Sofern es nicht zu einer massiven Überraschung durch Blood & Sinners kommt, wird Paul Thomas Andersons politische Actionkomödie One Battle After Another heute Nacht den Hauptpreis bei der 98th Academy Awards holen. Tatsächlich wird Anderson, der schon lange zu den größten Filmvisionären seiner Generation gehört, bislang jedoch immer bei den Oscars leer ausging, voraussichtlich drei Goldstatuen nach Hause mitnehmen: für die Regie, das adaptierte Drehbuch und als Produzent auch für den besten Film. Die eigentliche Frage lautet schon lange nicht mehr, ob One Battle After Another als bester Film prämiert werden wird, sondern wie viele Oscars er insgesamt gewinnen wird. Neben Film, Regie und Drehbuch gilt One Battle After Another auch als deutlicher Favorit in den Kategorien "Bester Nebendarsteller" (Sean Penn) und "Bester Schnitt".
Eine Kategorie, in der er ebenfalls die Nase knapp vorne hat, ist "Beste Kamera". Wie in vielen Kategorien ist auch hier sein Hauptkonkurrent Blood & Sinners, der mit einem Oscar für die Kamerafrau Autumn Durald Arkapaw Geschichte schreiben könnte. Sie ist erst die vierte Frau überhaupt, die für einen Kamera-Oscar nominiert wurde, und wäre die erste Siegerin in der Kategorie. Sie startete stark ins Oscar-Rennen mit Siegen beim New York Film Critics Circle und dem National Board of Review, doch inzwischen zog der relative Newcomer Michael Bauman mit One Battle After Another an ihr vorbei. Er gewann einen BAFTA Awards, das britische Äquivalent der Oscars, und wurde vergangenes Wochenende bei den American Society of Cinematographers (ASC) Awards ausgezeichnet. Die American Society of Cinematographers ist eine kulturelle Vereinigung der Kameraleute, die bereits 1919 gegründet wurde und rund 440 Mitglieder zählt.
Der Sieg bei der ASC bedeutet nicht zwangsläufig, dass Bauman einen Oscar gewinnen wird. Der Oscarsieger und der ASC-Sieger stimmten nur in 18 der letzten 39 Jahre überein, sodass Arkapaw weiterhin eine Chance hat. Jedoch spricht der BAFTA-Sieg auch dafür, dass Bauman im Rennen führt. Außerdem ist allein schon die Autoverfolgungsjagd am Ende von One Battle After Another einen Kamera-Oscar wert.
In der relativ jungen Spotlight-Kategorie, in der kleinere Filme, die hauptsächlich auf Festivals oder nur in wenigen Arthouse-Kinos liefen, ausgezeichnet werden, wurde Mátyás Erdély für das ungarische Drama Andor Hirsch ausgezeichnet. Nominiert war in der Kategorie auch Karl-Walter Lindenlaub für Amrum von Fatih Akin.
Alle Nominierungen der diesjährigen ASC Awards, die deckungsgleich mit den Oscarnominierungen in der entsprechenden Kategorie sind, könnt Ihr hier nachlesen.
Quelle: American Society of Cinematographers












