Wenn ich bleibe (2014)

0
ÜBERBLICK DER REZENSIONEN
Gesamt

If I Stay, USA 2014 • 107 Min • Regie: R.J. Cutler • Mit: Chloë Grace Moretz, Mireille Enos, Joshua Leonard • FSK: ab 6 Jahren • Kinostart: 18.09.2014

Mia ist anders als ihre Familie. Ganz im Gegensatz zu ihren Eltern, die ein abenteuerreiches Rockerleben hinter sich lassen, als sie und ihr kleiner Bruder geboren werden, ist sie zurückhaltend und hegt andere Interessen. Mit ihrer Leidenschaft für Klassik und vor allem das Cello trifft sie auf Adam, der mit seiner Indie-Rockband immer mehr aufsteigt, und sich in sie verliebt. Über der Beziehung scheinen die Sterne zu stehen, bis ihre Wege durch die Musik immer mehr auseinandergehen zu drohen, und sie sich letztendlich trennen. Zwischen allem Stress mit Adam und ihrer Aufnahmeprüfung an der Juilliard beschließt ihre Familie eines verschneiten Morgens, einen Ausflug zu der Farm ihrer Großeltern zu unternehmen. Doch ein tragischer Unfall fordert ihr Leben. Während Mia sich als eine Art Geist in einer Welt zwischen Leben und Tod befindet, muss sie sich entscheiden: Soll sie bleiben, und als Weise weiterleben? Oder soll sie aufgeben, ihre Welt und vor allem Adam für alle Zeit verlassen?

Mia und AdamGanz klar ist: Das Grundthema eines Teenager-Lebens von Beziehungen über berufliche Entscheidungen, Familie und Freunde ist sowohl in Kinos als auch Büchern kein Neuland. So geht es in „Wenn ich bleibe“ im Grundsätzlichen um das schon fast abgegriffene Thema der 17-jährigen Mia (Chloe Moretz), die sich zwischen Liebe und Beruf nicht entscheiden will und dadurch in ihrer Beziehung zum älteren Adam (Jamie Blackley) zu scheitern droht. Auch der Aspekt des harmonischen Familienlebens und der guten Beziehung zu ihrer Mutter ist nicht unbenutzt.

Doch neben all dem gibt R.J. Cutlers neustes Projekt etwas mehr her, als nur eine oberflächliche Heranwachsenden-Story. Hinter vielen Beziehungs-Klischees, mal etwas zu peinlichen Eltern und einem rührendem Familienleben verbirgt sich eine tiefgreifendere Story von Leben und Tod, die letztendlich nicht vollkommen aus der Luft gegriffen ist, sondern auch einen Realitätsbezug besitzt.

„Wenn ich bleibe“ ist ohne Zweifel ein Film, der sich sowohl positiv als auch weniger positiv bewerten lässt. Er schwankt irgendwo zwischen Romantikdrama und gut recherchierter Real-Life-Parallele, was einen nicht ganz in eine Richtung denken lassen will. Dass die Autorin der gleichnamigen Romanvorlage, Gayle Forman, sich zu 90 Prozent der Kitsch-Kiste bedient hat, ist allein durch die Grundhandlung zu erwarten. Jedoch bleibt trotz vieler Vorhersehbarkeiten in der Adaption noch eine gewisse Spannung erhalten, die den Zuschauer nicht ganz loslässt. Das wird unter anderem auch durch Hauptdarstellerin Chloe Moretz bedeutend herangeführt, die bereits mit „Carry“ (2013) ihr Talent bewiesen hat. Mit vielen Emotionsebenen bewegt sie sich durch die Handlungen, und bringt Traurigkeit als auch das Glück mit Adam überzeugend herüber. Ebenso ist ihr die Verkörperung der leidenschaftlichen Cellistin absolut gelungen. Und obwohl sicherlich mit Bodydoubles gearbeitet wurde, nimmt ihr zumindest der Durchschnittsmensch auch die Musikbegabung voll ab.

 

Mia HospitalDoch neben schauspielerischen Leistungen erwähnenswert sind auch Filmeffekte, Kameraführung und Schnitt des Werkes von R.J. Cutler, die viele interessante Details aufweisen und den Film (abgesehen vom tragischen Autounfall) anspruchsvoller und damit sehenswerter machen. Anders, als man sich aus dem Trailer erwarten mag, besteht der gesamte Vorgang des Films aus nur zwei verschiedenen Handlungssträngen, die chronologisch, abwechselnd wiedergegeben werden; dem Komazustand und immer wiederkehrenden Szenen aus der Vergangenheit, durch schmuckvoll gestaltete Übergange miteinander verbunden.  Hingegen den Erwartungen von Verwirrung durch die Flashbacks ist der Ablauf jedoch nicht schwer verständlich, sondern erstaunlich angenehm zu verfolgen. Die Länge der Zeitabschnitte ist so gewählt, dass einem die vorigen Begebenheiten noch in Erinnerung bleiben und damit gedanklich fast nahtlos an das Geschehen anschließen können. Auch die Kamera weist zwischendrin perspektivisch eher ungewöhnliche Aufnahmen auf, die den gesamten Film ein wenig hochstufen.

Letztendlich gibt es in „Wenn ich bleibe“ zu viele Kitsch-Klischees, als dass er für den üblichen Action-Romance-Comedy-Kinogänger ein perfektes Bild abgeben würde. Das offensichtlich dramatische Thema durch die teilweise zu lockeren Eltern aufgelöst, die Idee vom „sexy Rocker“ und der schüchternen Klassikschülerin allbekannt, oder die Kussszenen einmal zu oft eingefangen… – So manch unvorteilhafter Vorgang lässt die Meinungen stark auseinandergehen.

Doch es lässt sich bereits am Trailer ausmachen, zu welcher Sparte die Story einzuordnen ist. Die dargestellten Momente geben den besten Eindruck, auf was sich der Besucher einstellen muss. Dadurch sollten die Anti-Romantiker sicherlich schon im Vorfeld abgeschreckt sein und im Kino gar nicht mehr enttäuscht werden können. Auch, wer den Inhalt des Buches kennt, sollte darauf vorbereitet sein, worauf er sich einlässt.

Aber zwischen allen Schmalz-Elementen besitzt R.J. Cutlers Adaption des Romans auch gute Seiten. Neben der Schauspielperformance und Optik sowie der Begebenheit des Unfalls, die einen deutlichen Teil zur Aufwertung des Films beitragen, ist die Aufmachung ein wesentlich positiver Aspekt in punkto Atmosphäre und Wirkung. Somit ist „Wenn ich bleibe“ ein berührender Film über die Liebe zur Musik und der Familie, Aufopferung und letztendlich einer wichtigen Lebensentscheidung, besetzt mit einem stimmigen Cast und verpackt in ein stilvolles Arrangement.

Romantikdramas sind und waren schon immer eine Sache des Geschmacks, jedoch lässt sich guten Gewissens abschließend sagen:

Der gefühlsbetonte Kinobesucher wird bei „Wenn ich bleibe“ nicht trocken bleiben können und auch nach dem Kinobesuch noch von der herzzerreißenden Geschichte gefesselt sein.