich mit seiner Rückkehr samt einer Kamera-Crew, passiert noch etwas Anderes, was einen gewissen Jemand zurückbringt.

Also geht das Gemetzel wieder von vorne los. Die gute Nachricht ist: deutsche Fans werden nicht lange auf die Rückkehr von Victor Crowley warten müssen. Tiberius hat angekündigt, dass der Film unter dem Titel Hatchet – Victor Crowley lebt im Rahmen des Fantasy Filmfests deutschlandweit im September laufen wird. Das passt, schließlich wurden auch die ersten drei Filme auf dem FFF gezeigt.

Doch wie konnte Green das Projekt so lange geheim halten? Das erklärte er ebenfalls:

Das Skript trug den Titel Arwen’s Fancy Dinner und dann, als wir ihn drehten, hieß der Film Arwen’s Revenge, einfach weil dieser Titel eher auf die Filmklappe passte. Niemand hat je von Hatchet oder Victor Crowley gesprochen. Jeder sprach von dem Film als Arwen’s Revenge. Man kann die Leute alle Geheimhaltungsverträge der Welt unterschreiben lassen, das wird keine Auswirkungen haben, wenn man eine große Crew hat. Viel Glück dabei, herauszufinden, wer sich verplappert hat. Also setzte ich mich mit jedem einzelnen Team-Mitglied zusammen und erklärte, wieso ich es mache und für wen ich es mache. Vielleicht wird das von keinem das Leben verändern, wenn sie hören "Es gibt einen neuen Hatchet-Film", aber für die Fans, die die Reihe mit Leidenschaft lieben, wird es eine Überraschung sein. Ich bin so froh, dass es auch bei einer geblieben ist.

Falls jemand mit dem Franchise nicht vertraut ist, ein kurzer Abriss: Hatchet erzählt die Legende von Victor Crowley, der als Kind unter einer seltenen Krankheit litt und dadurch entstellt war. Von anderen Kindern wurde er regelmäßig gemobbt und gehänselt, was letztlich zu seinem Tod führte. Nach seinem Tod sucht er nun in bester Jason-Voorhees-Manier die Sümpfe rund um New Orleans heim. In den ersten drei Filmen kämpfte Marybeth (Tamara Feldman im ersten Teil, Danielle Harris in den Sequels) gegen Crowley, um den Tod ihres Vaters und ihres Bruders zu rächen. In der Horrorfilm-Fangemeinde punkteten die Hatchet-Streifen hauptsächlich mit ihren durchweg handgemachten Masken- und Gore-Effekte der alten Schule. Ein weiterer Bonuspunkt war die Besetzung zahlreicher bekannter Namen aus dem Genre. Neben Kane Hodder als Crowley und aus der Halloween-Reihe bekannten Danielle Harris, traten in den drei Filmen u. a. Robert Englund (Nightmare on Elm Street), Tony Todd (Candyman), Joshua Leonard (Blair Witch Project), R.A. Mihailoff (Leatherface) und Caroline Williams (Texas Chainsaw Massacre 2) auf.

Ich habe alle drei Hatchet-Filme auf dem Fantasy Filmfest gesehen und ich kann mich noch lebhaft an die Vorführung des ersten Films erinnern als eins der spaßigsten Horrorfilmerlebnisse, die ich im Kino hatte, was natürlich auch am entsprechenden Publikum lag. Hatchet war wirklich ein astreiner Slasher der Achtziger-Schule mit genau der richtigen Balance aus Selbstironie und Ernst. Doch irgendwie war bei den Sequels für mich die Luft schnell raus, obwohl ich Danielle Harris gerne mag. Es fehlten die Frische und der Elan des ersten Teils, alles wirkte eher zweckmäßig. Dennoch werde ich mir natürlich auch Teil 4 anschauen, sobald er beim hiesigen Fantasy Filmfest in Köln gezeigt wird.