Wer schön sein will, muss reisen (2013)

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ÜBERBLICK DER REZENSIONEN
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Wer schön sein will, muss reisen, D 2013 • 93 Min • Regie: René Schöttler • Mit: Tine Wittler • FSK: ab 12 Jahren • Kinostart: 26.09.2013

„Was macht eigentlich schön?“ Diese Frage steht am Anfang von Tine Wittlers Dokumentation, in deren Mittelpunkt die Reise nach Mauretanien. Am Ende das titelgebende Fazit „Wer schön sein will, muss reisen“. Die Anspielung auf die Redewendung „Wer schön sein will, muss leiden“ deutet auf den weiten Weg, den es zur Erkenntnis der eigenen Schönheit brauchen kann, und das es oft einpeinvoller ist. Wie die Prozedur, mit der die Autorin und TV-Moderatorin nicht nur indirekt in Berührung kommt. Nicht wenige Mauretanierinnen versuchen, wie auch hierzulande gängig, ihre Figur mit Medikamenten anzupassen. In dem Wüstenstaat, wo ausladende Formen als Ideal gelten, sind Mastpillen und Appetitanreger noch das kleinere Übel zur Essfolter der Gavage.

Die Zwangsmästung beginnt im frühen Kindesalter bei Mädchen, die später auf dem Heiratsmarkt durch Fettleibigkeit an Wert gewinnen sollen. Eine Methode der Tiermast, wo Glavage das Stopfen von Geflügel zur Erzeugung spezieller Delikatessen bezeichnet. Was begehrt ist, hat seinen Preis. Foie Gras, Confit, Ehefrauen, Töchter… Erkaufen und vernaschen. Foltern für den (Augen)Schmaus. In Mauretanien genauso wie hier ist Schönheit ein unerbittlicher Fleischmarkt, an dem Medien, Mode und Medikamentenindustrie mitverdienen. Doch um solch perfide Sozialmechanismen und Parallelen macht der vordergründige Dokumentarausflug einen Bogen. Die Botschaft soll positiv sein: Toleranz, Engagement und Intellekt machen schön. Umso mehr man von der Welt kennt, umso besser können sie gedeihen. Wie unzureichend solche Weisheit ist, gesteht Wittler zu Beginn selber: „Du kannst dir tausendmal sagen, dass du ein toller Mensch bist. Wenn du in den Spiegel guckst und du kannst dich nicht leiden, hilft dir das gar nichts.“ Genau das möchte man auch ihrem Reisereport vorwerfen, wäre da nicht der Eindruck von aufrichtiger Motivation.

Tine Wittler in Wer schön sein will, muss reisenWittler, scheint es, will sich öffnen, persönlich und kulturell. Die Erzählerin erzählt von ihren eigenen Konflikten mit der Figur, sie legt das traditionelle Gewand, die Malhafa, an, unterzieht sich stundenlangen Henna-Bemalungen und einen Tag lang der Gavage. Dabei ist sie nicht die erste, die sich freiwillig der Zwangsfütterung aussetzt. Dunja Barnes ertrug 1914 für einen Artikel die Tortur, vorrangig aus Protest gegen derartige Misshandlungen von Frauenrechtlerinnen wie Sylvia Pankhurst. Gewaltsame Nahrungszufuhr hat auch in der westlichen Kultur Tradition und noch deutlicher als in der arabischen als staatliche Waffe gegen politischen Protest, insbesondere von weiblicher Seite. In England wurden Frauenrechtlerinnen wie Sylvia Pankhurst. Abgesehen vom Gefälle an politischem Hintergrund und ethischer Ambition bleibt unklar, ob Wittler sich der Verbindung bewusst ist. Offenkundig scheint dafür ihre solidarische Egozentrik. Das Regiedebüt gerät zum Real-Life-Monodrama mit Wittler als Hauptfigur. Eigentlich wollte sie ja einen Roman schreiben, „über eine junge Frau, die Schwierigkeiten hat, mit ihrem Körper Frieden zu schließen, weil dieser eben nicht dem gängigen schlanken Schönheitsideal entspricht.“

Die Protagonistin sollte auf einer Reise erfahren, „dass Schönheit mitnichten etwas objektiv messbares ist, sondern von Perspektive, Zeit und Raum abhängt.“ Sorgsam formulierte Lehrsätze aus dem Pressheft, das beinah durchdachter wirkt als der Film. Er entstand anstatt der geplanten Fiktion, wie bereits das 2012 letztes Jahr erschiene gleichnamige Sachbuch. Die Heldin ist nun Wittler, die schon in ihr zweites Buch „Parallelwelt“ eigene Erfahrungen einfließen ließ. Ein Selbstsuche vor dem Hintergrund der sozialhistorischen Variablen, die das feminine Schönheitsideal seit Jahrtausenden darstellt, hätte ihren Reiz haben können. Doch dazu fehlt der Regisseurin, die lediglich nach ihren Regeln die Galvage duldet, die radikale Konsequenz einer Dunja Barnes – oder vielleicht nur Extraversion zum eigenen Gesellschaftshintergrund. So heißt Gavage auch die Magensonde, die oftmals gegen den Willen der Betroffenen eingesetzt wird. Bis nach Mauretanien, dessen Rückständigkeit strategisch betont, hätte Wittler nicht reisen brauchen, um Frauen und Mädchen zu finden, die mit Zwangsfütterung oder Medikamenten in ein bestimmtes Formschema von physischer und psychischer Wohlgestalt gepresst werden. Die Dünnen bleiben Silhouetten auf westlichen Reklamebildern, die Wittlers korpulente Gesprächspartnerinnen erwartungsgemäß bespötteln.

Fazit

Traummaße sind subjektiv. Das ist ein Trost. Doch der Eindruck, das individuelle Schönheitsbewusstsein könne nur die Herabsetzung anderer Körperformen stärken, macht ihn zunichte.

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