Die gefeierte iranisch-französische Comiczeichnerin und Filmemacherin Marjane Satrapi ist im Alter von 56 Jahren in Paris gestorben. Laut einer Presseerklärung aus ihrem nahen Umfeld starb Satrapi "an Traurigkeit, ungefähr ein Jahr nach dem Tod von Mattias Ripa, ihrem Ehemann und der Liebe ihres Lebens". Die näheren Umstände ihres Todes sind nicht bekannt. Ripa, mit dem Satrapi seit 1996 verheiratet war, starb im April 2025 an Krebs. Satrapi litt seit seinem Tod an schwerer Depression und reiste im April 2026 sogar zu einer Münchener Klinik in Hoffnung auf Besserung.
Satrapi kam am 22. November 1969 in der nordwestlichen iranischen Stadt Rascht zur Welt. Ihr Familie gehörte der oberen Mittelschicht an und ihre Eltern waren linkspolitische Aktivisten, die Kritik an der Herrschaft des Schahs Mohammad Reza Pahlavi übten. Kurz nach Satrapis Geburt zog ihre Familie in die Hauptstadt Teheran, wo Satrapi eine französischsprachige Schule besuchte. Sie war neun Jahre alt, als der Schah bei der Islamischen Revolution gestürzt wurde. Mehrere von Satrapis Familienmitgliedern und Freunden ihrer Familie wurden als Regimekritiker verfolgt und hingerichtet, darunter ein Onkel väterlicherseits, dem sie sehr nahe stand.
Mit 14 schickten Satrapis Eltern sie an eine französische Schule in Wien. Sie blieb länger in der österreichischen Hauptstadt und verbrachte schließlich drei Monate obdachlos auf der Straße, bis sie nach einer beinahe tödlichen Bronchitis nach Iran zurückgekehrt ist. Dort studierte sie visuelle Kommunikation. Mit 21 heiratete sie einen Veteranen des Irak-Iran-Kriegs, drei Jahre später haben sie sich geschieden. Nach der Scheidung zog Satrapi nach Straßburg und blieb dauerhaft in Frankreich. Weltweite Bekanntheit erlangte sie in den frühen 2000ern mit den "Persepolis"-Graphic-Novels, in denen sie ihre Jugend als aufgeklärte, rebellische Teenagerin unter dem unterdrückerischen fundamentalistischen Regime Irans schilderte. Satrapi verfilmte "Persepolis" 2007 selbst und wurde für die Filmadaption für den Animations-Oscar nominiert. Sie wurde zur ersten Frau überhaupt, die in der Kategorie nominiert wurde, der Oscar ging jedoch an Pixars Ratatouille.
Vier Jahre später feierte Satrapi mit der Verfilmung ihrer Graphic Novel "Huhn mit Pflaumen" ihr Realfilmdebüt als Regisseurin. Mit Ryan Reynolds drehte sie die schwarze Horrorkomödie The Voices, in der er einen sympathischen schizophrenen Serienmörder verkörperte. Der Film ist 2014 erschienen und war hierzulande u. a. bein Fantasy Filmfest zu sehen. Fünf Jahre nach The Voices feierte Satrapis Marie-Curie-Filmbiografie Marie Curie – Elemente des Lebens (OT: Radioactive) mit Rosamund Pike in der Rolle der Nobelpreisträgerin ihre Weltpremiere beim Toronto International Film Festival. Der Kinostart erfolgte im darauffolgenden Jahr, wobei der Film wegen der Covid-Pandemie in vielen Ländern nur digital erschienen ist. Satrapis letzter Film, Paris Paradies mit Monica Bellucci als selbstverliebte Opernsängerin, kam 2024 in die Kinos.
Satrapi war ihr Leben lang politisch aktiv und setzte sich für die Menschenrechte in Iran ein. Letztes Jahr lehnte sie den ihr verliehenen Verdienstorden der Ehrenlegion, die höchste und prestigeträchtigste Auszeichnung Frankreichs, wegen der "heuchlerischen" Haltung Frankreichs zur Islamischen Republik Iran ab. So würden laut ihr junge iranische Dissidenten und Künstler kein Visum in Frankreich erhalten, während die Kinder iranischer Oligarchen problemlos Urlaub in Paris und Saint-Tropez machen könnten.
Quelle: France 24














