Han Solo Regie

© Lucasfilm

Quelle: Lucasfilm

Die Ereignisse bei Lucasfilm und Disney haben sich in den letzten 48 Stunden überschlagen. Vier Monate nach Beginn der Dreharbeiten und drei Wochen vor deren offiziellem Abschluss wurden Christopher Miller und Phil Lord, das Duo hinter den Jump-Street-Filmen und The LEGO Movie, als Regisseure des Han-Solo-Spin-Offs entlassen. Obwohl die offiziellen Pressemitteilungen von Lucasfilm-Chefin Kathleen Kennedy und von den beiden Regisseuren eine einvernehmliche Trennung nahelegten, wurden die Regisseure laut internen Quellen zuverlässiger Industrieblätter kurzerhand gefeuert, weil ihre Vision mit der von Kennedy und Lucasfilm nicht übereinstimmte und die beiden sich nicht in ihr Handwerk reinreden lassen wollten.

Als großer Fan ihrer bisherigen Arbeiten, finde ich es sehr schade, dass Lord und Miller gehen mussten. Doch was geschehen ist, ist geschehen. Nachdem die Scheidung zwischen Lucasfilm und den beiden Filmemachern vollzogen wurde, musste natürlich möglichst schnell ein neuer Regisseur her und es hat nicht lange gedauert, bis ein oscarprämierter Ersatz gefunden wurde. Ron Howard, der Macher von Kinohits wie A Beautiful Mind, Apollo 13, Da Vinci Code – Sakrileg und Der Grinch, wurde von Lucasfilm als neuer Regisseur des Han-Solo-Films bekanntgegeben: (aus dem Englischen)

Bei Lucasfilm glauben wir, dass es das höchste Ziel eines jeden neuen Films ist, die Zuschauer zu erfreuen und den Geist der Saga, die George Lucas vor 40 Jahren begann, fortbestehen zu lassen. In diesem Sinne freut es uns, bekanntzugeben, dass Ron Howard die Regie des unbetitelten Han-Solo-Films übernehmen wird. Wir haben ein wundervolles Drehbuch, eine unglaubliche Besetzung und Crew und die absolute Hingabe, einen großartigen Film zu machen. Die Dreharbeiten werden am 10. Juli wieder aufgenommen werden.

Ron Howard hat eine lange Vorgeschichte mit George Lucas. Er spielte in dessen Film American Graffiti mit, inszenierte den von Lucas geschriebenen Fantasyfilm Willow, und wurde einst von Lucas angeblich gefragt, ob er Star Wars: Episode I inszenieren möchte, was Howard jedoch ablehnte. Jetzt kommt Howard ja doch noch dazu, einen Star-Wars-Film zu drehen, der mit hoher Wahrscheinlichkeit auch der erfolgreichste Film seiner Karriere werden wird. Nach einer Reihe von Flops und Box-Office-Enttäuschungen wie Inferno, Im Herzen der See, Rush und Dickste Freunde, könnte Howard jetzt einen großen Hit gut gebrauchen und dieser fiel ihm quasi in die Hände. Nachdem die Verpflichtung von Lord und Miller ein Risiko war, das für Lucasfilm letztlich nicht aufging, ist Howard eine sehr sichere Wahl. Er ist ein routinierter Filmemacher, ein guter Handwerker und lange im Hollywood-System drin, um zu wissen, wie der Hase läuft. Er wird sich nicht zu weit aus dem Fenster lehnen und liefert meist grundsolide, wenn auch selten spektakuläre Arbeit ab.

Bevor Howard als neuer Regisseur feststand, machten zwei weitere Namen die Runde als möglicher Ersatz für Lord und Miller. Einer davon war Lawrence Kasdan, der 68-jährige Co-Autor des Films, der zusammen mit seinem Sohn Jon das Drehbuch schrieb. Kasdan hat eine lange Vorgeschichte mit dem Franchise und schrieb auch an den Drehbüchern zu Das Imperium schlägt zurück, Die Rückkehr der Jedi-Ritter und Das Erwachen der Macht mit. Außerdem inszenierte er auch als Regisseur zahlreiche Filme im Laufe seiner Karriere, darunter den oscarnominierten Streifen Die Reisen des Mr. Leary (OT: The Accidental Tourist). Es gab bei ihm jedoch einen großen Haken. Laut Vorgaben der US-Regiegewerkschaft DGA, darf ein Regisseur nicht von einem anderen Mitglied der Filmcrew ersetzt werden und da Kasdan der Co-Autor ist, schließt die Regelung ihn ein. Hätte sich Lucasfilm dieser widersetzt, hätte das große Konsequenzen nach sich gezogen. Joe Johnston war ebenfalls ein möglicher Anwärter für den Regieposten. Für Disney inszenierte Johnston bereits Captain America – The First Avenger und ist ein erfahrener Blockbuster-Filmemacher mit Filmen wie Jumanji und The Wolfman in seinem Lebenslauf. Auch er ist ein Regisseur, der zu Lucasfilm in der aktuellen Situation gut gepasst hätte: erfahren, kennt sein Handwerk und geht keine großen Risiken ein.

Howard hat jetzt die nicht gerade beneidenswerte Aufgabe, einen Film zu übernehmen, der nahezu fertig ist Aktuell ist nicht bekannt, wie viel von dem Filmmaterial, das Miller und Lord drehten, überhaupt im Film bleiben wird und ob die beiden noch als Regisseure des Films gelistet werden. In dieser Hinsicht wird sich Lucasfilm noch mit der Regiegewerkschaft auseinandersetzen müssen. Am ehesten erinnert die Situation an Superman II, dessen Regie Richard Donner entrissen wurde, nachdem er 75% des Films fertiggestellt hatte. Richard Lester beendete den Film und drehte zahlreiche von Donners Szenen neu, um offiziell als Regisseur des Films geführt zu werden. Ein weiteres Beispiel ist Exorzist: Der Anfang, der nach der Fertigstellung durch Paul Schrader von Renny Harlin komplett überarbeitet wurde. So sehr, dass Schraders Version einige Zeit später als ein eigenständiger Film unter dem Titel Dominion: Exorzist – Der Anfang des Bösen veröffentlicht wurde.

Ob der Kino-Starttermin des Films im Mai 2018 eingehalten werden wird, bleibt weiterhin unklar.

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