Japan-FIlmfest Hamburg 2014

Das Japan-Filmfest Hamburg (JFFH) wurde am Mittwochabend zum 15. Mal feierlich eröffnet. Neben zahlreichen japanischen Gästen war auch die Hamburger Kultursenatorin Prof. Barbara Kisseler vor Ort. Sie eröffnete mit einer kleinen Rede neben Vertretern der Nihon Media, dem Veranstalter des JFFH, hochoffiziell das Fest. Im Fokus stand dabei die 25-jährige Städtepartnerschaft zwischen Hamburg und Ôsaka, die auch filmisch stark in diesem Jahr vertreten ist. Auch der Ehrengast Screaming Mad George und die 28. Kirschblütenprinzessin Miriam Rossmann waren bei der Eröffnung live mit dabei.

Das Metropolis-Kino war nahezu bis auf den letzten Platz besetzt. Das Publikum war eine bunte Mischung verschiedener Altersklassen und Charaktere, wie man es sich für ein interkulturelles Festival wünscht. Die Stimmung war großartig und hat Lust auf mehr gemacht. Das lag nicht zuletzt auch am Eröffnungsfilm. Die Komödie Ken & Mary: The Asian Truck Express (Ken to Merî: Ameagari no yozora ni) von Regisseur Kenta Fukasaku war ein perfekter Einstieg ins Filmfest. Die Kritik zur Europa-Premiere des Roadmovies findet ihr ganz unten.

ANEZIGE

Vorher aber noch eine wichtige Info für Leute, die sich wie ich auf den Film Earth Defense Widow (Chikyû bôei mibôjin) gefreut haben. Leider kann der Film nicht wie geplant gezeigt werden. Grund dafür ist, dass die englischsprachige Untertitelung nicht rechtzeitig fertig wurde. Stattdessen wird dann Slum-Polis nicht nur am Sonntagabend, sondern auch am Freitag um 15.30 Uhr im Metropolis laufen. Weitere Programmplanungen sind bis jetzt nicht bekannt geworden.

Ken & Mary: The Asian Truck Express
(Ken to Merî: Ameagari no yozora ni)

Ken & Mary (2013) FilmplakatKen Katakura (Naoto Takenaka) ist ein einfacher Salaryman aus Japan. Nach dem Tod seiner Frau bleibt ihm nur noch seine Tochter Yukari (Kii Kitano) als engstes Familienmitglied. Doch die arbeitet im 5000 Kilometer entfernten Malaysia als Japanischlehrerin an einer kleinen Schule. Und sie steht kurz vor ihrer Hochzeit. Bei diesem Thema schrillen bei Ken die Alarmglocken. Er macht sich sofort auf den Weg Richtung Kuala Lumpur, um die Hochzeit zu verhindern. Doch Yukari weiß, dass er alles kaputt machen wird, und hofft inständig, dass er es nicht rechtzeitig zum Traualtar schafft. Und das Schicksal scheint es gut mit ihr zu meinen, denn Kens Flugzeug muss in der malaysischen Pampa notlanden. Nach anfänglichen Problemen trifft er schließlich auf den Truckfahrer Mary (Bing Hu). Der könnte ihm noch helfen, die Hochzeit seiner Tochter rechtzeitig zu erreichen. Doch sehr schnell bereut er seine Entscheidung.

Ken & Mary ist eine als Roadmovie verpackte unterhaltsame Komödie. Der Humor lebt vor allem vom japanischen Slapstick und den teilweise sehr starken Übertreibungen. Die Handlung ist stets hervorsehbar, macht den Film aber nicht zunichte. Alles in allem sind das die Eigenschaften einer typischen japanischen Comedy. Das Interessante und Neue bildet jedoch der vollkommen andere Blickwinkel auf die Situation. So kann der Zuschauer einiges über Malaysia lernen.Ken & Mary (2013) Filmbild Und nicht nur das. Der Film strotzt geradezu vor Multikulturalismus. Schließlich ist Ken Vollblutjapaner, seine Tochter beherrscht perfekt die malaysische Sprache, Mary ist ein in Malaysia arbeitender Chinese – und wir haben das Vergnügen, das Ganze aus einem europäischen Blickwinkel zu beobachten. Das fällt besonders auf, wenn die Protagonisten Malaysisch sprechen, was dann auf Japanisch untertitelt wird und zusätzlich auf Englisch über die Leinwand flimmert. Das führt zwar zu optischen Überladungen, macht aber dennoch Spaß. Dieser Spaß wird zudem durch die sehr sympathischen Charakteren, die mit viel Herz von den Schauspielern umgesetzt wurden, verstärkt. Diese Sympathie macht auch die in der Mitte des Films nachlassende Stimmung wieder wett. Zum Ende hin wird es dann aber noch mal spannend. Alles in allem war der Film eine sehr gute Wahl für die Filmfesteröffnung.

4/5 Sterne