Von allen Auszeichnungen, die in Hollywood im Vorfeld der Oscars verliehen werden, haben keine eine höhere Vorhersage-Genauigkeit im Hinblick auf die späteren Oscarsieger als die der Regiegewerkschaft Directors Guild of America (DGA). Neben den Gewerkschaften der Schauspieler (SAG-AFTRA), der Produzenten (PGA) und der Drehbuchautoren (WGA) bildet die DGA eine der vier großen Industriegewerkschaften, deren Preise zu den wichtigsten Prädiktoren der Oscars zählen.
Die DGA Awards werden bereits seit 1949 verliehen und zählen damit zu den ältesten Auszeichnungen der Hollywood-Filmindustrie, abseits der Academy Awards. In ihrer gesamten Geschichte stimmten die DGA Awards nur in acht von 77 Jahren nicht mit dem Regie-Oscar überein. In den letzten 20 Jahren kam das lediglich zweimal vor, als die DGA Ben Affleck für Argo und Sam Mendes für 1917 auszeichnete, die Oscars jedoch in den jeweiligen Jahren an Ang Lee für Life of Pi – Schiffbruch mit Tiger bzw. Bong Joon-ho für Parasite gingen. Seit die DGA Awards verliehen werden, hat noch niemand einen Regie-Oscar ohne eine vorherige DGA-Nominierung gewonnen. Darüber hinaus haben 20 der letzten 30 Filme, die von der DGA ausgezeichnet wurden, später auch den Oscar als "Bester Film" gewonnen.
Als die DGA also kürzlich Paul Thomas Andersons meisterhafte Inszenierung von One Battle After Another prämierte, zementierte sie den Film und seinen Macher endgültig als haushohe Favoriten in ihren jeweiligen Oscarkategorien. Es war Andersons dritte DGA-Nominierung – nach There Will Be Blood und Licorice Pizza – und sein erster Sieg. Vor diesem Jahr ergatterte Anderson seit seiner zweiten Regiearbeit Boogie Nights insgesamt elf Oscarnominierungen, ging jedoch bislang immer leer aus. Er ist einer der meistgefeierten Filmemacher der Gegenwart, der noch nie einen Oscar gewonnen hat, doch diese Durststrecke wird nächsten Monat mit Sicherheit enden. Anderson ist dieses Jahr als Produzent, Regisseur und Drehbuchautor in drei Kategorien nominiert – und gilt in jeder von ihnen als eindeutiger Favorit.
Von Andersons vier DGA-Konkurrenten sind drei auch bei den Oscars im Rennen. Nur Guillermo del Toro verpasste mit Frankenstein eine Oscarnominierung für seine Regie und wurde durch Joachim Trier (Sentimental Value) ersetzt.
Der ukrainische Dokumentarfilmer Mstyslav Chernov gewann mit 2000 Meters to Andriivka seinen zweiten DGA Award (nach 20 Tage in Mariupol), bei den Oscars wurde sein Film überraschenderweise nicht nominiert.
In den TV-Kategorien prämierte die DGA die Emmy- und Golden-Globe-Abräumer "The Studio" und "The Pitt", während "Dying for Sex" und Netflix' Nonnas ihre Miniserien- bzw. TV-Film-Preise holten. Alle Nominierungen und Sieger (in grün) der 78. DGA Awards könnt Ihr unten nachlesen:
Beste Regie bei einem Kinofilm
Paul Thomas Anderson (One Battle After Another)
Ryan Coogler (Blood & Sinners)
Guillermo del Toro (Frankenstein)
Josh Safdie (Marty Supreme)
Chloé Zhao (Hamnet)
Bestes Regiedebüt
Eva Victor (Sorry, Baby)
Alex Russell (Lurker)
Harry Lighton (Pillion)
Hasan Hadi (Ein Kuchen für den Präsidenten)
Charlie Polinger (The Plague)
Beste Regie bei einem Dokumentarfilm
Geeta Gandbhir (The Perfect Neighbor)
Mstyslav Chernov (2000 Meters to Andriivka)
Laura Poitras und Mark Obenhaus (Cover-Up)
Elizabeth Lo (Mistress Dispeller)
Sara Khaki und Mohammadreza Eyni (Cutting Through Rocks)
Beste Regie bei einer Dramaserie
Amanda Marsalis ("The Pitt", Folge "18 Uhr")
Liza Johnson ("The Diplomat", Folge "Amagansett")
Janus Metz Pedersen ("Andor", Folge "Wer bist du?")
Ben Stiller ("Severance", Folge "Cold Harbor")
John Wells ("The Pitt", Folge "7 Uhr")
Beste Regie bei einer Comedyserie
Seth Rogen und Evan Goldberg ("The Studio", Folge "Der One-Shot")
Lucia Aniello ("Hacks", Folge "Spiel mit dem Feuer")
Janicza Bravo ("The Bear", Folge "Würmer")
Christopher Storer ("The Bear", Folge "Bears")
Mike White ("The White Lotus", Folge "Verleugnung")
Beste Regie bei einer Miniserie
Shannon Murphy ("Dying for Sex", Folge "Halb so schlimm")
Jason Bateman ("Black Rabbit", Folge "The Black Rabbits")
Antonio Campos ("The Beast in Me", Folge "Sick Puppy")
Lesli Linka Glatter ("Zero Day", Folge "Episode 6")
Ally Pankiw ("Black Mirror", Folge "Gewöhnliche Leute")
Beste Regie bei einem TV-Film
Stephen Chbosky (Nonnas)
Jesse Armstrong (Mountainhead)
Scott Derrickson (The Gorge)
Michael Morris (Bridget Jones – Verrückt nach ihm)
Kyle Newacheck (Happy Gilmore 2)
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Quelle: Directors Guild of America












